Geradezu eine Erosion in dieser Altersgruppe erlitt die Union, deren Anteil bei den jungen Leuten sich auf 12% mehr als halbierte. Die SPD hingegen erlebte ihren größten Zulauf bei den Alten (60+) und zog mit der auch in dieser sich um die Rente sorgenden Altersgruppe stark verlierenden Union mehr als gleich. Dass die beiden großen Parteien, von denen eine am Ende den Kanzler stellen wird, jeweils nur gerade mal um die 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, ist auch diesem Generationswechsel zuzuschreiben. Junge Wählerschichten sehen ihre Interessen von den etablierten Volksparteien nur noch unzureichend vertreten. Ihre Stimmen gingen dort in der Vergangenheit oftmals unter, weil das Parteien-Establishment mit seinen Gremien von den Alten geprägt wird.

Durch die Wanderung zu den Grünen und der FDP, die mit zukunftsgerichteten Themen wie Umwelt, wirtschaftlicher Modernisierung und Digitalisierung locken, können sie sich nun viel stärker Gehör verschaffen, zumal die Bundesrepublik in Zukunft aller Voraussicht nach von einer Dreier-Koalition regiert werden wird, in der die jeweilige Kanzlerpartei weniger Stimmen haben wird, als die beiden kleineren Partner zusammen. Grüne und FDP sind sich dieser strategisch guten Ausgangsposition bewusst und werden entsprechenden inhaltlichen Druck ausüben. Will der voraussichtliche neue Bundeskanzler Olaf Scholz mit einer Ampel regieren, wird er ganz automatisch auf die Wünsche der jungen Generation eingehen müssen, die sich in den Programmen von Grünen und der FDP wiederfinden.