BayWa – Aufsichtsrat muss nochmal nachsitzen
Auch im zweiten Anlauf konnte sich der BayWa-AR nicht zu einem Beschluss über die Demission von Vorstandschef Frank Hiller durchringen. Am Freitag tagte das Gremium erneut.

Die Entscheidungsfindung im genossenschaftlichen Sektor ist oft mühsam, langwierig und manchmal auch für eine Überraschung gut. Davon kann auch BayWa-Oberaufseher Gregor Scheller ein Lied singen. Der ehemalige Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern und frühere Vorstandschef der VR Bank Bamberg-Forchheim soll bei besonders wichtigen und kniffligen Entscheidungen auf ein Drei-Zyklus-Modell setzen. Demnach benötige eine gute Entscheidung genau drei Gremiensitzungen, um zu reifen.
Wenn es um die Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie geht, mag ein solcher Ansatz sicher sinnvoll sein. Die vom BayWa-Aufsichtsrat seit nunmehr einer Woche zelebrierte Hängepartie um die Ablösung von Vorstandschef Frank Hiller, der erst seit Anfang März 2025 amtiert, wächst sich jedoch zunehmend zu einer unwürdigen Posse aus, die an der Professionalität des Gremiums zweifeln lässt.
Dritter Anlauf zur Ablösung von Hiller
Auch im zweiten Anlauf am vergangenen Donnerstag konnte der Aufsichtsrat noch immer keinen Vollzug melden. Deshalb vertagte sich das Kontrollgremium auf Freitag (9.1.), 16 Uhr, um einen dritten Anlauf zur Demission Hillers zu nehmen. In der erneuten Sondersitzung bestätigte der Aufsichtsrat weitgehend das von von uns vorab skizzierten Ergebnis. Anders als zunächst erwartet, muss Hiller nun doch nicht sofort seinen Hut nehmen, sondern darf „in beiderseitigem Einvernehmen“ noch zum 31. Juli 2026 im Vorstand bleiben. Seinen Posten als Vorstandschefs muss er aber mit sofortiger Wirkung räumen. Dass Hiller sein Vorstandsmandat tatsächlich bis zum Sommer aktiv ausübt, dürfte aber eher unwahrscheinlich sein. Bei der Regelung dürfte es sich wohl um ein Art verkappte Abfindung handeln. Begründet wird die Trennung mit unterschiedlichen Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie des Unternehmens.
Nach Hillers Ausscheiden sollen seine Aufgaben auf die verbleibenden Vorstände verteilt werden. Sanierungsvorstand Michael Baur übernimmt Strategie, Recht sowie die Geschäftsbereiche Baustoffe und Technik. Finanzvorstand Matthias Rapp verantwortet zukünftig auch die Bereiche Compliance, Revision und Investor Relations und Marlen Wienert übernimmt zusätzlich das Personalressort sowie den Bereich Nachhaltigkeit.
Für den ohnehin in der Kritik stehenden Aufsichtsrat ist die verkrampfte Zeitlupen-Entlassung des BayWa-Chefs jedenfalls kein Ruhmesblatt. Dem Gremium gehören immer noch mehrere Mitglieder an, die den auf Pump finanzierten Expansionskurs des damaligen Vorstandschefs Klaus Lutz mitgetragen haben, der dem Unternehmen fast das Genick gebrochen hat. Scheller wäre denn auch gut beraten, das Gremium zur nächsten HV personell neu aufzustellen und zu professionalisieren, um die BayWa endlich wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Denn auch nach der Schrumpfkur wird die BayWa ein zentraler Dienstleister für die Landwirtschaft in Süddeutschland bleiben.