Die deutschen Autobanken fahren immer höhere Zinserträge ein, schultern zugleich aber immer höhere Kreditausfälle – das zeigen insbesondere neue Zahlen der herstellerunabhängigen Bank 11 in Neuss, aber auch andere Autobanken, die wir uns angesehen haben. Steigende Zinsen in der Fahrzeugfinanzierung bei zugleich sinkenden Sätzen im Einlagengeschäft lassen die Erträge sprudeln, die dann wieder durch eine horrende Risikovorsorge aufgefressen werden. Autobanken stellen Kredite an Privatkunden bereit, finanzieren aber auch die Händler.

Fette Marge, viele Ausfälle

Bank 11, die zum Familienkonzern Werhahn gehört, erlebt einen Boom und eine Krise zugleich. Die Zinsmarge ist traumhaft: So berechnete die Bank im vergangenen Jahr im Kreditgeschäft durchschnittlich 5,23% Zinsen nach 4,95% im Jahr zuvor. Zugleich zahlt die Bank weniger Zinsen auf Tages- und Festgeld: Hier kehrte sie 2,69% statt zuvor 3,00% aus. Diese üppige Zinsmarge lässt den Zinsüberschuss springen, und zwar auf Ebene der GmbH um 36% auf 203 Mio. Euro. Weil noch immer Kredite aus der Tiefzinsphase auslaufen, erwartet die Bank eine weiterhin steigende Zinsmarge.

Wäre der Zinsüberschuss nicht so stark gestiegen, hätte die Bank (Bilanzsumme: 9,6 Mrd. Euro) vermutlich einen Verlust ausgewiesen. Denn zugleich stieg die Risikovorsorge von 44 Mio. Euro auf 94 Mio. Euro – dabei war dieses Niveau auch schon zuvor erhöht. Die Bank 11 spricht gegenüber PLATOW von einer „schwierigen Lage in der Fahrzeugfinanzierung“, was die Lage vornehm umschreibt. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit fiel von 27 Mio. Euro auf 12 Mio. Euro ab.

Allerdings kalkuliert die Bank ihre Risikovorsorge deutlich konservativer als zuvor. Ein Kredit gilt jetzt schon als ausgefallen, wenn ein Kunde zwei hintereinander folgende Kreditraten auslässt – nicht erst, wenn die Bank das Darlehen kündigt. Die Bank nutzt also ihren Spielraum, um für weitere Ausfälle gewappnet zu sein.

Andere Banken, ähnlicher Trend

Was für eine kleine Bank gilt, gilt auch für das Geldhaus im Volkswagen-Konzern: Hier stieg der Zinsüberschuss der Volkswagen Bank um 30% auf 2,31 Mrd. Euro, während die Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 310 Mio. Euro auf 715 Mio. Euro anstieg. Der Konzern begründet die hohe Vorsorge mit steigenden Kreditvolumina, aber auch mit steigenden Ausfällen in der Händlerfinanzierung. Insgesamt führte die Bank 551 Mio. Euro Gewinn an den Volkswagen-Konzern ab und damit etwas weniger als im Jahr zuvor. Der Automobilkonzern, der vor einem Sanierungskurs steht, kann das Geld gut gebrauchen.

Steigende Zinsüberschüsse und mehr Risikovorsorge zeigen sich auch in der Ergebnisrechnung anderer Autobanken. Die CA Auto Bank, die in Frankreich, Deutschland und Italien viele Kredite vergeben hat, zeigt aber eine weniger heftige Bewegung. Die Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole baute den Zinsüberschuss um 9% auf 394 Mio. Euro aus, während die Risikovorsorge im Kreditgeschäft um 14% auf 118 Mio. Euro anstieg. Die breiter aufgestellte Openbank Deutschland – bisher: Santander Consumer Bank – begründet eine hohe Risikovorsorge von 480 Mio. Euro auch mit gestiegenen Ausfallraten in der Kfz-Sparte. Die Mercedes-Benz Bank und die BMW Bank haben ihren Jahresabschluss noch nicht veröffentlicht.

Fahren auf Sicht

Im laufenden Jahr kalkuliert Bank 11 mit einer sinkenden, aber immer noch hohen Risikovorsorge. Doch gerade mit Blick auf die Händlerfinanzierung zeigt sich die Bank unsicher: „Aktuell ist schwer absehbar, inwieweit sich Risiken in der Einkaufsfinanzierung durch die wirtschaftliche Lage verschärfen werden.“