Nach Chefrauswurf steht die Stadt-Sparkasse Langenfeld unter hohem Zeitdruck
Als Vorstandschef ist Dirk Abel bereits beurlaubt, jetzt kündigt die Sparkasse in Langenfeld die Trennung an. Bei der Suche eines Nachfolgers ist der Druck hier besonders groß, wie unser Vergleich mit anderen Sparkassen zeigt.

Nach der Beurlaubung des Vorstandsvorsitzenden Dirk Abel muss die Stadt-Sparkasse Langenfeld die Führungsspitze rasch neu aufstellen: Als Vorstandsmitglied bleibt Stefan Bettges zurück, sodass die Sparkasse anders als vorgeschrieben bald nur noch einen Kopf an der Spitze zählt. Nach einem „nicht sachgerechten Umgang mit Compliance-Vorgaben“ bereitet die Sparkasse aktuell die endgültige Trennung vor: „Die Stadt-Sparkasse Langenfeld und Herr Abel werden sich im nächsten Schritt hinsichtlich der Beendigung der Zusammenarbeit verständigen“, schreibt ein Sprecher.
Zuerst hatte das „Handelsblatt“ über den Fall berichtet. Demnach soll Abel bei einer Flugreise mit seiner Familie eine Buchung von Bonusmeilen eines Dritten erhalten haben – Gegenwert: rund 12.000 Euro. Abel sagte der Zeitung, er habe den Wert in bar zurückgegeben. Die Sparkasse äußert sich nicht konkret dazu. Allerdings verweist das Institut auf ein juristisches Gutachten, das Verstöße des beurlaubten Sparkassenchefs bestätigen soll. Strafbar sei Abels Verhalten hingegen nicht.
Mehr Druck als woanders
Es gibt keine Regel dafür, wie schnell eine Vakanz geklärt werden muss. Doch die Sparkasse tauscht sich mit der Bafin und dem zuständigen Sparkassenverband RSGV aus, wie der Sprecher weiter schreibt – ein Indiz für die Dringlichkeit der Vakanz. Mit diversen Krisen aus dem Lager der Kreditgenossen ist die Situation bei der Sparkasse in Langenfeld nahe Leverkusen zwar nicht vergleichbar, denn eine Schieflage oder Zwangsmaßnahmen der Bafin gibt es nicht. Auch verfügt das Geldhaus wie in vielen Sparkassen üblich über Verhinderungsvertreter für den Vorstand – das lindert den Druck etwas. Doch im Vergleich zu anderen abrupten Vorstandsvakanzen im Sparkassenlager scheint hier mehr Eile geboten zu sein.
Weniger Druck verspürte vor zwei Jahren die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest als sie Anfang März 2024 ihren damaligen Vorstandschef Manuel Krastel ersetzen musste, der unerwartet verstorben war. Erst sieben Monate später, Anfang Oktober 2024, zog mit Stefan Possehl ein neuer Vorstand in das Gremium ein und rückte an die Seite des mittlerweile zum Vorstandsvorsitzenden berufenen Kay Facklam. Dieser Fall in Wismar war offenbar weniger dringlich, denn es drohte kein Reputationsverlust wie in Langenfeld.
Nicht ganz so brenzlig wie in Langenfeld ist auch die Lage der Sparkasse Regensburg, der ebenfalls eine Vakanz droht: Dort geht Markus Bayer, seit 2023 im Amt, vorzeitig gegen Ende August, während Manfred Pitzl, seit neun Jahren im Vorstand, seinen Ende 2026 auslaufenden Vertrag „im gegenseitigen Einvernehmen“ nicht verlängert. Der neue Vorstandsvorsitzende Marc Kirchhoff bleibt im Amt, braucht aber Verstärkung. Doch dafür bleibt immerhin bis Jahresende Zeit. So viele Monate kann die Stadt-Sparkasse Langenfeld wohl kaum verstreichen lassen.
Was Langenfeld mit Pfullendorf eint
Am ehesten ist die Lage in Langenfeld mit der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch vergleichbar. Im Oktober 2024 setzte diese dem damaligen Vorstandsmitglied Carsten Knaus abrupt den Stuhl vor die Tür. Die Sparkasse fand eine schnelle Lösung: Bereits im November 2024 trat der heutige Vorstandsvorsitzende Jörg Scheibe sein Amt an. Derweil zog Martin Henkenius vorübergehend in den Vorstand ein, ehe Alexander Hofmann im April 2025 von der Kreissparkasse Freudenstadt kam und Henkenius in die Rolle als stellvertretender Vorstand zurückfiel. Weshalb der damalige Vorstand Knaus gehen musste, begründet die Sparkasse allerdings nicht. Bekannt sind dafür wirtschaftliche Probleme der Sparkasse: Der Sparkassenverband Baden-Württemberg stufte das Institut für das Jahr 2024 im Risikomonitoring in der Bewertungsstufe „rot“ ein.
Rotes Warnlicht ist für das Institut in Langenfeld nicht bekannt. Doch es gibt erhöhte Kreditrisiken: Im vergangenen Jahr stockte die Sparkasse die Risikovorsorge um 12 Mio. Euro auf. Aus dem Bestand der Vorsorge verbrauchte die Sparkasse sogar 17 Mio. Euro für einzelne Kredite. Für ein Geldhaus mit 1,7 Mrd. Euro Bilanzsumme und Zins- und Provisionserträgen von netto 42 Mio. Euro handelt es sich um einen eher höheren Wert. Die Sparkasse erkennt eine Größenkonzentration bei Engagements ab 5 Mio. Euro Kreditvolumen und eine Konzentration auf die Immobilienbranche. Ob dahinter auch Darlehen an die Unternehmerfamilie Reppegather stehen, über die das „Handelsblatt“ weiter berichtet, geht aus dem Geschäftsbericht allerdings nicht hervor. Die Reppegathers standen wiederholt in den Schlagzeilen. So soll etwa der Projektentwickler Centrum des Gründers Uwe Reppegather nach verschiedenen Medienberichten Insolvenz angemeldet haben.
Mit einer harten Kernkapitalquote von 17,9% steht die Sparkasse jedoch stabil da. Die Cost-Income-Ratio stieg zwar um 4,3 Prozentpunkte, ist mit 50,2% aber im grünen Bereich. Auch blieb genug Spielraum für eine Dotierung von 8,8 Mio. Euro für den Fonds für allgemeine Bankrisiken und für ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit in Höhe von 5,3 Mio. Euro.
Streit um Vergütung absehbar
Der Abschied Abels könnte noch teuer werden: Der Vertrag des heute 62-Jährigen läuft bis Ende Mai 2027. Wenn der Vertrag regulär nicht verlängert wird, steht ihm ein Ruhegehalt von 55% der „ruhegehaltsfähigen Bezüge“ zu, wie der Geschäftsbericht aufschlüsselt. Im Jahr 2025 erzielte er eine Gesamtvergütung von rund 544.000 Euro, der Barwert seiner Pensionsansprüche erreicht 6,9 Mio. Euro. Unklar ist, welche Ansprüche Abel jetzt noch hat. Ein hartes Ringen um die Vergütung scheint programmiert.