Paypal stiehlt Wero mit Anti-Bargeld-Werbung die Show
Mit einem Abgesang auf das Bargeld wirbt Paypal für sich. Der Zahlungsdienstriese will nicht nur an der Ladenkasse Fuß fassen, sondern auch Wero auf Distanz halten.

Nur scheinbar richtet sich eine neue – und anonyme – Plakatkampagne gegen das Bargeld: „Später zahlen? Bargeld kann das nicht“, heißt es da, oder „Cash ist nicht mehr King“ oder „Du liebst Bargeld. Aber hat Bargeld dich jemals zurückgeliebt?“ Farbgebung und Schriftart deuten dabei auf Paypal. Der US-Zahlungsriese will das offiziell weder bestätigen noch dementieren. Schon bald dürfte sich das Unternehmen jedoch als Urheber der Kampagne zu erkennen geben.
Die scheinbare Anonymität, der Abgesang auf das Bargeld und die Werbung für spätes Bezahlen bringen freilich Aufmerksamkeit. Denn als Zahlungsdienstleister will Paypal im Sommer an der Ladenkasse Fuß fassen. Eine neue App soll ab Sommer dabei unter Einbindung von Karten von Mastercard das Bezahlen via Smartphone ermöglichen, wie Paypal Anfang Mai ankündigt hatte. Auch eine „Ratenzahlung To Go“ ist dabei vorgesehen. „Paypal hat mehr zu bieten als Bargeld“, erklärte damals Jörg Kablitz, Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bislang spielt das Unternehmen an der Ladenkasse fast keine Rolle.
Der Zeitpunkt ist günstig, denn Mobile Payment gewinnt an Relevanz und Apple muss das I-Phone auf Geheiß der EU für Drittanbieter öffnen. Hier tritt Paypal etwa in Konkurrenz zu den Kreditgenossenschaften, die mit der VR-Banking-App voraussichtlich ab September das Bezahlen an der Ladenkasse für das I-Phone ermöglichen wollen. Die Sparkassen sind derweil über die Wallet in das I-Phone eingebunden und genießen damit priviligierten Zugang. Android-Geräte stehen bereits heute vielen Zahlungsapps offen. Auch hier will Paypal vorstoßen.
Wichtiger ist für Paypal aber die Abgrenzung von Wero, dem Sofortzahldienst der European Payment Initiative (EPI). Das Projekt der europäischen Kreditwirtschaft bereitet den Sprung in den Zahlungsdienstemarkt im Onlinehandel vor – als Alternative zu US-Anbietern. Mit einem Anteil von 28,5% im Jahr 2024 stellt Paypal laut EHI Retail Institute die häufigste Zahlungsmethode im deutschen Online-Handel dar. Auch sind die Margen für Zahlungsdienste im Internet höher als an der Ladenkasse. Die Kampfansage gilt also Wero, nicht dem Bargeld.