Weise Entscheidung oder Harakiri? Deutsche Banken verzichten auf Millionen Kundenkontakte über „Buy now, pay later“ (BNPL) – und das in einem Segment, das rasant wächst. Die Transaktion läuft über Klarna, PayPal oder einen anderen Zahlungsdienstleister, nicht über die Hausbank, die oft eine Sparkasse oder Volksbank ist. Für diese Häuser, die ohnehin Kunden verlieren, ist das keine Kleinigkeit.

Dass das Segment wächst, bemerkt auch die BaFin. Sie hat BNPL als Verbraucherrisiko klassifiziert, zu Recht: 14% der BNPL-Nutzer haben schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren, bei den unter 30-Jährigen sind es 24%. Und 29% der Ratenzahler hatten beim Kauf das nötige Geld nicht, zeigen neue Zahlen. Im vergangenen Jahr warnte bereits das damalige Schufa-Vorstandsmitglied Ole Schröder vor einem Anstieg der Schuldner durch BNPL.

Neue Regeln, neue Chancen  

Für Zahlungsdienstleister ist BNPL, eine Weiterentwicklung des klassischen Factoring-Geschäfts, vor allem dann lukrativ, wenn der Kunde in Verzug gerät. Ausfallquoten liegen bei seriösen Anbietern unter 0,5%, verdient wird aber vor allem dann, wenn Kunden nicht pünktlich zahlen, verrät uns der BNPL-Experte eines führenden Beratungshauses. Verzugszinsen von 15% sind keine Seltenheit, 20% kommen vor. Kein Wunder, so der Experte, dass „fast jeder Zahlungsdienstleister ein eigenes Inkassounternehmen unterhält“.

Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie könnte das Geschäft der Zahlungsdienstleister erschweren. Ab November 2026 müssen sie die Bonität ihrer Kunden auch bei Kleinkrediten prüfen, was Banken schon immer tun. Damit hätten die Banken nominell einen Vorteil, auch wenn sich Unzer, Klarna und Co. den neuen Regeln gewachsen sehen. Viele Banken zucken trotzdem mit den Schultern.

Das überrascht nicht: Vollautomatisierte Sofortentscheidungen, Bonitätsprüfung, Auszahlung in Echtzeit an Dritte – was für BNPL-Dienstleister technische Grundvoraussetzung ist, können viele Institute schlicht nicht, so der Experte. Er schiebt nach: „Die DKB könnte es, die Commerzbank nicht.“

Strategie oder Schutzreflex

Die DKB bestätigt das indirekt: „Aktuell bieten wir kein klassisches BNPL-Produkt an.“ Das sei eine bewusste strategische Entscheidung. Die Argumentation liegt auffällig auf BaFin-Linie: „BNPL-Modelle bergen aus unserer Sicht das Risiko, Konsumentscheidungen zu entkoppeln und Verschuldung weniger sichtbar zu machen.“ Dass sich der Verzicht auf fehlende technische Möglichkeiten gründet, verneint die Bank.

Die Sparda-Bank West hält ebenso Abstand: „Als Genossenschaftsbank ist es uns sehr wichtig, das Thema Liquidität mit unseren Kunden und Mitgliedern offen und transparent zu besprechen und das Angebot der TeamBank zur Verfügung zu stellen, sodass BNPL nicht mehr erforderlich ist.“ Die TeamBank, Konsumentenkreditarm der Genossenschaftlichen FinanzGruppe, bietet mit „easyCredit“ eine eigene Ratenkauf-Lösung an.

Sparda-West und DKB begrüßen die CCD2-Regulierung, ändern ihre Strategie aber nicht. Die Botschaft ist klar: Das Geschäft mit BNPL und die Diskussionen mit der BaFin überlassen sie lieber anderen.

Banken pochen aufs Girokonto und schauen zu

Was durchdacht wirkt, könnte sich langfristig als Fehlkalkulation erweisen. Kleinkredite unter 1.000 Euro wachsen stückzahlmäßig rasant, während das klassische Konsumentenkreditgeschäft stagniert, zeigen Schufa-Zahlen. Jede dieser Transaktionen ist ein Moment, in dem der Kunde nicht auf seine Bank schaut, sondern auf Klarna und Co. Das sind Millionen Kontaktpunkte, die Banken hergeben, während sie gleichzeitig händeringend nach Kunden suchen. Die Frage ist, ob sich das auf einem demografisch bedingt schrumpfenden Bankenmarkt rächt.