BaFin malt im Risikobericht weniger schwarz als zuvor
Seit Jahren warnt die BaFin vor zunehmenden Gefahren für die deutsche Finanzbranche, nun aber macht sie überwiegend stagnierende Risiken aus. Welche Aussagen dabei wichtig sind.

Die deutsche Finanzbranche hat nach Einschätzung der BaFin eine Phase der steigenden Risiken weitgehend hinter sich gebracht: Hatte die deutsche Finanzaufsicht in den Vorjahren häufig steigende Risiken ausgemacht, so sieht die Aufsicht für die Banken, Versicherer, Fondshäuser und andere Finanzakteure in diesem Jahr insgesamt meist stagnierende Risiken.
So macht die BaFin im Segment der Unternehmenskredite trotz steigender Insolvenzzahlen und vermehrt fauler Kredite erstmals seit vier Jahren keine steigenden Risiken mehr aus. Im Kapitel zu Immobilienmärkten beschränken sich die Aufseher diesmal auf Gewerbeimmobilien und bewerten diese als Risiko mit stabiler Tendenz. In der Geldwäscheprävention kündigt die BaFin viele Prüfungen an und legt einen Fokus auf Terrorismusfinanzierung und auf den Iran, doch steigen die Risiken hier insgesamt nach Einschätzung der Aufseher ebenfalls nicht. Und die Gefahren durch IT-Ausfälle und Cyberangriffe zeigen sich erstmals seit Beginn der Berichtsreihe ebenfalls stabil statt steigend.

Somit machen die Aufseher nur noch in zwei Themenfeldern zunehmende Gefahren aus: in den internationalen Finanzmärkten, die durch hohe Bewertungen und durch – vorerst – anhaltenden Optimismus geprägt seien. Auch die Auslagerung von IT-Dienstleistungen wird genannt, wo die BaFin eine hohe Abhängigkeit der Finanzunternehmen ausmacht und vor etwaigen Risiken eines Datenzugriffs durch ausländische Cloud-Anbieter warnt. Die BaFin publiziert seit dem Jahr 2022 die Berichte „Risiken im Fokus“.
Branson fürchtet Unwetter in globalen Kapitalmärkten
Die abnehmende Schärfe der Risikobewertung steht im Kontrast zur Rhetorik. BaFin-Präsident Mark Branson richtete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch seinen Blick vor allem auf die internationalen Kapitalmärkte. Dort werde ein „Härtetest“ für die Finanzstabilität „immer wahrscheinlicher“.
Gerade in den USA spielten Kreditfonds eine zunehmend wichtige Rolle. Dabei erscheine denkbar, dass mithilfe der Fonds Regulierungsvorgaben umgangen würden (regulatorische Arbitrage). Im Markt der Stablecoins wiederum sei eine Anlegerflucht möglich. Weil die Kryptowerte überwiegend an den Dollar gekoppelt und mit US-Staatsanleihen unterlegt sind, wäre laut Branson ein Ausverkauf von Staatsanleihen die Folge. Auch sieht Branson die Gefahr, dass US-Institutionen wie die Notenbank Fed künftig in einer Krise nicht mehr „als Retter in der Not“ für die globale Finanzstabilität bereit stünden..
Weil Europas Banken hohe Bestände an heimischen Staatsanleihen in ihrer Bilanz horten, sind sie nach Analyse der BaFin für etwaige Staatsschuldenkrisen verwundbar, während umgekehrt auch die Staatsfinanzen durch mögliche Bankkrisen gefährdet sind. Eine europäische Krise träfe demnach auch die deutschen Häuser. Vor einem „Banken-Staaten-Nexus“ hatte zuvor bereits die Bundesbank gewarnt.
Zugleich sieht Branson die deutschen Geldhäuser in guter Verfassung. „Die Branche ist schön profitabel im Moment.“ Steigende Kreditausfälle im Firmenkundengeschäft seien somit häufig verkraftbar, Spielraum für Risikovorsorge vorhanden. Das „stabile, normalisierte Zinsumfeld“ sei „positiv für viele Geschäftsmodelle“.
Banken und Fondshäuser bleiben im Unklaren
Die BaFin gibt im Bericht an vielen Stellen zwar wichtige Hinweise, legt sich aber nicht auf konkrete Empfehlungen fest. Beispiel Cloudanbieter: Die Aufsicht sorgt sich um die „Datensouveränität“ und äußert Zweifel, ob ausländische Anbieter eine „Sovereign Cloud“ rechtlich wirklich einhalten können. Dabei warnt sie auch vor möglichen „geopolitischen Verwerfungen“. Die Finanzunternehmen müssen diese Risiken „kritisch prüfen“. Dazu gehöre etwa, ob „Updates zentral von Mutterkonzernen in Drittländern kontrolliert werden“. Mit ihren Bemerkungen deutet die BaFin auch auf große US-Anbieter.
Beispiel offene Immobilienfonds: So werden die Produkte mit den vielfach üblichen Risikobewertungen von „eins“ oder „zwei“ auf einer siebenstufigen Skala bewertet. Das aber sei zu niedrig – und es sei zweifelhaft, ob die Regulierung „tauglich“ sei, resümiert Branson. Die Risikoeinstufung leitet sich aus bisherigen Wertschwankungen ab, die bei Immobilienfonds in gewöhnlichen Zeiten nicht auffallen. Dabei ließ Branson unbeantwortet, wie Fonds stattdessen eingruppiert und vertrieben werden sollten. Und weiter: „Wir haben mit dem Eltif-Produkt vielleicht dieselben Fragen.“
„Ich will niemandem verbieten, ins Casino zu gehen.“
Grünes Licht gibt Branson den Banken und Sparkassen für Kryptowährungen in der App. Zwar warnte der Brite wiederholt vor dem spekulativen Charakter der Währungen. Auch werde die BaFin sogenannten „Finfluencern“ auf die Finger sehen und stärker gegen windige Finanzportale vorgehen. Die Kreditinstitute jedoch bedienten lediglich eine Nachfrage nach Kryptowährungen. Zwar sollten sich Kunden die Risiken bewusst machen, mahnt er. Jedoch: „Ich will niemandem verbieten, ins Casino zu gehen.“