Aus allen Rohren gegen den digitalen Euro
Mit aller Macht und allen Mitteln kämpfen die deutschen Banken und Sparkassen gegen die EZB-Pläne für einen digitalen Euro - so auch der Sparkassenverband Bayern. Es geht vor allem darum, dessen Ausgestaltung im Sinne der Branche zu beeinflussen.

Die Sparkassen lassen bei ihren aktuell stattfindenden Pressekonferenzen der Regionalverbände keine Gelegenheit aus, um gegen die EZB-Pläne für einen digitalen Euro zu stänkern. So auch Matthias Dießl und Stefan Proßer, Präsident und Vize des Sparkassenverbands Bayern, am Mittwoch. „Ein digitaler Euro ohne Kontoanbindung konterkariert die Souveränitätsbestrebungen in Europa“, warnte Dießl. Angesichts der hochgradigen Abhängigkeit Europas von den USA und anderen nicht-europäischen Ländern bei IT, Clouddiensten oder im Zahlungsverkehr sei für die Sparkassen dagegen die „Stärkung der europäischen Souveränität das Gebot der Stunde“.
Kampf um Lufthoheit im Zahlungsverkehr
Die deutschen Banken und Sparkassen haben ihren Kampf gegen die Pläne der EZB seit Ende letzten Jahres verschärft. Dass sich der digitale Euro nicht mehr verhindern lässt, ist ihnen klar. Aber jetzt wird mit allen Mitteln der Kampf um dessen Ausgestaltung geführt, um sich in dem wichtigen Geschäftsfeld Zahlungsverkehr nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.
Der bayerische Verbands-Vize Proßer bemerkte süffisant, dass die privatwirtschaftliche European Payment Initiative mit ihrem Bezahldienst Wero schon viele Jahre Vorsprung vor der EZB habe. „Wero ist kontobasiert, datensicher und kostengünstiger als die vorhandenen internationalen Bezahllösungen für Händler, es gibt keine Zwischenhändler und keine Interbankenentgelte“, warb er für das Angebot. Das Vorhaben stärke die europäische Souveränität und erhalte die Wertschöpfung in Europa.
Während die Zahl der privaten Wero-Nutzer in Europa schnell auf mehr als 50 Mio. sowie in Deutschland auf bald 7 Mio. angewachsen ist, bleibt indes die Anbindung des Online-Handels und der stationären Geschäfte der Knackpunkt für Wero.
Steigende Risikovorsorge im Anmarsch
Das Geschäft der 55 Sparkassen in Bayern lief im vergangenen Jahr robust. Der Zinsüberschuss stieg um 2,5% auf 4,6 Mrd. Euro, das entspricht 1,75% der durchschnittlichen Bilanzsumme. Ein gutes Niveau in einem „neuen Normal, das aber nicht an die Zeit vor der Zinswende anknüpfen kann“, so Dießl. Die Einlagen legten um 3% auf 209,6 Mrd. Euro zu, die Kredite deutlich moderater um 1,9% auf 175,1 Mrd. Euro. Die Cost-Income-Ratio verschlechterte sich von 53 auf 54,7% vor allem durch höhere Tarifgehälter und Investitionen in Infrastruktur und Filialen. Das Bewertungsergebnis blieb stabil bei minus 1,6 Mrd. Euro, wobei es 315 Mio. Euro höhere Einzelwertberichtigungen im Kreditbestand gab. Bislang gebe es aber keine Kreditausfälle größeren Ausmaßes. Das Ergebnis nach Bewertung blieb bei 1,4 Mrd. Euro. Im laufenden Turnus erwarten die Sparkassen der Region ein stabiles operatives Geschäft und eine steigende Risikovorsorge.