Versicherer

HDI schafft frühzeitig Telematik-Tarif in der Kfz-Versicherung ab

Es war nur eine kurze Marktpräsenz. Nach etwas mehr als einem Jahr stellt die HDI Versicherung ihren Telematik-Tarif in der Kfz-Versicherung zum Jahresende ein, da er „nicht die erforderliche Kundenresonanz für eine Weiterführung gefunden hat“, lautet die Begründung im Kundenanschreiben.

Die Entscheidung sei erst kürzlich gefallen, erklärt uns ein Sprecher. Früh genug, um die Kunden noch in der traditionellen Wechselperiode November und Dezember in die klassische Kfz-Tariflandschaft zu überführen. Damit zieht HDI als einer der ersten Versicherer früh die Reißleine bei dem noch relativ jungen Produkt, wo das Fahrverhalten mittels automatischer Fahrstil-Analyse (App) über die Beitragshöhe entscheidet. Den Ton bei Telematik-Tarifen gibt Marktführer HUK Coburg mit einem Bestand von aktuell 130 000 Policen an. Der gesamte Kfz-Policenbestand der Gesellschaft liegt derzeit bei 12 Mio. Verträgen. Dicht dahinter folgt die Allianz mit 125 000 Telematik-Verträgen und einem Gesamtbestand von 8,6 Mio. Kfz-Policen. Allerdings sind die Münchener schon seit 2016 mit diesen Kfz-Policen am Markt, die HUK erst seit April dieses Jahres.

Somit ist schon jetzt absehbar, dass nur einige wenige Gesellschaften mit diesem Produkt am Markt überleben werden. Auch die HDI glaubt trotz ihres Rückziehers weiterhin an das Thema Telematik und hält sich eine Hintertür für ein Comeback offen. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse wird der Kölner Versicherer aus dem Talanx-Konzern zunächst intern analysieren, um auch zukünftig auf die Marktentwicklungen vor dem Hintergrund des technischen Fortschritts und des zunehmenden Anteils vernetzter Kraftfahrzeuge adäquat auf die Marktanforderungen reagieren zu können, heißt es.

Während sich HDI vorerst aus dem Telematik-Bereich verabschiedet, arbeitete nach unseren Informationen der genossenschaftliche Versicherer R+V (4,6 Mio. Kfz-Policen) zuletzt noch an einer solchen Lösung. Das zögern der Wiesbadener hat einen Grund. Das Management unter dem zuständigen Kompositvorstand Edgar Martin zeigte sich lange Zeit skeptisch in Sachen Erfolgsaussichten (s. PLATOW v. 26.8.). Wohl auch zurecht, wie das Beispiel HDI jetzt zeigt. Ob und wann R+V mit einem Telematik-Produkt an den Start geht, steht in den Sternen. In Wiesbaden hält man sich diesbezüglich bedeckt. Die HUK und Allianz ist jedenfalls mit dem Neugeschäftsanteil „sehr zufrieden“, wie wir hören.

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