Der Boom des Falschgelds ebbt wieder ab, aber . . .
Polizei und Bundesbank ziehen neuerdings wieder weniger Blüten aus dem Verkehr. Doch die kriminelle Energie der Fälscher ist weitaus höher, als die Statistik nahelegt.

Nach zeitweiliger Hochkonjunktur für Falschgeld spüren Polizei und Bundesbank wieder weniger Blüten auf. So zogen sie im vergangenen Jahr 67.963 falsche Scheine aus dem Verkehr und damit 6% weniger als im Jahr zuvor, heißt es seitens der Bundesbank. Der vorgegaukelte Nennwert der Scheine sank von 4,5 Mio. Euro im Gesamtjahr 2024 auf 4,0 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Es handelt sich dabei qua definition um Falschgeld, das bereits im Umlauf war.

Allerdings ist das Niveau im Vergleich zu früheren Jahren noch immer hoch. Als in der Corona-Pandemie viele Geschäfte und Märkte schlossen, tauchte auch viel weniger Falschgeld auf als heute. Danach erlebten die Blüten einen neuen Zyklus, der jetzt allmählich wieder abflacht.
Die Täter passen sich dabei stetig an: Nachdem im Jahr 2017 neue 50-Euro-Scheine ausgegeben worden waren, sank die Zahl der falschen Fünfziger in den Folgejahren deutlich. Als dann 2021 neue 20-Euro-Scheine folgten, fiel wiederum der Anteil der blauen Blüten. Scheine mit großem und kleinem Nennwert tauchen nur selten auf.
Internationale Banden am Werk
Die Geldfälscher sind international aufgestellt: Die Blüten lassen sich über Messengerdienste oder im Darknet bestellen, wie das Bundeskriminalamt (BKA) berichtet. Häufig werden die Scheine im Ausland hergestellt und mittels Kurier in die Eurozone gebracht. Um das Geld in Umlauf zu bringen, kaufen die Täter hochwertige Güter, seien es Immobilien, Autos, Uhren oder Schmuck. Sie sprechen dabei auch Privatpersonen an und drehen diesen neben echten Scheinen auch Blüten an.
Die Banden agieren skrupellos, obwohl die Risiken im Metier durchaus hoch sind: Das BKA zählt für das jüngste Berichtsjahr 2023 mehr als 58.000 Falschgelddelikte – es fliegen also viele Täter auf. Verblüffend ist auch, wie offensichtlich manche Fälschungen sind. Mitunter handelt es sich um Spielgeld.
Falschgeld in Milliardenhöhe beschlagnahmt
Die Daten der Bundesbank vermitteln jedoch einen falschen Eindruck über die kriminelle Energie der Fälscher. So haben Ermittler in 18 Ländern Falschgeld mit einem angeblichen Wert von sage und schreibe 1,2 Mrd. Euro beschlagnahmt, wie die europäische Polizeibehörde Europol vor wenigen Tagen offenlegte. Die Ermittler fanden von Juni bis November 2025 in 379 Fällen falsche Scheine. In der Notenbank-Statistik tauchen Fälschungen aber nur dann auf, wenn sie bereits in Umlauf waren.
Vor allem in Rumänien wurden die Ermittler nach Angaben von Europol fündig. Die Blüten wurden dabei häufig in China gedruckt. Neben Euro-Blüten waren auch falsche Dollar- und Pfundnoten dabei. Trotz aller Risiken bleibt das Geschäft der Geldfälscher verlockend.