Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, liegen doch selbst die USA (133,3%) und – trotz Maastricht Vertrag – die Eurozone (95,6%) weit über dieser Marke. Spitzenreiter ist Japan (234%). Doch während der Rest der Welt die Pandemie weitestgehend abgehakt hat und sich das Verschuldungslevel bei Industriestaaten (9%) und Schwellenländern (18%) über dem Niveau von 2019 einpendeln wird, sehen die Prognosen für China düsterer aus. Peking steht vor drei massiven Problemen.

  1. Bislang wurden in großem Umfang Unternehmensanleihen für Infrastrukturprojekte staatlicher Konzerne emittiert, um den heimischen Wirtschaftsmotor anzukurbeln. Das Ziel: Wandel von einer Export- hin zu einer Konsumwirtschaft. Im Dauerlockdown ist das nur schwer zu erreichen. So zeigt ein Blick in die Daten der Bank of International Settlement, dass sich in China die Schulden vor allem auf (staatliche) Unternehmen (55%) verteilen, gefolgt vom Staat (23%) und Privathaushalten (22%). In Deutschland hingegen liegt die Hauptlast mit 67% beim Bund. Oft wird Geld in unrentable Firmen gepumpt. Das Ziel ist die Sicherung von Arbeitsplätzen. Beim Immobilienriesen Evergrande zeigte sich unlängst das wacklige Fundament: Freitag (22.4.) endet die 30-tägige Nachfrist zur Rückzahlung eines Offshore-Bonds in Höhe von 2 Mrd. US-Dollar.
  2. Die Verschuldung der Privathaushalte steigt massiv. Binnen 10 Jahren gab es eine Verdopplung gemessen am BIP. Der Grund: Hohe Immobilienpreise und wachsende Konsumbereitschaft.
  3. Intransparenz. Besonders auf lokaler Ebene verliert der chinesische Staat den  Überblick über die undurchsichtige Schuldenlast. Hinzu kommen Staatspleiten von EM-Ländern wie Sri Lanka, denen China unter Schweigepflicht viel Kapital geliehen hat, um diese an sich zu binden. Der Geldhahn wurde unlängst zugedreht.