Nachhaltigkeitsbanken

Faule Kredite erschweren Abwicklung der Triodos Bank in Deutschland

Erst gab die Triodos Bank den Ausstieg aus Deutschland bekannt, nun kommt eine 60 Mio. Euro schwere Rückstellung für Kredite an Glasfaserkabelfirmen hinzu. Wie geht es weiter?

Jan Schrader,
Grün umschlossen: Die Zentrale der Triodos Bank im niederländischen Driebergen-Rijsenburg nahe Utrecht
Grün umschlossen: Die Zentrale der Triodos Bank im niederländischen Driebergen-Rijsenburg nahe Utrecht © AdobeStock, Maarten Zeehandelaar

Die Triodos Bank befindet sich mit ihrer Abwicklung des Deutschlandgeschäfts in schwieriger Lage: Eine 60 Mio. Euro schwere Rückstellung vor Steuern für die Finanzierung von Glasfaserkabeln und ein enger Zeitplan trüben die Aussicht auf die Option, Kreditbestand, Einlagen und Kundenstamm zu einem guten Preis zu verkaufen. Die niederländische Nachhaltigkeitsbank hatte im September die Abwicklung des Deutschlandsgeschäfts bekannt gegeben. Im Jahr 2027 soll sie vollzogen sein. Kurz vor Weihnachten tat die Bank dann die Belastung im Kreditgeschäft kund.

Ob die Triodos Bank nach einem Käufer sucht oder bereits Gespräche führt, lässt sie auf unsere Nachfrage unbeantwortet. Dabei wäre schon mit Ankündigung des Abschieds ein Verkauf von Geschäft und Beständen naheliegend gewesen. Jetzt steht die Bank unter Zeitdruck, was ihre Macht in etwaigen Preisverhandlungen schwächen dürfte. Insgesamt hat die Bank 180 Mio. Euro in den deutschen Glasfasersektor ausgereicht, um den Netzausbau auf dem Land und in stadtnahen Gebieten zu fördern.

„Erhebliche Auswirkungen auf Finanzergebnisse“

Die 60 Mio. Euro schwere Rückstellung werde absehbar „erhebliche Auswirkungen“ auf das Finanzergebnis 2025 haben, heißt es in der Mitteilung von Dezember. Damit ist ein Verlust denkbar, denn in der ersten Jahreshälfte 2025 hatte die Bank, die über verschiedene Länder hinweg insgesamt auf eine Bilanzsumme von 17,3 Mrd. Euro kommt, einen Gewinn von lediglich 17 Mio. Euro erzielt. Zahlen wird die Bank am 12. März präsentieren.

Mit einer Bilanzsumme von lediglich 825 Mio. Euro und rund 65 Vollzeitstellen ist Deutschland der kleinste Markt. In der Deutschlandzentrale nahe der Bockenheimer Warte in Frankfurt verhandelt die Bank mit dem Betriebsrat. Für die Abwicklung des Geschäfts sind einmalig 12 Mio. Euro vorgesehen. Bereits im August hatte der Konzern eine „Schärfung“ des „geografischen Fußabdrucks“ angekündigt. Dabei war von einem „möglichen Verkauf oder Exit“ des Deutschlandgeschäfts die Rede. Wichtigster Markt sind die Niederlande, daneben betreibt die Bank ihr Geschäft in Belgien, Großbritannien und Spanien.

Umweltbank und GLS Bank schweigen

Naheliegende Interessenten wären andere deutsche Nachhaltigkeitsbanken: So richtet sich die Umweltbank in Nürnberg nach hohen Bewertungsverlusten und Ärger mit der BaFin neu aus. Die Bank nahm erst im September eine Kapitalerhöhung von 21 Mio. Euro vor und erzielte laut Mitteilung von Mittwoch im vergangenen Jahr nach zuvor hohen Verlusten einen Gewinn zwischen 5 Mio. und 10 Mio. Euro vor Steuern. Auch will die Bank im neuen Jahr die Kundenzahl um 75.000 auf 260.000 steigern. Ob die deutschen Einlagen der Triodos Bank in Höhe von 663 Mio. Euro oder aber die Kundenbeziehungen mit rund 55.000 Bankkonten für das Institut interessant wären, lässt die Umweltbank auf unsere Nachfrage unbeantwortet.

Die genossenschaftliche GLS Bank in Bochum wiederum wäre wegen der ähnlichen Ausrichtung des Geschäfts ebenfalls ein naheliegender Interessent. Nach jüngsten Zahlen für 2024 überragen die Kundeneinlagen mit 8,9 Mrd. Euro den Kreditbestand von 5,7 Mrd. Euro deutlich, sodass der Erwerb eines soliden Kreditportfolios jenseits der faulen Glasfaserkabeldarlehen interessant sein könnte. Äußern möchte sich die GLS Bank aber nicht. Nur so viel: „Die Triodos steht uns in der Geschichte und ihren Werten sehr nah.“

Anlegerkrach und Börsendebüt

Unterdessen steht die 1980 gegründete Triodos unter Erwartungsdruck ihrer Eigner: Nach hohen Wertverlusten sogenannter Depository Receipts, die Dividendenansprüche ohne Mitspracherechte gewähren, forderten Anleger eine Entschädigung. Der Streit mündete Anfang Oktober in einem 12 Mio. Euro schweren Vergleich mit einem Großteil der Anleger. Seit Juni notieren die Papiere zudem an der Börse in Amsterdam. Die Erwartung einer soliden Kursentwicklung setzt das niederländische Management um Bankchef Marcel Zuidam unter Druck. Die Folgen sind in Frankfurt spürbar.

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