Klartext vom BVI: 90% aller Netto-Mittel fließen in ETFs
So detaillierte Einblicke gab es in den deutschen ETF-Markt noch nie. Sagt der BVI. Der hat Daten von Clearstream ausgewertet und jetzt Teil 1 einer Reihe von ETF-Studien präsentiert.

Wachstum trifft auf Stillstand. Während deutsche Anleger fleißig in ETFs investieren, schwächelt das Geschäft mit aktiven Publikumsfonds. Der deutsche ETF-Markt wuchs zwischen Juni 2023 und Juni 2025 um 309 Mrd. Euro auf 500 Mrd. Euro an. Das ist ein Plus von 62%. Klassische offene Publikumsfonds konnten im gleichen Zeitraum lediglich um 13% wachsen. Aus klassischen Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds zogen Anleger zwischen Juni 2023 und Juni 2025 sogar Gelder ab.
Diese Dramatik geht aus der ETF-Statistik des Fondsverbands BVI hervor. Grundlage der Publikation sind Clearstream-Daten, ergänzt um Daten von Bundesbank, EZB oder privater Anbieter wie Morningstar.
Es geht nicht mehr um Aktiv versus Passiv
Insgesamt macht das ETF-Vermögen demnach inzwischen rund ein Viertel des von deutschen Anlegern gehaltenen Publikumsfondsvermögens aus. Getrieben wird die Nachfrage nach wie vor von institutionellen Anlegern, doch sorgen zahlreiche ETF-Sparpläne für wachsende Zuflüsse von Privatanlegern. Nach Angaben von Blackrock investierten 10,5 Millionen Deutsche, das sind 40% der Anleger, im Frühjahr 2024 in ETFs.
Dazu passt, das 90% der Netto-Mittel, die zwischen Juni 2023 und Juni 2025 in Publikumsfonds flossen, in ETFs investiert wurden. Das entspricht einem Neugeschäft von 113,8 Mrd. Euro. Aktiv verwalteten, klassischen Publikumsfonds flossen in diesen zwei Jahren lediglich 14,8 Mrd. Euro zu. Das bekommt auch der Sparplanvertrieb von Anbietern wie Union Investment zu spüren. Aktive Fonds geraten allerdings nicht deshalb ins Hintertreffen, weil sie aktiv sind, sondern weil sie weniger transparent, teurer und weniger liquide sind. Das zeigt das rasante Wachstum aktiver ETFs.
Aktien-ETFs unangefochten vor Renten- und Geldmarkt-ETFs
Wer den ETF-Markt – ob nun aktiv oder passive Produkte – unter die Lupe nimmt, sieht, dass Aktien-ETFs mit einem Anteil von 82% den deutschen Markt dominieren. Steigende Aktienindizes und Mittelzuflüsse haben ihre Position in den vergangenen Jahren zusätzlich gestärkt.
Auf Platz zwei folgen Renten-ETFs mit einem Anteil von 14%. Dank der Zinswende haben auch Geldmarkt-ETFs zugelegt. Vor zwei Jahren lag das von ihnen verwaltete Vermögen noch bei 3 Mrd. Euro. Mitte 2025 ist es auf 18 Mrd. Euro angestiegen und macht damit rund 3% des ETF-Vermögens aus.
Wo der BVI noch Wachstumschancen für ETFs sieht
Die vom BVI erhobenen Zahlen erlauben Rückschlüsse auf den gesamten europäischen ETF-Markt. Denn EZB-Daten zufolge liegt Deutschlands Marktanteil bei 23% und damit auf dem ersten Platz. Und der hiesige Absatzmarkt könnte sogar noch größer sein, da Clearstream zwar einen Großteil, aber nicht alle Bestände deutscher Investoren erfasse.
Besonders großes Potenzial für den ETF-Absatz sieht der BVI an zwei Stellen: ETFs als Vehikel für aktive Strategien und ihr Einsatz in der Altersvorsorge.