Nach wie vor pocht der HDE zwar darauf, dass die Geschäfte mit ihren Hygienekonzepten kein Corona-Hotspot wären. In einem Brief an Bundeskanzleramtschef Helge Braun bezweifelt Verbandspräsident Josef Sanktjohanser gar, selbst mit Schließung aller Non-Food-Läden den Inzidenzwert auf 50 bis zum 11.1. drücken zu können. Stoisch wird weiter ignoriert, dass jegliches „private Vergnügen“ Menschen dazu animiert, sich in die Geselligkeit zu stürzen und so Massen zusammenkommen, die ohne offene Läden zuhause blieben. Grund hierfür ist aber nicht allein die umsatzbedingte Existenznot der stationären Händler, wie es der HDE betont, sondern auch der boomende eCommerce, der ihnen in Corona den Rang abläuft.

Die Handelsforscher des IFH Köln trauen dem Onlinehandel bei weiter zunehmender Dynamik 2024 bis zu 141 (2020e: 80 Mrd. bis 88) Mrd. Euro Umsatz zu, was am Übergewicht der Stationären, die bis dato mit Abstand den meisten Umsatz generieren (HDE-Prognose 2020: 484 Mrd. Euro, eCommerce: 68 Mrd. Euro) kratzt. Je länger die Kunden nicht in Läden „unbeschwert“ shoppen können, desto eher könnte es zu einem Dauer-Schwenk in die Webshops auch nach Corona kommen. Entsprechend wild ist denn auch der HDE hinter her, diese Entwicklung zu stoppen.

In Berlin wirft Sanktjohanser dazu die ganze Verzweiflung der stationären Händler in die Waagschale, um zumindest ein sicheres Enddatum der neuen Beschränkungen festzuzurren. Staatshilfen brauchen viele von ihnen so oder so. Der von Handel gefürchtete „monatelange Lockdown“ wird den Staat letztlich schlicht mehr kosten. Denn das der die Konsum-Bringer nicht im Stich lassen wird, spiegelt das zögerliche Durchdrücken härterer Corona-Maßnahmen zu Weihnachten wider.