Fondsgebühren: Kostendruck für Emittenten steigt
Wer günstig anlegen will, sollte auf frisch aufgelegte Investmentprodukte setzen. Doch nicht nur das Alter bestimmt, wie teuer ein Fonds oder ETF ist. Ein Bericht der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA hat die Entwicklung der Gebühren und ihre Treiber identifiziert.

Gute Nachrichten für europäische Anleger: Zwischen 2020 und 2024 sind die Kosten für aktive Aktienfonds, exklusive ETFs, um 8% gesunken. Die Kosten für in Europa vertriebene Anleihefonds sind im gleichen Zeitraum sogar um 15% zurückgegangen. ETF-Anbieter haben die Kosten um 13% (Aktien-ETFs) und 17% (Anleihe-ETFs) gesenkt.
Treiber der geringeren Gebühren sind in erster Linie neu aufgelegte Produkte. Die Kosten bestehender Produkte sind nur geringfügig gesunken. Jüngere Fonds sind im Schnitt 5 Basispunkte günstiger als etablierte Fonds. Der Margendruck der Branche verschärft sich damit deutlich.
Das ist das Ergebnis des ESMA-Berichts zu Kosten und Performance von EU-Investmentprodukten für Endverbraucher, die die Aufsicht Mitte der Woche veröffentlicht hat. Betrachtet wurden die laufenden Kosten (Total Expense Ratio, TER), über einen rollierenden Zehnjahreszeitraum.
Höhere laufende Kosten fressen Rendite
Ein Anleger, der zwischen 2011 und 2020 in aktive Aktienfonds investiert hätte, hätte im Durchschnitt laufende Kosten in Höhe von 1,54 Prozent des durchschnittlichen Fondsvermögens zahlen müssen. Die Nettoperformance lag in diesen zehn Jahren bei 6,6%. Zwischen 2015 und 2024 wären es noch laufende Kosten in Höhe von 1,39% bei einer Nettorendite von 7,6% gewesen.
Deutlich günstiger und besser performt haben Aktien-ETFs mit einer TER von 0,32% und einer Nettorendite von 7,6% (2011-2020), beziehungsweise laufenden Kosten in Höhe von 0,26% und einer Performance von 9,3% (2015-2024). Das sind 1,7 Prozentpunkte mehr als bei aktiven Aktienfonds.

Kostentreiber sind neben der Produktstruktur (ETF versus aktiv gemanagter Fonds) auch das Domizilland, Vertriebsprovisionen, die Risikostruktur, die Fondsgröße (Skaleneffekte), das Fondsalter und das Anlageuniversum.
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Gebühren schwanken von Land zu Land
Vertriebswege und regulatorische Vorschriften lassen die Gebühren beispielsweise über die Ländergrenzen hinweg schwanken. So sind die laufenden Kosten in Italien und Portugal im EU-Vergleich am höchsten, während Niederländer und Schweden besonders günstig anlegen können. Vertriebsprovisionen machen nach Daten der ESMA rund 45% der TER aus, weshalb diese in Ländern mit Provisionsverbot (wie den Niederlanden) so niedrig ausfällt.
Die ESMA konnte auch einen positiven Zusammenhang zwischen Risikoklasse und Kosten nachweisen. Risikoreichere Strategien wie die Anlage in Schwellenländern, Small Caps oder Nischenmärkten würden höhere Recherchekosten, komplexere Handelsprozesse und höhere Transaktionskosten verursachen.
Auch das Fondsalter spielt eine Rolle. Neue Fonds würden häufiger in Irland domiziliert, statt in Luxemburg. Zudem investieren sie globaler, weniger regional. Auch der höhere ESG-Anteil senkt die Kosten. Laut ESMA liegt die TER von ESG-Fonds im Schnitt 5 Basispunkte unter vergleichbaren Nicht-ESG-Fonds.