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Weiteres Mega-Merger auf den Weltmeeren?

Mit einer beispiellosen Konsolidierungswelle versuchen sich die großen und kleinen Reedereien der Weltmeere vor dem Untergehen zu bewahren. Nun liegt ein weiteres Merger in der Luft. In der Branche werden die Stimmen lauter, dass die eher kleine chinesische Reederei Orient Overseas (OOCL) vor der Übernahme stehe.

Der Bieterkampf soll sich zwischen den Branchengrößen Evergreen Marine, CMA CGM und der ebenfalls in China beheimateten CoscoCS entscheiden. Rd. 4 Mrd. US-Dollar soll CoscoCS bieten wollen. Ein OOCL-Sprecher wollte dies nicht kommentieren, doch eine Übernahme macht Sinn. Wenn die neu gebildeten Allianzen Ocean Alliance, 2M und die unter deutscher Flagge segelnde THE Alliance im Frühjahr operativ durchstarten, wird der Markt aufgeteilt. Wie die drei Interessenten ist OOCL Teil von Ocean Alliance, läuft aber Gefahr, im Schatten der Großen unterzugehen. Den anderen Bündnispartnern hingegen wäre eine Reduzierung der Mitglieder wohl willkommen. Getreu dem Motto „viele Köche verderben den Brei“ hatte schon Hapag LLoyd die geplante Fusion der drei japanischen Allianzkollegen begrüßt. Dass der Wind für kleine Reedereien hart bleibt, wusste auch der Oetker-Clan, als die Entscheidung fiel, Hamburg Süd dem Branchenprimus A.P. Møller-Mærsk zu überlassen. Lieber trennte sich Dr. Oetker von gut 50% seines Umsatzes, anstatt den Kapitalbedarf aufzubringen, der nötig wäre, um in der Konsolidierungsflut mithalten zu können. Dieser Rechnung muss sich nun auch die Tung-Familie stellen, in deren Hand OOCL mehrheitlich liegt.

Zwar scheint die Entwicklung der Frachtraten vom einstigen Tiefpunkt, als die Preise bei rd. 205 USD pro TEU dümpelten, bis zum heute aktuellen Stand von knapp 1 100 USD je TEU ein Lichtblick zu sein. Doch wie uns Thomas Wybierek, NordLB-Schifffahrtsexperte, erklärte, seien die höheren Raten höchst volatil, bröckelten nach kurzen Aufschwüngen wieder langsam ab. Eine Stabilisierung auf dem für die gebeutelte Containerschifffahrt aktuell hohen Niveau zweifelt Wybierek an. Es erfordere extreme Disziplin der Allianzen, sich angesichts des Marktdruckes nicht wieder in ein gegenseitiges Unterbietungs-Gerangel zu stürzen. Die Reedereien haben ihre Frachtraten zwar hochgeschraubt, auf Seiten der Nachfrage bleibt die nötige Unterstützung aber bislang noch aus.

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