Die Hamburger von Crypto Risk Metrics haben einen dicken Fisch an Land gezogen. Die Deutsche Börse bietet über ihren Marketplace künftig die Compliance-Lösungen des Spezialisten für Krypto-Regulierung an, wie wir erfahren haben. Damit erweitert die Deutsche Börse ihr Angebot für den Kryptomarkt um zwei zentrale Bausteine der EU-Kryptoverordnung Mica: die Whitepaper-Pflicht und das ESG-Reporting.

Beim ESG-Reporting müssen Emittenten offenlegen, welche Umweltauswirkungen ihre Kryptowerte haben – etwa wie viel Strom die Erzeugung oder die Absicherung des Netzwerks verbraucht.

Die Whitepaper-Pflicht ist vergleichbar mit dem Wertpapierprospekt, nur für Kryptowerte. Viele Unternehmen tun sich noch schwer, die Whitepaper-Pflicht einzuhalten, erklärt Johannes Wirtz, Partner bei Bird & Bird: „Gemäß Mica müssen sowohl Anbieter als auch Handelsplattformen Mica konforme Whitepaper für alle Kryptowerte bereitstellen, die nach dem 30.12.2024 das erste Mal angeboten bzw. gelistet werden.“ Hintergrund sei Anlegerschutz, so Wirtz: Ohne Mica -Whitepaper habe der Kunde keine zentrale Möglichkeit, sich zutreffend über den Kryptowert zu informieren, in den er investieren will. Doch genau das sei der Sinn der Regelung.

Wie ernst die Aufsicht das Prinzip nimmt, zeigt der Fall Bitpanda: Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA verhängte am 14. August 2026 eine Strafe von 70.000 Euro, unter anderem, weil ein Whitepaper nicht fristgerecht eingereicht wurde.

Ein Marktplatz für Compliance

Crypto Risk Metrics verspricht sich von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse vor allem mehr Reichweite. „Die Aufnahme in den Deutsche Börse-Marketplace ermöglicht es, unsere Lösungen einem noch breiteren Kundenkreis von Institutionen anzubieten“, sagt Tim Zölitz, CEO von Crypto Risk Metrics. Zu den Kunden der Hamburger zählen nach PLATOW-Recherche unter anderem Clearstream, Coinbase, Kraken, die DEKA und die genossenschaftliche Finanzgruppe. Insgesamt gehören zum Kundenkreis von Crypto Risk Metrics  mehr als 130 Mica-regulierte Krypto-Dienstleister in 24 Ländern.

„Nach dem ursprünglichen Markteintritt mit ESG-Daten konnten wir uns im Laufe der Zeit zu einem immer umfassenderen Anbieter von Compliance-Infrastruktur für Kryptowerte sowie sonstige digitale Assets entwickeln“, erklärt Zölitz. Der Fokus liege auf spezialisierten Produkten mit echtem Kundennutzen, die zugleich hohen Compliance-Anforderungen genügten. Erst kürzlich habe Crypto Risk Metrics sein System zur bestmöglichen Handelsausführung erweitert, um den gestiegenen Anforderungen durch Mica gerecht zu werden. Am bestehenden Produktangebot werde weiter gearbeitet, versichert Zölitz.

Für die Deutsche Börse ist die Partnerschaft Teil einer größeren Strategie: Ihr Marketplace soll sich als zentrale Anlaufstelle für Finanzdienstleister etablieren, die spezialisierte Compliance-Infrastruktur suchen, ohne selbst mit Dutzenden Anbietern zu verhandeln. „Mit der Zusammenarbeit machen wir regulatorische Compliance im Rahmen von Mica für Unternehmen, die Krypto-Assets anbieten, einfacher“, sagt Alireza Dorfard, Head of Market Data + Services bei der Deutschen Börse Group. Mit wachsender Zahl seriöser Marktteilnehmer steige die Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur.

Keine Schonfrist mehr

Der Regulierungsdruck wächst: Seit Ablauf der Übergangsfrist am 1. Juli 2026 dürfen Krypto-Anbieter ohne Zulassung ihre Dienste in der EU nicht mehr uneingeschränkt anbieten. Die Kryptobörse Binance hat deshalb bereits Angebote in Frankreich und Spanien eingeschränkt. Über die Durchsetzung wachen ESMA und die nationalen Aufsichtsbehörden.

Das sorgt bei seriösen Anbietern für mehr Sorgfalt und damit für mehr Nachfrage bei Crypto Risk Metrics. „Die Umsetzung ist aktuell noch an der ein oder anderen Stelle schleppend“, kommentiert Zölitz. Eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bestätigt das: Fast 1,5 Jahre nach Inkrafttreten der Mica veröffentlichten im April 2026 lediglich 54% der verpflichteten Unternehmen ihre ESG-Daten.

Für Zölitz zählt etwas anderes: „Wir stecken unsere Energie weniger in die Hochrechnung von Szenarien, als vielmehr in unsere Produkte. Bei guten Produkten und verlässlicher Performance stellt sich der Erfolg von selbst ein.“