Private Equity – Standort München in Gefahr?
Neuralgischer Punkt ist bisher vor allem die Auslastung, denn vor lauter Deals war in den vergangenen Jahren statt Segeln und Skifahren meistens Verhandeln bis zum Morgengrauen angesagt. Dass ein Urgestein wie Christian Hollenberg, Mitgründer des PE-Hauses Perusa, den Standort nun öffentlich in Frage stellt, kommt trotzdem nicht ganz überraschend. Schon länger werfen die bayerischen Steuer- und Justizbehörden einer Reihe von PE-Gesellschaften Tricksereien rund um Luxemburger Betriebsstätten vor (s. PLATOW v. 27.6.2022); lt. „manager magazin“ sind außer Perusa auch u. a. DPE, Orlando, Silverfleet betroffen. Hollenberg lässt sich mit den Worten zitieren, Perusa werde „aus München heraus keinen neuen Fonds mehr auflegen“.
Eine allgemeine Markttendenz kann man daraus wohl (noch) nicht ableiten. „Manche Private-Equity-Gesellschaften überlegen sich sicherlich bereits Alternativstrukturen und mögen so den Standort München ein Stück weit hinterfragen“, sagt uns Dominik Massing, langjähriger Syndikus beim PE-Haus Aurelius und heute Partner der Transaktionskanzlei Massing Werner.
Eine Verlagerung an andere Standorte beobachten bisher aber weder Branchenkenner aus München noch aus anderen deutschen Städten. Dass bald komplette Investmentteams nach Luxemburg verlegt werden, hält auch Massing „praktisch für ausgeschlossen“. Es werde eher darum gehen, wasserdichte Governance-Strukturen aufzubauen, auch wenn diese dem pragmatisch-schlanken Ansatz der Branche eigentlich widersprächen. np