Drei große Trends im Asset Management: The good, the bad and the ugly
Was verbindet die Branchentrends des Asset Management mit dem berühmten Italo-Western aus den 1960ern? Es ist nicht allein die Jagd nach dem Geld.

Abgesehen vom Dauerbrenner Regulierung und den neuesten Anlagethemen wie KI etc. gibt es im Asset Management vor allem drei große Trends. „The good, the bad and the ugly“, das sind: aktive ETFs und ELTIFs, Margendruck und die Abflüsse aus ESG-Strategien. Zugegeben, es ist etwas komplizierter als im Western, aber die Kategorisierung stimmt, zumindest aus Sicht der Branche.
Der Bösewicht der Geschichte ist der steigende Margendruck. Der Wettbewerb wird härter. Gründe dafür sind unter anderem der Aufstieg günstiger Produkte wie ETFs und stärkere Konkurrenten im Vertrieb wie Neobroker und Robo Advisor, die auf Provisionen teilweise gänzlich verzichten und die Preise durch günstige oder kostenlose Sparpläne drücken. Doch auch die Asset Manager selbst sind nicht ganz unschuldig, denn gerade die größten Marktteilnehmer versuchen über den Preiskampf ihre Marktanteile noch zu steigern. Aus Sicht der Anleger ist das freilich positiv.
Margendruck: Der berechenbare Bösewicht
Der Margendruck agiert dabei nicht als ein Bösewicht, der überraschend aus seinem dunklen Versteck springt. Er ist ein alter Bekannter der Branche. Schon zwischen 2019 und 2024 sind die Kosten mit durchschnittlich plus 11,4% schneller als die Erträge (plus 11,1%) gestiegen, wie aus der European Asset Management Study 2025 von zeb hervorgeht.
Zwischen 2023 und 2024 hat sich der Trend demnach kurz umgedreht. Während die Erträge um 14% zulegen konnten, sind die Kosten um lediglich 12% gewachsen. Das verwaltete Vermögen ist im gleichen Zeitraum jedoch sogar um 18% gestiegen. Die Asset Manager haben es also nicht geschafft, jeden zusätzlichen Euro auch in Erträge zu verwandeln, ein Signal für erodierende Margen. Solange steigende Märkte das verwaltete Vermögen stabil wachsen lassen, ist das noch nicht problematisch. Bärenmärkte werden allerdings zum Problem.
Bis 2029 hat zeb drei Szenarien entworfen. Kurz zusammengefasst: Asset Manager müssen es schaffen, den Anteil der Nettozuflüsse am verwalteten Vermögen zu erhöhen und ihre Kosten zu senken oder mindestens zu stabilisieren, um ihre Margen zu halten oder zu steigern. Ansonsten werden die Kosten schneller als die Erträge wachsen und damit die Margen drücken.
Die (Kopf-)Geldjäger der Branche: Aktive ETFs und ELTIFs
Und hier kommen die Helden der Geschichte ins Spiel. Aktive ETFs und ELTIFs sind zwei unterschiedliche Antworten der Branche auf Preisdruck und den Kampf um Anlegergelder. Und tatsächlich trifft das Angebot auf eine hohe Nachfrage oder erzeugt diese.
ELTIFs 2.0 sind nach ihrer Neuauflage 2024 das Versprechen der Anbieter, „Private Markets zu demokratisieren“. 2025 schlägt mit 82 neuen ELTIFs allein in den ersten drei Quartalen das bisherige Rekordjahr 2024 (55 aufgelegte ELTIFs). Das geht aus einer Studie von Scope zum europäischen ELTIF Markt hervor. Die Umfrageteilnehmer erwarten, dass sich dieser Trend noch verstärken wird. Rund ein Drittel der befragten Fondsgesellschaften, Behörden und Verbände erwartet, dass das verwaltete Vermögen bis 2027 um 50% steigen wird, mehr als ein Drittel der Teilnehmer erwartet eine Verdopplung und 20% erwarten sogar ein Plus von mehr als 150%.
Auch ETFs wachsen überproportional, während das Geschäft mit den klassischen Publikumsfonds schwächelt. Aktive ETFs legen dabei noch stärker als das breite ETF- und ETP-Segment zu. Während das verwaltete Vermögen der auf Xetra gehandelten ETFs und ETPs zwischen November 2024 und November 2025 von 1,7 auf 2,1 Bio. Euro gestiegen ist, ist das in aktiven ETFs verwaltete Vermögen unseren Berechnungen zufolge im gleichen Zeitraum von 42,2 Mrd. Euro auf 70,4 Mrd. Euro gestiegen. Ein Anstieg um mehr als zwei Drittel.
Überraschend „ugly“: ESG-Fonds
Doch auch hier zeigt sich laut zeb der Preiskampf: Um sich Marktanteile zu sichern, würden gerade die großen Anbieter aktive ETFs zu besonders geringen Gebühren auflegen, mit denen kleinere Anbieter kaum mithalten könnten. Aus Sicht der Branche „ugly“, aus Anlegerperspektive allerdings „good“.
Und dann sind da noch die hässlichen Abflüsse aus ESG-Fonds. Während dem BVI zufolge deutsche Anleger 2024 und in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 270 Mio. Euro aus Ökologie-Fonds und 591 Mio. Euro aus Erneuerbare Energien-Fonds abgezogen haben, konnten Aktienfonds der Kategorie Rohstoffe/Energiewerte dieses Jahr fast eine Mrd. Euro einsammeln. PLATOW hat berichtet.
Gelitten haben nachhaltige Fonds nicht nur unter ihrer unterdurchschnittlichen Performance, da sie die Aufschwünge der Rohstoffwerte und Rüstungstitel verpasst haben. Geschadet haben ihnen auch regulatorische Hürden, Greenwashing-Skandale und die Diskussion um die Aufnahme von Rüstungstiteln. Offen ist, ob sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird, oder ob die einst sauberen Fonds ihr gutes Image und das Anlegervertrauen zurückgewinnen können.