Satte 1,57 Mrd. Euro hatte Union Investment schon im Vorjahr an die genossenschaftliche Finanzgruppe in Form von Vertriebsprovisionen ausgekehrt – im Jahr 2025 war diese Zahl sogar „einen Tick höher“, sagte der scheidende Firmenchef Hans Joachim Reinke, in der Gruppe liebevoll „Aki“ genannt, auf einer Pressekonferenz der Gesellschaft am Dienstag in Frankfurt. Noch nie trug die Gesellschaft so viel zu den Wertpapiererträgen der Genossenschaftsbanken und weiterer Verbundpartner bei. Eine Dividende an die Mutter DZ Bank kommt unabhängig davon noch hinzu.

Was lange währt, soll bleiben. Reinkes Nachfolger, André Haagmann, der ab Anfang April die Führung übernimmt, will ausdrücklich „keine Revolution“ in der Union Investment ausrufen. Der 53-jährige Manager, seit 2006 im Konzern und seit 2022 im Vorstand für institutionelle Kunden verantwortlich, hält sich auffällig zurück. Die übliche Einleitungsrede lag allein bei Reinke, der auch weitaus mehr Fragen beantwortete als sein Nachfolger.

Hehre Worte für Reinke

Haagmann will Reinkes Führung seit 2010 als „Ära“ verstanden wissen. Geschäftlich lief der Laden unter Reinke: Das verwaltete Vermögen hat sich seit 2010 auf heute 535 Mrd. Euro verdreifacht. Im Konzern der DZ Bank trägt Union Investment 2025 rund 1,19 Mrd. Euro zum Betriebsergebnis bei und damit fast so viel wie im Vorjahr (1,24 Mrd. Euro). Auch dieses Niveau war vor eineinhalb Jahrzehnten undenkbar.

Genossenschaftsbanken und Fondshaus profitieren wechselseitig: Die Banken empfehlen ihrer Kundschaft besonders häufig Produkte ihrer zentralen Fondsadresse, die wiederum mit Bestandsprovisionen und weiteren Vergütungen die Kreditgenossenschaften versorgt. Diese Partnerschaft funktioniert bislang trotz Filialschwund und Konkurrenz durch billige ETFs und einfache Onlinebroker gut. Der Provisionsüberschuss der Genossenschaftsbanken, der zuletzt aufsummiert 6,5 Mrd. Euro im Jahr 2024 erreichte, speist sich zu einem beachtlichen Anteil aus Vertriebsprovisionen.

Doch der selten um Worte verlegene Reinke rühmt sich keineswegs mit den Auskehrungen. Das Modell ist umstritten, denn die Kosten belasten bekanntlich die Fondsrenditen und damit die Anleger. Die Banken nehmen für sich in Anspruch, im Gegenzug den Kunden eine solide Beratung anzubieten. Bisher nehmen das viele Kunden an.

Auch Kreditgenossen wissen freilich, dass Kostendruck und Wettbewerb ebenso die Finanzgruppe treffen. So eruiert die Finanzgruppe aktuell, wie sie mit einheitlichen Depots und einem besseren Digitalauftritt Schritt halten kann. Union Investment unterhält mit Visualvest eine eigene digitale Fondsplattform und führt über die Tochter Quoniam zwei aktive ETFs unter der Marke „UniActive Q“. Eine Prise Revolution darf schon sein.

Erfolg von heute ruht auf Vertrieb von früher

Doch das alte Geschäft ist keineswegs am Ende – im Gegenteil. Üppige 23,3 Mrd. Euro sammelte die Fondsgesellschaft 2025 netto ein. 9,8 Mrd. Euro stammen dabei aus den Koffern institutioneller Investoren. Interessanter ist jedoch das Geschäft mit privaten Sparern, denn bei ihnen sind höhere Erträge zu holen. Hier sammelte Union Investment 13,5 Mrd. Euro ein und damit so viel wie seit dem Rekordjahr 2021 nicht mehr.

Der Vertriebserfolg von heute ruht zum Teil auf der Leistung von früher: 6,55 Mio. Sparpläne zählt Union Investment zum Jahresende, darunter vor allem gewöhnliche Verträge, aber auch alte Riesterpläne und Depots für vermögenswirksame Leistungen. Die Verträge wurden fast ausschließlich in früheren Jahren abgeschlossen, bringen aber heute viel Neugeschäft. Reinke beziffert die durchschnittliche monatliche Rate auf rund 160 Euro für gewöhnliche Sparverträge, von denen es allein mehr als 4 Mio. Stück gibt. Bereits diese Verträge bringen der Gesellschaft also hochgerechnet 7,7 Mrd. Euro an jährlichen Zuflüssen ein.

Das Potenzial scheint noch lange nicht ausgereizt. Nachdem die Gesellschaft im Sparplangeschäft zuletzt an Grenzen gestoßen war, legte die Gesamtzahl jetzt wieder etwas stärker zu. Ähnlich wie die Kreditgenossenschaften vertreiben auch Sparkassen viele Sparpläne – freilich für Fonds der DekaBank.

Über Immobilienfonds spricht niemand gerne

Die Erholung der Immobilienfonds lässt derweil auf sich warten: 3,1 Mrd. Euro flossen hier allein bei Union Investment im vergangenen Jahr ab. Die rechtliche Unsicherheit darüber, in welche Risikostufe die Fonds einsortiert werden müssen, führe auch im Vertrieb zu Unklarheit, sagte Frank Engels, Vorstand für Portfoliomanagement und Immobilien. Frühestens gegen Jahresende werde der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Sache entscheiden. Das Gericht werde die bisherige Praxis, Immobilienfonds als eher sichere Produkte einzustufen, voraussichtlich stützen, hofft Engels.

Heikel ist jedes Wort zum „UniImmo: Wohnen ZBI“, der nach horrender Abwertung im Jahr 2024 eine Anlegerflucht verzeichnet hat und massiv geschrumpft ist. Engels redet sich um Kopf und Kragen: Die privaten Sparer kehrten zur falschen Zeit den Immobilienmärkten den Rücken, kritisiert er. Zugleich attestiert er der Branche eine „Vertrauenskrise“, während er bei der Abwertung des „UniImmo“-Wohnfonds nur „ein Stück weit“ ein Vertrauensproblem sehen will. Im Nachhinein zeige sich, dass Union Investment mit der Fondseröffnung 2017 und dem Portfolioaufbau in der Boomphase ein „schlechtes Timing“ gezeigt habe.

Apropos Timing: Reinke geht, ehe der Fonds vollständig genesen kann. Das Problem liegt nun auch bei Haagmann. Ein schwieriges Erbe, das er nicht ausschlagen kann.