Neugründungen bei Fintechs schießen in die Höhe
Fast 100 neue Finanz-Start-ups haben Gründer im vergangenen Jahr aus dem Boden gestampft. Das sind fast 20 Prozent mehr als noch 2023. Regional gibt es einen großen Verlierer.

Deutsche Fintech-Gründer waren im vergangenen Jahr so aktiv wie lange nicht mehr. Das zeigt eine Auswertung des Deutschen Start-up-Verbands und der Datenplattform „startupdetector”, die PLATOW vorab vorliegt. Demnach haben die Gründerinnen und Gründer im vergangenen Jahr insgesamt 97 neue Finanz-Start-ups neu ins Rennen geschickt. Das sind fast 20% mehr als im Vorjahr und mehr als in den meisten Jahren seit der ersten Erhebung im Jahr 2019.
Lediglich im Fintech-Hypejahr 2021 war die Zahl höher. Damals war das schwedische Zahlungsunternehmen Klarna gerade mit mehr als 45 Mrd. Dollar bewertet worden, die Zinsen waren niedrig und die Bedingungen damit perfekt. Insgesamt mehr als 3.000 Start-ups wurden damals in Deutschland gegründet, 125 neue Fintechs gingen an den Start.
Seitdem ist es für Gründer schwieriger geworden. Das Geld der Investoren floss aufgrund der Zinswende weniger in riskante Start-up-Wetten und mehr in traditionelle Anlageformen, was große Finanzierungsrunden fast unmöglich machte. Das dämpfte die Zahl der Gründungen in den Jahren 2022 und 2023. Dass sich dieser Trend nun wieder dreht, führt Jannis Gilde, Projektleiter Research beim Start-up-Verband, auf zwei Gründe zurück. „Zum einen sinken die Zinsen wieder, was Investitionen in Start-ups und damit Fintechs attraktiver macht”, sagt er. „Zum anderen sehen die Investoren und Gründer noch immer viel Potenzial bei Fintechs.” Da es aber mit N26, Scalable Capital und Trade Republic große Player gibt, die ein relativ breites Angebot abdecken, schauen die Gründer verstärkt auf Nischen oder den B2B-Markt. Ein Beispiel ist SectorPI: Das Fintech will den Zugang zum komplexen Fördermarkt für Firmen erleichtern.
Berlin bleibt mit 22 von 97 neuen Fintechs ein „absoluter Hotspot“, wie Gilde sagt, und sichert sich den Spitzenplatz unter den Bundesländern. Danach folgt Nordrhein-Westfalen mit 20 Gründungen. Hier locken Köln, Düsseldorf, Aachen, Münster, Bielefeld und Paderborn die Branche an. Bayern verliert im Jahresvergleich und kommt nur noch auf 14 neue Fintechs, weil es der Freistaat nicht schafft, neben München einen zweiten Hub aufzubauen. Hessen und damit vor allem Frankfurt stagnieren. Das Finanzzentrum kommt nur auf elf neue Fintechs und damit auf die gleiche Anzahl wie im Vorjahr.