Der Überlebenskampf geht nahtlos in den Nahkampf um Kunden im Privatreisesegment über. Nur dort gibt es aktuell echtes Wachstumspotenzial. So treibt beim Kranich auch eher Tochter Eurowings die Zahlen hoch, die einen Run erlebt, der an den Wochenenden die Strecken zu Ferienzielen wie Spanien, Italien und Griechenland restlos ausbucht. 45 Maschinen hatte Eurowings Anfang des Monats in der Luft, 80 sollen es binnen weniger Wochen werden und alle, so glaubt Airline-Chef Jens Bischof, werden im Sommer ausgelastet sein.

Ferienflieger-Rivale Condor hat just zum Wochenende die Buchungen für den Sommer 2022 freigegeben mit weltweiten Zielen. Gleich 26 Strecken vom zentralen Frankfurter Hub aus. Condor unterstreicht damit die zurückgekehrte Planungssicherheit, rüstet sich aber auch für die auf den Markt zurollende Konkurrenz durch die neue touristische Lufthansa-Linie Eurowings Discover, für die Airline-Chef Carsten Spohr in Windeseile die Betriebsgenehmigung schon für diesen Sommer (ab 24.7.) ergattern konnte. Brisant: Eurowings Discover wird vollständig in das Hub-Zubringersystem des Kranichs in Frankfurt (und München) integriert und bedient von der Mainmetropole aus vielfach die gleichen Strecken wie Condor.

Bis Mai 2022 wird der Wettkampf durch die gerichtlich durchgeboxte Verlängerung der Zubringer-Kooperation zwischen Lufthansa und Condor abgefedert. Dann wird Spohr sicherlich erneut versuchen, den Vertrag zu kündigen. Bis dahin nutzt das neue Familienmitglied Discover das perfekte Timing beim Startschuss, um im Höhenflug der Nachkrisenerholung Fuß zu fassen und Spohr bei seinem zuletzt beim Luftfahrtgipfel aufgerufenem Ziel zu unterstützen, noch vor der Bundestagswahl in 13 Wochen den Corona-Rettungskredit zurückzuzahlen.