Die Krise in der Glasfaserbranche belastet die deutsche Tochter der niederländischen Nachhaltigkeitsbank Triodos massiv – und zieht den gesamten Konzern in die roten Zahlen: Insgesamt weist die Gruppe für das zurückliegende Jahr einen Verlust von 25 Mio. Euro auf, wie der neue Geschäftsbericht der Gruppe zeigt. Allein die deutsche Tochter, die vor der Abwicklung steht, weist dabei ein Minus von 66 Mio. Euro aus.

Eine hohe Rückstellung von 60 Mio. Euro im deutschen Glasfasermarkt hatte die Gruppe bereits kurz vor Weihnachten bekannt gegeben. Die neuen Details im Konzernbericht sind ein weiteres Warnsignal für die Branche. Erstens sind viele Kredite konkret belastet. 27 Mio. Euro entfallen auf Risikovorsorge der Stufe 3, die Einzelausfälle umfasst, wie Triodos aufschlüsselt. Zweitens kam die Krise abrupt in der zweiten Jahreshälfte. Der Abwärtstrend habe im dritten Quartal an Fahrt gewonnen, heißt es im Bericht. Das heißt nichts Gutes für noch ausstehende Abschlussberichte anderer Banken. Drittens trifft die Krise viele Anbieter, wie die Bank festhält. Ein schleppender Glasfaserausbau, ein harter Wettbewerb und überarbeitete Geschäftspläne sind demnach ein verbreitetes Phänomen.

Glasfaser in Scherben

Hohe Zinsen und steigende Baukosten erschweren den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur. Für Aufsehen sorgte im Dezember die Deutsche Glasfaser, die nach einem damaligen Bericht von „Bloomberg“ eine Neuordnung von Finanzierungen vorbereitete. Zuvor hatten sich demnach mehr als 40 Banken an einem Schuldenpaket von 7 Mrd. Euro beteiligt. Auch andere Firmen stehen unter Druck. Der Investor 3i Infrastructure kündigte im Februar an, die Glasfaserfirma DNSnet im Portfolio per Ende März voraussichtlich nur noch mit Null zu bewerten, sofern sich keine neue Fremdfinanzierung für das Unternehmen finden lässt. Der Aufbau von Infrastruktur in einer frühen Phase benötige den richtigen Mix aus Eigen- und Fremdkapital, schreibt 3i Infrastructure.

Allerdings zieht sich die Kreditwirtschaft nicht vollständig zurück: So sicherte sich die GVG Glasfaser im Februar eine 135 Mio. Euro schwere Finanzierung von einem Bankenkonsortium. „Gegen den Trend“, kommentierte das Unternehmen damals. An Bord sind unter anderem die KfW, HCOB, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und ein nicht genannter institutioneller Investor.

In Deutschland klein geblieben

Die Triodos leidet in Deutschland aber nicht nur unter der Glasfasermisere. Seit ihrem Einstieg 2009 ist die Bank hierzulande kaum gewachsen. Die deutsche Niederlassung in Frankfurt ist mit einer Bilanzsumme von 767 Mio. Euro und 66 Mitarbeitern daher die kleinste Landeseinheit der Gruppe.

Der Abschied aus Deutschland soll voraussichtlich 2027 abgeschlossen werden. 11 Mio. Euro sind für die Abwicklung reserviert, wie jetzt im Geschäftsbericht steht. In Belgien, Spanien und Großbritannien hat die Bank etwas größere Einheiten aufgebaut. Das meiste Geschäft schreibt die Bank in den Niederlanden. Insgesamt kommt die Gruppe auf eine Bilanzsumme von 17,6 Mrd. Euro und rund 1.900 Mitarbeiter.

Auch andere Nachhaltigkeitsbanken verzeichnen Bewertungsverluste, wenn auch aus anderen Gründen: Die GLS Bank spürt die Schwäche in der Biobranche, die Umweltbank verzeichnet Verluste aus dem Verkauf riskanter Anleihebestände. Welche Banken derweil unter der Glasfasermisere leiden, muss sich noch zeigen.