Warum der Apple-Deal für J.P. Morgan Chase ein Gewinn sein könnte
Goldman Sachs konnte das Kreditkartenportfolio des Tech-Konzerns Apple gar nicht schnell genug loswerden. Für J.P. Morgan Chase sieht die Sache allerdings anders aus.

Bei den Co-Branding-Kreditkarten geht es manchmal zu wie auf dem Fußball-Transfermarkt. Bei irgendwem läuft der Vertrag aus, woraufhin alle gespannt warten, wo er den nächsten unterschreibt. Apple war auf diesem Transfermarkt der ablösefreie Starspieler, nachdem die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs bei der Apple-Card vorzeitig beendet wurde. Nun hat die Karte eine neue Heimat gefunden: J.P. Morgan Chase wird zukünftig die Kooperation mit dem Technologiekonzern übernehmen. Man freue sich auf die gemeinsame Zukunft, teilte die Bank euphorisch mit.
Beide Großbanken sind unterschiedlich aufgestellt
Wer die Saga der Apple-Kreditkarte länger verfolgt, der dürfte da aber ungläubig die Stirn runzeln. Denn der vorherige Partner Goldman Sachs war mit dem Apple-Deal gar nicht zufrieden. 2019, bei Vertragsabschluss, hatte sich die Bank noch ähnlich begeistert gegeben wie nun J.P. Morgan Chase, zuletzt konnte es dann aber gar nicht schnell genug gehen mit der Rückabwicklung der Vereinbarung. Eigentlich hatte der Vertrag bis 2030 gegolten. Die Solutions Unit, in der Goldman das Geschäft untergebracht hatte, schrieb Millionenverluste. Im vierten Quartal 2025 konnte die Bank nun Rückstellungen für Kreditausfälle in Milliardenhöhe auflösen, die man für das Apple-Geschäft vorgehalten hatte, was zu einem ordentlichen Gewinnsprung führte. J.P. Morgan Chase musste im Gegenzug seine Risikovorsorge aufstocken, was zu einem Gewinnrückgang führte.
Bindet sich J.P. Morgan Chase mit der Apple-Karte also ein dickes Minusgeschäft ans Bein? Nicht unbedingt, denn die Großbank ist deutlich besser aufgestellt für das Projekt als Goldman Sachs. Letztere ist schließlich primär eine Investmentbank mit wohlhabenden Kunden. Mit der Einführung der Apple-Karte hatte sich Goldman auf ein neues Geschäftsfeld mit Normalverdienern begeben, es wirkte damals wie eine strategische Neuausrichtung. Die vollzog das Geldhaus aber nie wirklich konsequent, so blieb das Kreditkartengeschäft ein Fremdkörper im eigenen Unternehmen. J.P. Morgan Chase ist hingegen im Retail Banking traditionell stark, kennt das Geschäft. Hier dürfte sich die Apple-Karte also deutlich besser einfügen.
Kommt die Apple-Kreditkarte bald auch nach Deutschland
Bleibt die Frage, wie attraktiv das Geschäft mit Co-Branding-Kreditkarten grundsätzlich ist. Schließlich hatte zuletzt etwa die DKB in Deutschland ihren Auftritt in dem Bereich deutlich reduziert, die Solaris verhob sich fast an der Übernahme des ADAC-Kreditkartenportfolios. „Banken müssen in der Regel die Prämien in den Programmen finanzieren, das macht Co-Branding-Deals teuer“, sagt Nikola Jelicic, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Zeb. Ob sich das lohnt, hänge davon ab, ob sie über den Deal attraktive neue Kunden generieren. „Das gelingt vor allem, wenn es sich um eine Premiummarke handelt“, so Jelicic.
Das dürfte bei Apple gegeben sein. Angesichts der Pläne von J.P. Morgan Chase in Europa könnte die Apple-Karte auch dazu dienen, dort neue Kunden zu akquirieren. Kommt die Apple-Kreditkarte also bald nach Deutschland? Weder Bank noch Apple wollten sich auf PLATOW-Anfrage zu dem Deal und weiteren Plänen äußern.