VR Südbank – Ex-Vorstand ergreift im Lagerstreit Partei
Seit einer Fusion geht ein Riss durch die neue VR Südbank am Bodensee. Nach heftigem Streit suchte der Aufsichtsratschef das Weite. Jetzt positioniert sich ein ehemaliger Vorstand dazu.

Im Lagerstreit in der fusionierten VR Südbank ergreift ein ehemaliger Vorstand das Wort: Hans-Martin Blättner, seit Ende Juli 2025 im Ruhestand, nimmt den ehemaligen Aufsichtsratschef Jörg Bauer vor dem Vorwurf einer übergriffigen Einmischung ins Tagesgeschäft in Schutz. „In meiner Zeit als Vorstand war die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat sehr gut“, sagt der 69-jährige Blättner. „Eine unverhältnismäßig starke Einmischung habe ich nicht erlebt.“ Die Bank war 2023 aus der Raiffeisenbank Westallgäu und der Bayerischen Bodenseebank in Lindau hervorgegangen. Sie kommt nach jüngsten Zahlen von Ende 2024 auf eine Bilanzsumme von 842 Mio. Euro und eine Mitarbeiterzahl von 132.
Prägend war zuletzt ein Streit zwischen Teilen des Aufsichtsrats und dem Bankchef Martin Öfner. Erst hatte Aufsichtsratschef Bauer eine Abwahl Öfners angestrebt, wie wir hören. Das Gremium soll sogar die Suche nach einem neuen Vorstand abgesegnet haben, doch auf eine Abberufung Öfners konnte sich der Aufsichtsrat demnach nicht einigen. Offen will mit uns niemand darüber reden, die Bank nimmt zu diesen Auskünften keine Stellung.
Bodensee versus Westallgäu
Im September wandten sich dann zwölf Bereichsleiter in einem Brief an Vorstand und Aufsichtsrat und forderten den Rücktritt Bauers. Das Schreiben, über das zuvor „Finanzbusiness“ berichtet hatte, liegt der Redaktion vor. Die Führungskräfte werfen Bauer vor, was Ex-Vorstand Blättner für seine Zeit bestreitet: Die Rede ist zum Beispiel von einer „persönlichen Einmischung in die operative Arbeit“, von einem „gezielten Angriff auf einzelne Mitarbeiter“ und von einer „eingeschränkten“ Entscheidungshoheit des Vorstands.
Der Vorstand soll daraufhin zu einer außerordentlichen Vertreterversammlung eingeladen haben, die aber nie stattfand: Bauer trat im Oktober selbst zurück. Kurz vor Jahresende gaben vier weitere Aufsichtsratsmitglieder aus dem ursprünglich zehnköpfigen Gremium ihre Ämter auf.
Die Front verläuft zwischen den Vertretern der ursprünglichen Banken: Bankchef Öfner hatte zuvor die Raiffeisenbank Westallgäu geleitet, während Bauer und Blättner in der Bodenseebank ihre Mandate ausgeführt haben. Auch die vier Aufsichtsratsmitglieder, die im Dezember zurücktraten, übten diese Funktion zuvor dem Vernehmen nach bei der Bodenseebank aus.
Die Fraktion der ehemaligen Westallgäuer ist damit in den Schlüsselpositionen geblieben: Sie stellt nicht nur zwei von drei Vorständen, sondern auch den Aufsichtsrat um die zuvor stellvertretende Vorsitzende Kathrin Koch. Auch war die Raiffeisenbank Westallgäu zum Zeitpunkt der Fusion geringfügig größer, sei es nach Bilanzsumme, nach Zahl der Beschäftigten oder nach Zahl der Mitglieder. Die beiden ursprünglichen Banken bestehen als Zweigniederlassungen fort.
Zwischen „Unmut“ und „Einmischung“
Nach der Fusion habe sich die Kreditbearbeitung in die Länge gezogen, weil das fusionierte Institut seine Prozesse nicht abgestimmt habe, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Bauer selbst schreibt nach seinem Ausscheiden in einem Brief an Bank und Aufsichtsrat von einer „Vielzahl Kunden“, die „Unmut zu den Kreditbearbeitungszeiten“ geäußert hätten. Auch dieses Schreiben liegt der Redaktion vor. Daneben formuliert Bauer etliche weitere Kritikpunkte, darunter ein Investitionsstau bei Geldautomaten. Die Vorwürfe der Bereichsleiter weist er zurück.
Ob und welche Mängel es in der Bank gibt, lässt sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Die Bank äußert sich nicht „zu internen Gremienangelegenheiten oder zu persönlichen Motiven einzelner Beteiligter“.
Bauer selbst soll im Sommer einen Immobilienkredit bei der Bank beantragt haben: Damit habe er einen langsamen Kreditprozess wie ein Kunde nachvollziehen wollen, ohne das Darlehen tatsächlich in Anspruch nehmen zu wollen, wie zu hören ist. Offiziell nimmt keiner der Beteiligten dazu Stellung.
Der Streit lässt somit Interpretationsspielraum: Liegt der Fehler bei einem Bankchef, unter dessen Führung die Kreditbearbeitung entgleiste und der nach einem drohenden Rauswurf selbst nach Rückhalt in der Bank gegen den Aufsichtsratschef suchte? Oder hat sich ein Aufsichtsratschef mit seiner Kritik verbissen und seine Kontrollaufgabe zu weit getrieben? Spielen andere Gründe eine Rolle, die bisher nicht nach außen traten?
Jetzt sind die Vertreter dran
Operativ ist die Bank nach jüngsten Zahlen für 2024 stabil, doch liegt die Aufwand-Ertrags-Relation mit 78,4% auffällig hoch. Die Bank führte Kosten für die Fusion an und stellte für 2025 eine Quote von 66,1% in Aussicht. Das operative Geschäft sei uneingeschränkt sichergestellt, schreibt uns die Bank. „Die wirtschaftliche Entwicklung der Bank ist positiv und durch überdurchschnittliche Wachstumswerte geprägt.“
Was bleibt, ist eine Führungskrise: Der Aufsichtsrat ist mit nur noch fünf Mitgliedern unterbesetzt, denn laut Satzung müssen mindestens sechs Personen dem Gremium angehören. Auch soll der Aufsichtsrat paritätisch mit Personen aus beiden Geschäftsgebieten der ehemaligen Fusionspartner besetzt sein. Daher ist in diesem Jahr die Vertreterversammlung am Zug. Der künftige Aufsichtsrat steht absehbar vor einer schwierigen Aufgabe, muss er doch die Differenzen begleichen und eine gemeinsame Haltung zum Vorstand entwickeln.
„Immer wenn Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte“
Ex-Vorstand Blättner hat bereits mehrere Fusionen miterlebt: So begleitete er 2021 als Interimsvorstand die VR Bank Alzenau in die Fusion mit der größeren Frankfurter Volksbank, nachdem er 2016 als Bankchef die Raiffeisen-Volksbank Miltenberg in eine Fusion mit der damaligen Volksbank Odenwald zur Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank geführt hatte. 2023 war er an der Geburt der VR Südbank beteiligt.
Heute betätigt er sich als Berater und Wirtschaftsmediator. „Immer wenn Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte“, schreibt er mit einer Kollegin über das Angebot. „Diese wollen identifiziert und gelöst werden.“ Wenn es doch nur so einfach wäre!