ESG

Warum das WWF-Bankenrating zur Nachhaltigkeit Fragen aufwirft

Der WWF bewertet, wie deutsche Banken mit Klima- und Biodiversitätsaspekten umgehen und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Die Methodik, die dahinter steckt, ist indes fragwürdig.

Jan Schulte,
Wie nachhaltig sind deutsche Banken?
Wie nachhaltig sind deutsche Banken?

Einmal fest die Augen reiben – Die Bank, die in Deutschland am meisten für die Nachhaltigkeit leistet, ist laut Meinung der Umweltstiftung WWF Deutschland offenbar keine der üblichen Spezialbanken, sondern die ING Diba. Das zumindest geht aus dem jüngst veröffentlichten WWF-Bankenrating 2025 hervor. Die ING erhält hier 71 von 100 möglichen Punkten und schafft es als einziges Institut in die Gruppe der „Vorreiter“. Es folgen die Triodos Bank mit 57 Punken, die Deutsche Bank mit 43 Punkten und die GLS Bank mit 41 Punkten. Diese drei Institute erhalten immerhin noch das Prädikat „Verfolger“.

Aber Moment mal: Die ING ist nachhaltiger als Triodos und die Deutsche Bank nachhaltiger als die GLS Bank? Ist das Selbstbild der Spezialbanken als Nachhaltigkeitsvorreiter nicht mehr haltbar? So weit würde der WWF auf Nachfrage nicht gehen. „Das WWF Bankenrating stellt einen von vielen möglichen und validen Ansätzen zur Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung im Bankensektor dar“, so eine Sprecherin zu PLATOW. Andere Ratings könnten aufgrund abweichender Schwerpunkte zu unterschiedlichen validen Ergebnissen gelangen. Man selbst habe sich auf die Transformation konzentriert. Der Fair Finance Guide, hinter dem die NGOs Facing Finance und Südwind Institut stehen, listet auf dem ersten Platz die GLS Bank auf. Die ING Diba kommt auf Platz acht – die Deutsche Bank auf Platz 13.

In anderen Worten: Die Methodik macht das Rating – und die ist beim WWF ausbaufähig. Die NGO hat allen Banken vorab einen Fragebogen zugeschickt. Haben die nicht geantwortet, hat sich die Stiftung – oder vielmehr dessen Umsetzungspartner Deloitte – an die frei verfügbaren Informationen gehalten.

Tatsächlich haben längst nicht alle Institute die Bögen selbst ausgefüllt. Manche haben die von den WWF/Deloitte-Analysten selbst gesammelten Informationen immerhin noch kommentiert, andere hatten selbst darauf keine Lust, darunter auch Triodos und GLS Bank. So kommt der WWF zum Beispiel zu der Einschätzung, dass bei der GLS Bank nicht bekannt sei, ob sie bestehende Hypotheken regelmäßig auf Umweltkriterien prüfe. „Das tun wir aber über unseren nWert, und das beschreiben wir auch auf unserer Webseite“, sagte dazu ein Sprecher der Bank auf PLATOW-Anfrage.

„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine aktive Beteiligung der Banken zu einem besseren Ergebnis im WWF-Bankenrating geführt hätte, da es die Möglichkeit geboten hätte, spezifischer auf einzelne Fragen einzugehen“, sagt eine WWF-Sprecherin. Fragt sich dann nur, was dieses Rating überhaupt wert ist.

Der Weg bleibt lang

Der Bericht soll Orientierung geben – für Unternehmen und Privatkunden wie für Politik, Aufsicht und Zivilgesellschaft, heißt es darin. Die Deutsche Bank möchte das Ergebnis nicht im Detail kommentieren. Die erstplatzierte ING Diba teilt mit: „Wir freuen uns sehr über diese externe Auszeichnung, denn sie honoriert unsere Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit.“ Zur Wahrheit gehöre aber auch: „Wie die gesamte Branche haben wir noch einen Weg zu gehen.“ Das dürfte auch für die Methodik des WWF-Ratings gelten.

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