Sekt statt Champagner – Getrübte Stimmung bei den Sparkassen im Ländle
Nach den Rheinland-Pfälzern haben nun auch die Sparkassen in Baden-Württemberg ihre Zahlen für 2025 vorgelegt. Diese waren zwar insgesamt positiv, aber Zufriedenheit sieht anders aus.

Wer am Stuttgarter Hauptbahnhof ankommt, merkt recht wenig vom Reichtum Baden-Württembergs. Der lässt sich erst fünf Minuten später erahnen, in der Zentrale der LBBW, die verwirrend viele Eingänge hat. Und auch die Zahlen des Sparkassenverband Baden-Württemberg (SVBW) zeigen: An Kapital scheint es nicht zu mangeln. Trotzdem hinterlässt die stagnierende Wirtschaft auch in den Bilanzen der Sparkassen ihre Spuren.
Die Sparer im Ländle haben ihren Sparkassen 2025 steigende Kundeneinlagen beschert. Diese haben sich 2025 um 2,1% auf 180,5 Mrd. Euro erhöht. Der Seitenblick auf die Volks- und Raiffeisenbanken offenbart allerdings, dass das Potenzial deutlich höher lag.
Das Plus speist sich aus den Einlagen von Privatpersonen (+2,4%) sowie Unternehmen und Selbstständigen (+3%). Die öffentlichen Haushalte haben ihre Einlagen hingegen das zweite Jahr in Folge reduziert (minus 5%).
Liquidität steht hoch im Kurs
Matthias Neth, Präsident des SVBW führt dies auf den erhöhten Kapitalbedarf der Kommunen und die strukturellen Defizite in den kommunalen Haushalten zurück. Dazu passt, dass die Sparkassen 2025 mit 5,6 Mrd. Euro auch höhere Kreditsummen an öffentliche Haushalte als im Vorjahr ausgereicht haben (plus 19,8%).
Schlüsselt man die Kundeneinlagen nach Produkten auf, sticht ins Auge, dass 2025 besonders Sichteinlagen zugelegt haben, von 104,2 Mrd. Euro auf 111 Mrd. Euro, während Spareinlagen (2025: 24,3 Mrd. Euro; 2024: 26,2 Mrd. Euro) und Termingelder (2025: 23,2 Mrd. Euro; 2024: 24,8 Mrd. Euro) gesunken sind. Neth sieht die Ursache in den „Strukturveränderungen“ der Wirtschaft im Ländle, die stark vom Auto- und Maschinenbau geprägt ist. „Die Menschen sind etwas vorsichtiger und setzen stärker auf liquide Einlagen“, sagt Neth.
Eine alternative Interpretation wäre, dass sich die Bürger von den Kapitalmärkten deutlich höhere Gewinne versprechen. Insgesamt steigerte sich der Nettoumsatz mit Wertpapieren um 4,2 Mrd. Euro, nach nur 0,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Allein die Wertpapierkäufe legten um 29,5% auf 20,6 Mrd. Euro zu. „Wir sehen erhöhte Käufe von Aktien und insbesondere Investmentfonds“, so Neth.
Mit Trade Republic und Co. im Ring
Passend dazu stieg die Zahl der Wertpapierdepots um 4% auf knapp 1,134 Mio. Konten. Sparkassen-Kunden schlossen zudem 249.000 neue Deka-Fondssparpläne ab (2024: 242.000). Insgesamt investierten die Sparkassenkunden des Landes 2025 mehr als 1,4 Mrd. Euro über Sparpläne in Wertpapiere.
In diesem Zusammenhang kündigte Neth an, ein „noch einfacheres und offensiveres Angebot für Selbstentscheider“ auf den Markt zu bringen. So wollen die Sparkassen in Konkurrenz mit den Neo-Brokern treten. Neth selbst verriet den Namen zwar nicht, sein Kollege Thomas Hirsch aus Rheinland-Pfalz war in diesem Punkt aber gesprächiger. Das digitale Depot „S-Neo“ soll in der zweiten Jahreshälfte in die schon bestehende Sparkassen-App integriert werden.
Auch das Zukunftsprojekt Finanzierung der Energieinfrastruktur „Zufi“ lag Neth am Herzen. Allerdings scheint der Verband hier noch immer in der Phase von „Gesprächen mit Interessenten für einen Piloten“ zu stecken. Namen möglicher Partner nannte er nicht.
Von mieser Wirtschaftslage ausgebremst
Nach diesem kurzen Ausflug in die Zukunft kehrte Neth zurück zum Brot- und Buttergeschäft: Die Kredite der 50 Sparkassen in Baden-Württemberg wuchsen 2025 im Vergleich mit den Vorjahren stabil um 1,7%. Dabei fiel das Plus bei den Unternehmenskunden mit 0,6% allerdings enttäuschend gering aus. „Wir sind auch fähig und bereit für mehr“, kommentierte Neth die Zahlen, die aber insgesamt gut seien.
Trotzdem mussten die Sparkassen ihr Kreditgeschäft (vorläufig) um 435 Mio. Euro berichtigen wegen der schwierigen Wirtschaftslage mit Zunahme der Insolvenzen. Das schmerzt, sei aber von den Höchstständen in den Jahren 2000 und 2008 noch weit entfernt. Die Unternehmen seien heute mit Eigenkapital besser und stabiler aufgestellt.
Auch bei der Darlehensvergabe gab es trotz des deutlichen Anstiegs um 14,3% auf 28,9 Mrd. Euro und einem Plus von 11,8% bei den Unternehmen einen Wehrmutstropfen. Die Darlehen für den privaten Wohnungsbau stiegen zwar um 21,5% auf 10,4 Mrd. Euro, davon entfällt aber der weit überwiegende Teil (8,7 Mrd. Euro) auf Bestandsimmobilien. „Insgesamt ist das immer noch nicht zufriedenstellend“, so Neth. „Wir haben zu wenig Wohnraum.“
Auch die Ertragslage stimmt ihn nur bedingt positiv. Der Zinsüberschuss erreichte nach 4,31 Mrd. Euro im Vorjahr mit 4,39 Mrd. Euro nur ein mageres Plus. Da die Bilanzsumme im gleichen Zeitraum um 1,7% auf 254,3 Mrd. Euro stieg, sank der Zinsüberschuss in Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) von 1,76% auf 1,74%.
Bilanzsumme überholt Betriebsergebnis
Die Kosten-Ertrags-Relation verschlechterte sich deutlich von 55,2% auf 57,7%. Als Grund nannte Neth gestiegene Personal- und Sachkosten. Tarifabschlüsse und „insbesondere die Fachkräftesicherung“ hätten die Kosten trotz „intensiver Sparanstrengungen“ stärker als in den Vorjahren steigen lassen. Hinzu kämen höhere Regulierungskosten sowie Investitionen in die IT. Insgesamt konnte das Betriebsergebnis nach Bewertung nur leicht zulegen, von 2,21 Mrd. Euro auf 2,22 Mrd. Euro. Damit fiel es gemessen an der DBS von 0,9% auf 0,88%.
Die Zahlen aus Baden-Württemberg sind unseren Informationen zufolge repräsentativ für das gesamte Bundesgebiet. Die Sparkassen werden demnach zwar positive Zahlen für 2025 vorlegen, die im Vergleich zu den Volks- und Raiffeisenbanken und anderen Instituten jedoch hinter den Erwartungen zurückbleiben.