Kapitalrente – Jetzt die rentenpolitische Zukunft beginnen
Die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung gehört zu den wichtigsten Reformvorhaben in dieser Legislaturperiode. Mit der Kapitalrente kann Deutschland die Altersvorsorge um einen starken zweiten Motor ergänzen: eine langfristige Kapitalanlage, von der Millionen Beitragszahlende profitieren. Entscheidend ist, dass dieses Vermögen professionell, kosteneffizient und unabhängig von tagespolitischen Interessen verwaltet wird. Die dafür notwendige Kompetenz und Infrastruktur müssen nicht erst geschaffen werden. Der Kenfo bringt beides bereits mit.

Im Juni 2026 hat die 13-köpfige Kommission aus Rentenexperten und Politikern einen Reformplan mit insgesamt 33 Vorschlägen vorgelegt. Mit Blick auf die Komplexität der Themen und unterschiedlichen Sichtweisen war es eine großartige Leistung, so schnell diese mutigen und durchdachten Ergebnisse vorzulegen. Die Vorschläge bauen aufeinander auf und die Bundesregierung will sie ohne Abstriche umsetzen.
Das Gremium hat vorgeschlagen, was längst überfällig ist: eine individualisierte Kapitaldeckung in der ersten Säule der Altersvorsorge. Durch die Kapitalrente würden Millionen Deutsche erstmals an den langfristigen Erträgen der globalen Kapitalmärkte beteiligt werden. Insbesondere für junge Beitragszahlende wäre das ein Gamechanger, weil sie von einer langen Ansparphase profitieren. Denn bei kapitalgedeckter Vorsorge ist Zeit der entscheidende Faktor: Jedes zusätzliche Jahr der Kapitalanlage ist durch den Zinseszinseffekt ein Booster für die späteren Rentenleistungen.
Andere EU-Staaten wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande machen seit Jahren erfolgreich vor, dass eine teilweise kapitalgedeckte Altersversorgung in Zeiten des demografischen Wandels hilft, das umlagefinanzierte Rentensystem spürbar zu stabilisieren.
Was eine öffentliche Kapitalanlage leisten muss
Der Kenfo wurde 2017 mit einem Kapital von insgesamt 24,1 Mrd. Euro gegründet. Er ist die größte öffentlich-rechtliche Stiftung in Deutschland. Seine Aufgabe ist es, eine langfristige Verpflichtung des Bundes zuverlässig kapitalgedeckt sicherzustellen: die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle. Dafür hat der Kenfo eine leistungsfähige Investmentplattform aufgebaut, die auch für weitere staatliche Verpflichtungen effizient genutzt werden kann. Um die erforderlichen Wertsteigerungen zu erzielen, wurde eine auf den Stiftungszweck zugeschnittene Anlagestrategie entwickelt. Entscheidend für den Erfolg sind ein hochqualifiziertes Team, eine langfristige und global diversifizierte Anlagestrategie, unabhängige und verantwortungsvolle Investmententscheidungen sowie leistungsfähige Analyse-,
Risiko- und Governance-Strukturen.
Neben Aktien und Anleihen wird auch in nicht-börsennotierte Anlagen wie Infrastruktur und Mittelstandsbeteiligungen investiert. In Expertise und Struktur ist der Kenfo mit Staats- und Pensionsfonds anderer Länder wie dem schwedischen AP7 vergleichbar. Der Fokus liegt allein auf der Kapitalanlage.
Professionelle Plattform für die Kapitalrente
Der Kenfo erfüllt damit genau den hohen Anspruch an die Kapitalanlage, den auch die Kapitalrente stellen muss. Mit einer überzeugenden Performance konnten wir den Nachweis bringen: Der Staat kann erfolgreich Geld anlegen! Genau dieser Anspruch an Prozess, Kompetenz und Ergebnisse muss für die Umsetzung der Kapitalrente gelten. Auch passive Portfolios in der Größenordnung der Kapitalrente kann man nicht einfach laufen lassen; sie erfordern eine professionelle Steuerung, ein konsequentes Risikomanagement, regelmäßiges Rebalancing und belastbare operative Prozesse.
Im Gegensatz zum Kenfo-Portfolio können Aktien und aktiennahe Anlagen bei der Kapitalrente bis zu 100 % betragen. Ab einem Alter von 55 Jahren soll der Aktienanteil im Rahmen eines Lebenszyklusmodells schrittweise zugunsten schwankungsärmerer Anlagen reduziert werden. Der Rechtsrahmen muss so ausgestaltet sein, dass weder Tagespolitik noch politische Akteure direkten Einfluss auf die Investmententscheidungen nehmen können.
Sollte der Staat überhaupt als Anbieter auftreten?
Für eine obligatorische Kapitalrente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung mit Wahlmöglichkeiten braucht es ein staatlich organisiertes Standardangebot für alle Versicherten, die keine eigene Anlageentscheidung treffen wollen oder können – nach dem Vorbild Schwedens. Auf Empfehlung der Rentenkommission kann der Zusatzbeitrag zur Rente auf zwei Wegen angespart werden: entweder in einem staatlichen Fonds nach Art des schwedischen Staatsfonds AP7 oder in lizenzierten privaten Fonds. Die Beitragszahlenden haben einen Anspruch darauf, dass ihre Gelder bestmöglich verwaltet werden. Dafür braucht es eine wirksame Kontrolle und Transparenz bei Performance, Kosten und Entscheidungen. Die Konkurrenz zwischen öffentlichem Angebot und privaten Anbietern ist gleichzeitig für beide ein Korrektiv und gut für die Beitragszahlenden.
Dabei geht es nicht darum, private Expertise oder Produkte zu verdrängen, sondern einen öffentlichen Vorsorgeauftrag treuhänderisch zu organisieren. Ein öffentlich-rechtlicher Verwalter kann allen Versicherten Zugang zu einer renditestarken und kostengünstigen Anlage eröffnen – unabhängig von Einkommen, Finanzwissen oder Vertriebsinteressen. Der Staat vergibt den Auftrag und definiert die Rechenschaftspflichten, eine unabhängige staatliche Institution organisiert verantwortlich den Prozess und vergibt Asset Management-Mandate an private Anbieter, die zueinander im Wettbewerb stehen. Private Unternehmen sind bei der Kapitalrente wichtige Partner. Genauso macht es auch das Vorbild AP7 in Schweden.
Wie gut ein System ist, zeigt sich vor allem in Krisen: Die für die Kapitalrente zuständige Institution muss auch bei Negativschlagzeilen Ruhe bewahren, Kurs halten und proaktiv für Transparenz sorgen.
Attraktive Rendite und Kosteneffizienz
Ein großer öffentlicher Anleger hat keinen Vertrieb und keine Verkaufsprovisionen. Mandate an spezialisierte Asset Management-Gesellschaften werden wettbewerblich vergeben, Fixkosten auf ein großes Volumen verteilt. Jeder eingesparte Basispunkt zahlt auf die Altersvorsorge der Versicherten ein. Gleichzeitig müssen diese Kosten maximal transparent gemacht werden, um keine Wettbewerbsverzerrung zu produzieren und größtmögliches Vertrauen der künftigen Rentnerinnen
und Rentner zu schaffen.
Dass eine öffentlich-rechtliche Struktur leistungsfähig investieren kann, hat der
Kenfo bewiesen. Seit 2019, als der Kenfo erstmals in allen Assetklassen investiert war, hat er eine Rendite von 6,1 % p. a. erzielt. Diese Rendite wurde mit einem relativ defensiven Portfolio erwirtschaftet. Der eher konservative Ansatz des Kenfo ergibt sich aus seinen besonderen Herausforderungen: Es gab nur eine einmalige Einzahlung zu Beginn, aus der jährlich hohe Auszahlungen für die kerntechnische Entsorgung erwirtschaftet werden müssen – und zwar bis Ende des Jahrhunderts. Seit seiner Gründung hat der Kenfo 5,3 Mrd. Euro für seinen gesetzlichen Zweck an die Bundesregierung ausgezahlt.
Mit seinem Aktienportfolio hat der Kenfo seit 2019 bis zum 30.06.2026 eine durchschnittliche Rendite von 12,5 % p. a. erzielt. Das zeigt, dass das Renditeziel der Rentenkommission für die Kapitalrente – rd. 4 % p. a. nach Inflation – machbar ist. Auch Staats- und große Pensionsfonds anderer Länder haben bewiesen, dass ein solches Renditeziel langfristig realistisch ist.
Bei der Kapitalrente geht es um Generationenfairness und die Beteiligung vieler Menschen an der globalen Wertschöpfung. Wichtig ist, dass diese zügig umgesetzt wird. Die dafür notwendige Investmentplattform muss nicht neu erfunden werden. Mit seiner bestehenden Organisation, seinen etablierten Prozessen und seiner Erfahrung als langfristiger öffentlicher Kapitalanleger ist der Kenfo bereit, Verantwortung zu übernehmen. ■
*Anja Mikus hat den Kenfo seit 2017 gemeinsam mit ihrem Team als professionellen deutschen Staatsfonds aufgebaut. Als Vorstandsvorsitzende und Chief Investment Officer verantwortet sie heute u. a. dessen Kapitalanlage. Die Diplom-Kauffrau blickt auf fast 40 Jahre Investmenterfahrung zurück – bei Allianz, Union Investment und Arabesque Asset Management sowie im Aufsichtsrat der Commerzbank.
Die Institution
Der Kenfo wurde 2017 gegründet, um die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle langfristig sicherzustellen. Als größte öffentlich-rechtliche Stiftung Deutschlands investiert er sein Vermögen weltweit nach professionellen Kapitalmarktstandards. Klare Verantwortlichkeiten, ein langfristiger, offener Anlagehorizont bis zum Ende des Jahrhunderts und unabhängige Kontrollgremien bilden die Grundlage seiner Arbeit.
Bisher erschienen:
Privater Wettbewerb statt staatlicher Konkurrenz