Die größten Genossenschaftsbanken in Deutschland haben durch Übernahmen ihren Marktanteil im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut. So stieg die Bilanzsumme der 20 größten Primärbanken 2025 in Summe um 4,9% auf 313 Mrd. Euro, wie aus der neuen Liste des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hervorgeht. Damit vergrößerten die genossenschaftlichen Riesen ihren Bauchumfang stärker als die gesamte Gruppe, die mit ihren Primärbanken insgesamt 1.228 Mrd. Euro auf die Waage bringt und damit lediglich 2,8% mehr als im Vorjahr.

Größe eine Frage der Perspektive

Hinter dem Zuwachs bei großen Häusern stehen Fusionen: So konsolidierte die Berliner Volksbank die zuvor übernommene ABK Allgemeine Beamten Bank und baute die Bilanzsumme um 8,5% auf 20,1 Mrd. Euro aus. Damit sind die Berliner wieder die größte Volksbank in Deutschland und stoßen die Frankfurter Volksbank wieder vom Thron, nachdem im Vorjahr die Frankfurter das Zepter an sich gerissen hatten. Neben der Übernahme der ABK, die zuletzt eine Bilanzsumme von 648 Mio. Euro auswies, habe die Berliner Volksbank auch ein starkes Neugeschäft erzielt, sagt uns ein Sprecher der Bank. Allerdings ist auch hier Größe eine Frage der Perspektive. So zählen die Frankfurter mehr Filialen und kommen auf einen größeren Kreditbestand als ihre Kollegen an der Spree. Noch größer als die beiden Volksbank-Riesen sind lediglich die deutschlandweit tätigen Genossenschaftsbanken apoBank und BBBank.

Fusionen waren auch anderswo der Treiber: Die Volksbank Mittelhessen etwa übernahm bekanntlich mehrere Nachbarinstitute, vorneweg die angeschlagene Raiffeisenbank im Hochtaunus. Mit Blick auf die Bilanzsumme gewinnt das Institut in Gießen beachtliche 22,3% hinzu und steht nun mit 14,3 Mrd. Euro auf Rang 7. Die Dortmunder Volksbank übernahm die kleinere Volksbank Dortmund-Nordwest, die ähnlich wie die Raiffeisenbank im Hochtaunus in eine Schieflage geraten war. Derweil schluckte die BBBank die kleinere PSD Bank Berlin-Brandenburg weitgehend geräuschlos.

So konzentriert wie die Sparkassen

Die Konzentration im Genossenschaftslager ist mittlerweile ähnlich stark wie in der Familie der Sparkassen. Die 20 größten Genossenschaften kommen unter allen Primärbanken auf ein Gewicht von 25,5% nach 25,0% im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die 20 größten Sparkassen vereinten im jüngsten Berichtsjahr 2024 rund 25,1% auf sich. Zwar verfügen die Kreditgenossen auch heute noch über eine große Zahl an Kleinstbanken, doch haben zugleich überregionale Häuser wie apoBank, BBBank und GLS Bank ein hohes Gewicht erreicht. Sparkassen sind derweil viel stärker auf ihr jeweiliges Geschäftsgebiet festgelegt.

Nicht alle großen Genossenschaften sind aber aus sich heraus wachstumsstark. Die apoBank legte lediglich um 1,2% auf 52,4 Mrd. Euro zu. Die Bank der Apotheker und Ärzte sammelte im vergangenen Jahr zwar viele Einlagen ein, doch erhöhte sie den Kreditbestand lediglich maßvoll. Die Sparda-Bank Hessen, die Nummer 20 auf der Liste, verlor sogar an Gewicht und wiegt jetzt nur noch 9,4 Mrd. Euro (minus 2,7%). Die Bank war nach der Zinswende unter Druck geraten. Stark gewachsen ist hingegen die nachhaltig ausgerichtete GLS Bank, die allerdings auch unter hohen Kreditrisiken leidet.

Kunden kehren Problembanken den Rücken

Die Problembanken verloren im vergangenen Jahr Einlagen – Bankkunden reagieren also auf schlechte Nachrichten, auch wenn eine abrupte Flucht hier wie dort ausblieb: Das Einlagenvolumen der Volksbank Düsseldorf Neuss sank 2025 um 5,2% auf 1,21 Mrd. Euro, während die bisherige VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden (heute: VR-Bank in Nordhessen Westthüringen) um 5,1% auf 791 Mio. Euro abfiel. Das Bankhaus RSA speckte im Einlagengeschäft um 8,4% auf 820 Mio. Euro ab. Alle drei Institute waren mit Problemen in die Schlagzeilen geraten.

Das Gewicht der Großen wird absehbar auch im laufenden Turnus überproportional zunehmen, denn einige Fusionen zeichnen sich bereits ab. Das Bankhaus RSA schlüpft voraussichtlich unter die Fittiche der großen Meine Volksbank Raiffeisenbank in Rosenheim, während die BBBank die PSD Bank Hessen-Thüringen aufnimmt. Nach der Fusion ist vor der Fusion.