Das Logo des Online-Brokers Scalable Capital ist den Sparkassen ein Dorn im Auge. Der DSGV fordert nach PLATOW-Informationen eine Veränderung der Marke ein. Demnach kam der Sparkassenverband bereits auf das Münchener Unternehmen zu. Auf Nachfrage zeigt sich der DSGV kämpferisch. „Wo Unternehmen im Finanzbereich unsere eingetragenen Markenrechte, insbesondere an der Wortmarke, der Farbmarke und auch dem Sparkassen-’S‘, verletzen, gehen wir konsequent dagegen vor.“ Scalable Capital äußerte sich nicht zu unseren Informationen.

Es ist bereits der zweite Streitfall mit einem Finanzunternehmen um das Logo. Auch die neue Marke der Fondsgesellschaft Sauren ist bekanntlich ein Zankapfel. Die Kölner Fondsboutique, die ein Vermögen von mehr als 2 Mrd. Euro verwaltet, meldete im April ein neues Logo an. Die geometrische Kombination aus Kreis und Quadrat lässt den Buchstaben „S“ erahnen, an dem sich die Markenjuristen des Verbands ebenfalls stören. Der DSGV startete ein Widerspruchsverfahren gegen das Logo.

Von der Spardose bis S-Neo

Die Sparkassen verteidigen ihr Erkennungszeichen, das ursprünglich im Jahr 1938 von Lois Gaigg entworfen und 1972 von Otl Aicher in seine heutige Form gebracht wurde. Der Kreis über dem „S“ deutet dabei eine Münze an, die in eine Spardose geworfen wird. Brisanz gewinnt der Streit durch S-Neo, das neue Brokerage-Angebot der Sparkassen. Damit treten die öffentlich-rechtlichen Institute in direkte Konkurrenz zu Scalable Capital.

Auch für die Kölner Fondsadresse Sauren geht es um viel. Der gesamte Auftritt der Gesellschaft ist auf die geometrische Formgebung abgestimmt, die im Logo zum Ausdruck kommt. „Für uns ist es ein Kernstück unseres geänderten Auftritts“, sagt Firmenchef Eckhard Sauren in einem Podcast mit dem „Private Banking Magazin“ und „Das Investment“. Im Juli trat Sauren demnach bereits mit dem neuen Logo auf, ehe sich der DSGV per Anwaltsschreiben meldete und eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg erwirkte. Auf Nachfrage bestätigt der DSGV eine „rechtliche Auseinandersetzung“ mit Sauren.

Fast so rot wie Santander . . .

Wie ernst die Sparkassen-Finanzgruppe den Markenschutz nimmt, zeigt auch der zurückliegende Streit mit der spanischen Santander. Nicht die Form, sondern die Farbe sorgte hier für Streit. Die Sparkassen mit ihrem charakteristischen Rot – genauer: dem Farbton HKS 13 – ähneln farblich der spanischen Großbank, die den Farbton HKS 14 nutzt und damit lange Zeit auch in Deutschland ihre Filialen zierte. Im Jahr 2016 urteilte der Bundesgerichtshof, dass die Sparkassen ihren Farbton weiterhin exklusiv verwenden dürfen und die Farbmarke nicht gelöscht werden muss. Im Jahr 2019 lenkte die Santander ein und schwächte den Farbton speziell in Deutschland ab.

Mittlerweile änderte der Konzern die Markenstrategie. In den zurückliegenden Wochen wechselte Santander hierzulande den gesamten Auftritt und ist nun als Openbank erkennbar. Das Rot nimmt jetzt viel weniger Raum ein, Openbank setzt stattdessen auf einen hellgrauen Hintergrund.

. . . aber weder blau noch grün

Auch für Sauren ist die Farbe entscheidend: Die Firma tritt mit tiefem Blauton auf – allenfalls die Form, nicht aber die Farbe birgt also eine Verwechslungsgefahr. Firmenchef Sauren hofft auf eine Einigung: Einen Kreis über dem Sauren-Logo werde man selbstverständlich nie verwenden, das Logo bleibe blau und werde ausschließlich in Verbindung mit Sauren gezeigt, beschwichtigt er.

Auch Scalable Capital unterscheidet sich mit dem grünen Logo farblich deutlich von den Sparkassen und verbindet das Logo mit dem Schriftzug der Firma. Wer Ähnlichkeiten sucht, muss also auf die Form und den Buchstaben „S“ achten. Zum Verwechseln ähnlich? Das liegt wie immer im Auge des Betrachters.