Mit „Top-Zahlen“ verlasse er eine „Bank in einem perfekten Zustand“, erklärte der damalige HCOB-Chef Stefan Ermisch kurz vor seinem Abgang 2022. Der Manager, der in Kürze in den Aufsichtsrat von N26 einziehen dürfte, hatte die HSH Nordbank in private Hände überführt und in seiner sechsjährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender das Institut erheblich geschrumpft. Das Jahr 2022 absolvierte die Bank mit einem Gewinn von 425 Mio. Euro und einer Aufwand-Ertrags-Quote von 44%.

 

 

Doch der angeblich perfekte Zustand hielt nicht lange. Nach einem Intermezzo von Ian Bankwell an der HCOB-Spitze übernahm Luc Popelier 2024 die Geschäfte und verordnete der Bank erneut einen Schrumpfkurs. Die Zahl der Mitarbeiter, zuletzt 963 per Ende 2024, soll nochmals deutlich sinken und die Bilanzsumme ebenfalls. Im Oktober schlug die Bank ein Flugzeugportfolio los.

Wenn die HCOB am kommenden Donnerstag, 12. Februar, ihre Jahreszahlen vorlegt, wird sie Farbe bekennen müssen: Angesichts einer üppigen Kapitaldecke und bislang erfolgloser Verkaufsversuche erscheint eine hohe Sonderdividende naheliegend. Möglich ist dabei sogar eine Milliardenausschüttung. Danach bliebe immerhin noch eine kleinere Bank mit Fokus auf Immobilien, Firmenkunden, Transport und Energie übrig.

Milliardenverlust in der Finanzkrise

Der Kontrast zur einstiegen HSH Nordbank ist dramatisch. Vor annähernd zwei Jahrzehnten steuerte die damalige Landesbank ein Portfolio an Schiffskrediten in zweistelliger Milliardenhöhe und war tief im Handel mit Derivaten und anderen Finanzinstrumenten involviert. Damals war die Bank rund um den Globus präsent mit Niederlassungen unter anderem in New York, London, Singapur und Hongkong. Mit einer Bilanzsumme von mehr als 200 Mrd. Euro spielte die HSH in einer anderen Liga als heute.

Doch im Jahr 2008 zum Höhepunkt der Weltfinanzmarktkrise häufte die Bank allein im Handelsbuch und in der Finanzanlage einen Verlust von insgesamt 2 Mrd. Euro an, während für die Kreditrisikovorsorge weitere 1,9 Mrd. Euro anfielen. Die Investmentvehikel Carrera und Poseidon erhielten kein Geld mehr und brauchten Liquidität. Darlehen für Immobilien und Schiffe gerieten ins Stocken. Unterm Strich stand ein Konzernverlust von 2,7 Mrd. Euro. Im selben Jahr übernahm der schillernde Dirk Nonnenmacher die Chefposition von Hans Berger.

Milliardengewinn für die Cerberus und J.C. Flowers

Ein deutliches Plus erwirtschaften die Finanzinvestoren um Cerberus und J.C. Flowers: Hatten sie im Jahr 2018 für die damals schon geschrumpfte und um etliche Risiken bereinigte HSH Nordbank 1 Mrd. Euro gezahlt, zogen sie seither mehr als 2 Mrd. Euro an Dividenden aus der Bank. Nun dürfte eine weitere Ausschüttung kommen und womöglich bald ein Verkauf. Dann wird sich zeigen, was die kleine Restbank noch wert ist.