Deutsche Sparer kehren Einzelaktien den Rücken
Obwohl wieder mehr Menschen in Deutschland Einzelaktien besitzen, wurden zuletzt mehr Aktien von Privatpersonen verkauft als gekauft. Die langfristige Geldanlage hat einen schlechten Stand.

„Aktienanlage im Aufwind“, freut sich das Deutsche Aktieninstitut, eine Denkfabrik der kapitalmarktnahen Unternehmen in Deutschland. Rund 14,1 Mio. Menschen in Deutschland besitzen Aktien, das sind mehr als jemals zuvor, schätzt der Verein auf Grundlage einer Umfrage für das Jahr 2025. Dabei gebe es nicht nur mehr Fonds- und ETF-Sparer, die lediglich mittelbar Aktien besitzen, sondern auch wieder mehr Eigentümer von Einzelaktien, frohlockt das Aktieninstitut.

Doch neues Geld geben die Deutschen nur noch selten für börsennotierte Einzelaktien aus: Werden alle Käufe und Verkäufe gezählt, zogen sie im Schlussquartal 2025 insgesamt sogar 5,5 Mrd. Euro ab, wie neueste Zahlen der Bundesbank zeigen. Seit 2021 nimmt die Sparleistung in Einzelaktien kontinuierlich ab. Der letzte Abfluss in dieser Größenordnung liegt bereits mehr als ein Jahrzehnt zurück.
Weil aber die Aktienmärkte erneut gestiegen sind, wuchs das Vermögen an Einzelaktien trotzdem. Im Schlussquartal stieg das Volumen um annähernd 26 Mrd. Euro auf 640 Mrd. Euro.
Auch die Nachfrage nach Investmentfonds geht zurück, doch ist hier noch immer viel Geld unterwegs. Netto 18,2 Mrd. Euro flossen den Vehikeln im Schlussquartal 2025 zu, etwas weniger als in den Vorquartalen, aber immer noch ungefähr im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Nicht jeder Investmentfonds enthält allerdings Aktien.
Gewohnheiten sitzen tief
Insgesamt fallen die Deutschen wieder in alte Gewohnheiten: Cash is King. 48,8 Mrd. Euro wurden allein in die Kategorie der Sichteinlagen bewegt. Damit ist der Wert beinahe so hoch wie im Vorjahr sowie in der frühen Phase der Coronakrise im Jahr 2020. Auch Termingeld, nach der Zinswende zeitweilig ein Renner, zog mit 7,7 Mrd. Euro eine eher überschaubare Summe an. Die langfristige Geldanlage hat aktuell keinen guten Stand. Das ist ein schlechtes Signal für die Aktie.