Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) spürt die Folgen großvolumiger Finanzierungen von Gesundheitszentren aus der Zeit der Tiefzinsphase: Im vergangenen Jahr stieg die Kreditrisikovorsorge aus dem operativen Geschäft – eine maßgebliche Kennzahl der Bank – um 28% auf 78,6 Mio. Euro, wie das Düsseldorfer Geldhaus am Donnerstag im Finanzbericht offenlegte. Seit 2021, als ein Tiefpunkt erreicht worden war, hat sich der Wert damit mehr als verfünffacht.

Die Einschläge entfielen weitgehend auf das Abbauportfolio der Bank, sagt Vorstandschef Matthias Schellenberg im Gespräch mit PLATOW. In früheren Jahren habe die Bank sogenannte Buy-and-Build-Strategien von Investoren mit Krediten in oftmals zweistelliger Millionenhöhe unterstützt. Früher erkannte die Bank einen hohen Bedarf im Geschäft mit Gesundheitskonzernen und Finanzinvestoren, die Versorgungszentren rund um Medizin, Zahnmedizin, Pflege und Rehabilitation entwickeln wollten. Ein Großteil der aktuellen Risikovorsorge entfällt dabei auf wenige, aber größere Engagements, sagt Schellenberg.

Neue Kur nach Zinswende

Das Thema begleitet Schellenberg länger, als ihm lieb ist. Ursprünglich hatte der frühere Manager von Merck Finck, UBS und ING eine schnelle Kur vorgesehen, als er im März 2022 die Führung von Ulrich Sommer übernahm. Das Finanzierungsportfolio wollte er rasch verkaufen, wie er im Gespräch ausführt. Der abrupte Zinsanstieg im selben Jahr belastete jedoch den Wert des Portfolios erheblich. Die Bank entschied sich daher für einen Abbau bis ins Jahr 2028. Von dem ursprünglich rund 400 Mio. Euro schweren Portfolio sind aktuell weniger als 200 Mio. Euro übrig. Großvolumige Finanzierungen dieser Art könne eine Bank „entweder ganz oder gar nicht“ unternehmen, sagt Schellenberg. Sein Credo: Lieber gar nicht.

Doch die größte Genossenschaftsbank Deutschlands kann die Kreditlasten verkraften. Mit einer Bilanzsumme von 52,4 Mrd. Euro und Kundenkrediten von 35,0 Mrd. Euro fällt das ungesunde Portfolio wenig ins Gewicht. Die Bank hat sich etwa auf die Finanzierung von Arztpraxen und Apotheken spezialisiert, vergibt private Immobiliendarlehen oder finanziert Kliniken, Rehaeinrichtungen und Pflegeheime.

Nach dem Kostenziel ist vor dem Kostenziel

Die Bank zeigt sich gesund: Der Zinsüberschuss stieg 2025 minimal auf 977 Mio. Euro, der Provisionsüberschuss kletterte dank steigender Einnahmen im Wertpapiergeschäft um 12% auf 198 Mio. Euro. Zugleich erhöhte sich jedoch auch der Verwaltungsaufwand kräftig, und zwar um 7% auf 784 Mio. Euro. Die Aufwand-Ertrags-Relation ist mit 66,3% nicht optimal, liegt aber noch im Normbereich. Die Zielquote von weniger als 70% hat die Bank damit erreicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2020, als die Bank eine IT-Migration verpatzte, lag die Kostenquote bei ungesunden 81,2%.

Unterm Strich erreicht die Bank einen Jahresüberschuss von 100 Mio. Euro. Doch Schellenberg wünscht sich mehr Fitness. Ende des Jahrzehnts will der Manager die Aufwand-Ertrag-Relation bei unter 60% sehen. Ein Problem sind dabei allerdings diverse Kostentreiber: Die Zahl der Mitarbeiter steigt bereits seit Jahren allmählich an und erreichte 2.359 zum Jahresende 2025. Ein Stellenabbau steht aktuell nicht an.

Zusätzlichen Aufwand erwartet Schellenberg für neue Regulierungsvorhaben, etwa zur Geldwäscheprävention. Auch der Bedarf an Investitionen bleibe hoch. So experimentiert die Bank mit KI-Anwendungen und plant alleine dafür vorerst mit 5 Mio. bis 7 Mio. Euro pro Jahr.

Mehr Erträge sind die beste Medizin

Um das Ziel einer niedrigen Kostenquote gleichwohl zu erreichen, verschreibt Finanzvorstand Christian Wiermann der Bank steigende Erträge. Kern des Fitnessprogramms sind aus seiner Sicht steigende Provisionseinnahmen aus der Vermögensverwaltung. Das neue Strategieprogramm Primus 2028 sieht ein Depotvolumen von 20 Mrd. Euro vor nach zuletzt 17 Mrd. Euro. Die Wertpapierbestände privater Kunden machen dabei einen wesentlichen Anteil aus. Den hohen Marktanteil von 52% bei der Existenzgründung in den Heilberufen will die Bank „halten und weiter ausbauen“, wie es Schellenberg formuliert. Auch 10.000 Neukunden pro Jahr unter angestellten oder angehenden Heilberuflern stehen auf dem Plan.

Gesunde Werte strebt die Bank auch als Genossenschaft an. Die Zahl der Mitglieder liegt mit 111.591 leicht über dem Vorjahreswert. Das will Schellenberg als Wachstum „gegen den Markttrend“ verstanden wissen – dabei mutet der Zuwachs mit netto 119 eher homöopathisch an. Mit 6% Dividende lockt die Bank weitere Mitglieder. Um auch Kunden mit kleinem Geldbeutel als Genossen zu gewinnen, senkt die Bank den bislang ungewöhnlich hohen Nennwert der Geschäftsanteile von 1.500 Euro auf 500 Euro ab. Eine sinnvolle Medizin. Ob sie wirkt, muss sich zeigen.