ELTIFs 2.0.: Gelungene Starthilfe statt strengerer Regulatorik
ESMA und EU sind nicht gerade dafür bekannt, Investmentprodukten Leben durch neue Regeln einzuhauchen. ELTIFs sind die Ausnahme, wie unsere Auswertung zeigt.

„Eine neue Zeitrechnung“ titelte das Analysehaus Scope im Mai 2024, als es über den Markt für European Longterm Investment Funds (ELTIFs) und die Neuerungen rund um ELTIFs 2.0 berichtete. Schon damals zeichnete sich ab, dass die ELTIF-Verordnung, die nur wenige Monate zuvor in Kraft getreten war, den bis dahin ziemlich öden Markt beleben würde.
ELTIFs gibt es erst seit rund zehn Jahren. Die große Hoffnung, dass sie Gelder von Privatanlegern in Infrastrukturprojekte und private Märkte lenken würden, erfüllte sich zunächst nicht. Weder Anleger noch Emittenten zeigten Interesse. Zwischen 2017 und 2023 wurden insgesamt gerade einmal 33 Fonds aufgelegt, die in Deutschland aktuell vermarktet werden. Davon wurden neun Fonds erst 2023 aufgelegt. Das geht aus einer Auswertung des Registers der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) durch PLATOW hervor.
Erst mit der Novelle kam Schwung in den Markt. 2024 kamen 25 Fonds hinzu, 2025 waren es 40 Fonds und damit mehr als zwischen 2017 und 2023 insgesamt.
Hilfe aus Brüssel
Was war passiert? Stark vereinfacht: Die EU hat die Regeln und Vorgaben für Anleger und Emittenten gelockert. So entfiel unter anderem die bisherige Mindestanlagesumme von 10.000 Euro. Gleichzeitig wurden die Anlagevorschriften deutlich aufgeweicht.
Aus Vertriebssicht besonders bedeutend war die Abkehr von geschlossenen ELTIFs. Zwar gibt es noch immer geschlossene Produkte, doch in der Regel müssen Anleger die Fonds nicht mehr zwingend von Anfang bis Ende der Laufzeit halten.
Illiquide Märkte wie Private Equity und Infrastruktur werden durch ELTIFs 2.0 semi-liquide und damit wesentlich interessanter für Privatanleger. Auch wenn die Produkte durch Mindesthaltedauer, Fristen und prozentuale Deckelbeträge nur halboffen sind.
Fokus auf Privatanleger
Das schadet ihrer Beliebtheit bei Anbietern und Emittenten offenbar kaum. Erst gestern verkündete die Privatbank M.M. Warburg stolz, ihren Private Banking-Kunden in Kooperation mit BlackRock ab sofort „ausgewählte ELTIFs“ anbieten zu können.
Führende Häuser wie Amundi sprechen von der „Demokratisierung der Privatmärkte“ durch ELTIFs 2.0. Und unter anderem dank Trade Republic können Privatanleger schon ab einem Euro in Privatmärkte investieren.
Das spiegelt sich auch im ESMA-Register wider. Von den zwischen 2024 und 2025 aufgelegten ELTIFs (65) werden lediglich 12 ausschließlich an professionelle Anleger vertrieben. Zwischen 2017 und 2023 wurden noch acht von 33 ELTIFs ausschließlich an professionelle Investoren vertrieben.
Beliebtes Luxemburg
Auf der Liste der Anbieter stehen Amundi mit acht ELTIFs, BlackRock, Neuberger Berman und Waystone Company Management mit jeweils sechs Fonds sowie die Partners Group mit fünf Fonds auf den ersten Plätzen.
Mit Blick auf die Domizilländer zeigt sich eine klare Präferenz der Emittenten für den Finanzplatz Luxemburg aufgrund dessen regulatorischer Flexibilität und ausgeprägter Expertise in der Verwaltung und im grenzüberschreitenden Vertrieb von Investmentprodukten. 92 der in Deutschland vertriebenen ELTIFs wurden dort aufgelegt. Nur vier Emittenten haben sich für Frankreich entschieden. Jeweils ein ELTIF ist in den Niederlanden und Deutschland beheimatet.