Kreditgenossen wollen Vertriebsgesellschaften fusionieren
Aus drei mach eins: Die genossenschaftliche Finanzgruppe plant die Zusammenlegung der VR-Networld, der Truuco und von Teilen der DG Nexolution. Ziel ist die Stärkung des Marketings.

Die genossenschaftlichen Verbundunternehmen VR-Networld, Truuco und Teile der DG Nexolution sollen in einer neuen Gesellschaft aufgehen: Denn die Kreditgenossen planen mit dem Projekt „United“ die Zusammenlegung der Vertriebsunterstützung, sagte Giovanni Gay, Vorstand von Union Investment, zur Wochenmitte auf der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft kleiner und mittlerer Genossenschaftsbanken (IG Genobanken) in Dreieich nahe Frankfurt. „Es geht auch darum, drei Unternehmen zusammenzuführen“, sagte er vor mehr als 100 Bankvorständen.
Oft wisse eine Bank nicht, wen sie im Marketing ansprechen soll, führte er dabei zur Zukunft der Filiale aus. Ziel sei es daher, die Marktbearbeitung der Genossenschaftsbanken und anderer Verbundunternehmen aus einer Hand zu begleiten, und zwar „datengestützt“ und mit „Fullservice“. Auftraggeber des Projekts sei der Fachrat Markt und Produkte, der im BVR aufgehängt ist. Dem Gremium gehören vor allem Vertreter aus Volks- und Raiffeisenbanken an. Gay ist Projektleiter von „United“. Bei Union Investment verantwortet er das Privatkundengeschäft sowie IT und Infrastruktur.
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Drei Gesellschaften, viele Eigentümer
Die Aufgaben sind bislang geteilt: Die VR-Networld in Bonn unterstützt Banken im Online-Marketing und bietet Bausteine wie eine Crowdfunding-Plattform oder ein digitales Mitgliedernetzwerk. Aus dem Konzern der Frankfurter DG Nexolution hob Gay die Werbeagentur Geno Kom hervor, die in Münster und Köln operiert, und verwies auf weitere Marketingbausteine wie Mailingpark. Die Karlsruher Truuco, 2022 gegründet, greift Banken mit datengestützten Modellen unter die Arme.
Wie eine Zusammenlegung aussehen könnte, sagte Gay zwar nicht. Er deutete jedoch eine rechtliche Verschmelzung an, die behutsam vorbereitet werden müsse. „Die meisten von Ihnen haben vielleicht schon eine Fusion mitgemacht“, sagte er an das Publikum gerichtet. „Sie wissen, um was für vertrauliche Informationen es dort geht.“ Im April werde sich der Fachrat mit den Plänen befassen.
Nach jüngsten Daten für 2024 ist die VR-Networld mit rund 113 Beschäftigten die größte Einheit, während die Geno Kom auf 49 und die Truuco auf 51 Köpfe kommt. Wesentliche Eigentümer der VR-Networld und der Truuco sind die Gruppe der DZ Bank und die Atruvia. An der VR-Networld sind allerdings auch Genossenschaftsverbände, einzelne Primärbanken und die DG Nexolution beteiligt. Die DG Nexolution selbst firmiert als Genossenschaft, den Aufsichtsrat leitet BVR-Präsidentin Marija Kolak.
Gay warb eindringlich für eine Modernisierung des Marketings: „Wir müssen erfolgreicher sein“, sagte er. Andernfalls verliere die Gruppe eine starke Marktposition im Privatkundengeschäft. Eine gezielte Ansprache etwa von Jugendlichen an der Schwelle zur Volljährigkeit oder aber von Eltern zur Frühstarterrente für ihre Kinder sei mit datengetriebenen Systemen leichter steuerbar.
„Die Ortsbank ist der Souverän“
Daneben verteidigte Gay das Projekt „Zuwachs“. Dabei entwickeln DZ Bank und Union Investment ein Konzept für einen Broker. Zu Unrecht sei mancherorts der Eindruck entstanden, dass Cornelius Riese als Chef der DZ Bank faktisch über die Köpfe der Genossenschaftsbanken hinweg entscheide, sagte er. Dabei sei der Auftrag für das Projekt im November vom BVR-Verbandsrat erteilt worden. DZ Bank und Union Investment entwickelten lediglich ein Konzept, träfen aber keine Entscheidung. Gay: „Die Ortsbank ist für uns der Souverän.“