Mitgliederschwund hält Volksbanken im Griff – aber nicht alle
Auch 2025 haben die deutschen Genossenschaftsbanken viele Mitglieder verloren. Erste Zahlen bedeutender Institute zeigen jedoch große Unterschiede.

Der Frankfurter Volksbank fällt es nicht leicht, die Zahl der Mitglieder zu halten. Viele Genossen sind bereits älter. Daher verschwinden viele Mitglieder allein durch Todesfälle, wie Bankchefin Eva Wunsch-Weber in der zurückliegenden Woche hervorhob. Die Zahl der Mitglieder sank im vergangenen Jahr um annähernd 7.000 auf 296.000.
Schrumpfende Mitgliedszahlen bereiten auch anderen Genossenschaftsbanken Sorgen. Die gesamte Gruppe verzeichnete im vergangenen Jahr ein Minus von 0,6% auf 17,5 Mio. Seit 2018 ist die Zahl damit rückläufig. Hauptproblem hier wie dort ist der demografische Wandel. Die Genossenschaften kämpfen mit einer Sterbewelle ihrer Mitglieder.

Bisher haben nur wenige einzelne Banken die Zahl ihrer Mitglieder für 2025 beziffert. Unser Vergleich einiger großer Banken zeigt jedoch erhebliche Unterschiede. Bei der Frankfurter Volksbank fiel der Rückgang besonders stark aus, doch zeigt auch die Sparda-Bank West, die vor einer Fusion mit der PSD Bank Rhein-Ruhr steht, einen deutlichen Rückgang um 1,4%. Als ehemalige Spar- und Darlehnskassen der Eisenbahner haben die Sparda-Banken traditionell aber viele Mitglieder. Die Sparda-Bank West kommt daher auf annähernd 506.000 Mitglieder, obwohl sie nach Bilanzsumme kleiner ist als die Volksbank in Frankfurt. Mit dem Finanzplatz-Briefing erhalten Sie dreimal pro Woche um 6 Uhr morgens exklusive Einblicke, die Sie sonst nirgendwo finden: Recherchen, Analysen, Einordnungen. Kurz und auf den Punkt. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.PLATOW Finanzplatz-Briefing
Andere Volksbanken stemmen sich gegen den Trend. Die Volksbank Darmstadt Mainz hat den langjährigen Rückgang durchbrochen und legte 2025 um 0,8% auf mehr als 209.000 Mitglieder zu. So hat das Institut die Höchstgrenze für das Guthaben pro Kopf von 2.500 Euro auf 5.000 Euro heraufgesetzt. Die Bank nehme aber nur aktive Kunden aus der Region auf, sagte Ko-Chef Matthias Martiné Anfang Februar.
Prominenz lockt
Besonders stark wächst die GLS Bank, die in der Nische der grünen Nachhaltigkeitsbanken politische und weltanschauliche Zugehörigkeit vermittelt. Aber auch gewöhnliche Volksbanken legen sich ins Zeug. Die Volksbank Mittelhessen lockt in diesem Jahr etwa mit dem Komiker Bernhard Hoëcker nach Wetzlar oder mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke nach Oberursel. Die Verbundvolksbank OWL holt in diesem Sommer den Sänger Clueso nach Paderborn. Auch andere Volksbanken locken mit Prominenz.
„Nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar“ müsse die Mitgliedschaft sein, forderte BVR-Präsidentin Marija Kolak vor wenigen Tagen. Cashback-Programme von Verbundunternehmen, Kundenbindung via „MeinPlus“ und Instrumente zur Abstimmung sollen Volksbanken die Kundenbindung erleichtern. Nicht vergessen: Auch ein bisschen Spaß muss sein.