Berenberg – Riehmer begräbt Offensive im Asset Management
2020 kündigte Berenberg-Partner Hendrik Riehmer eine aggressive Wachstumsoffensive im Wealth und Asset Management an. Jetzt droht dem Bereich ein Job-Kahlschlag.

Wenig besinnlich dürften die Weihnachtsfeiertage in diesem Jahr für die Berenberg-Mitarbeiter werden. Nach dem großen Knall mit dem nicht ganz freiwilligen Abgang von Klaus Naeve und der Zusammenlegung seines Bereichs Wealth and Asset Management mit dem Corporate Banking, hat Turbo-Aufsteiger Frederik Gottlob bereits damit begonnen, im Auftrag von Berenberg-Partner Hendrik Riehmer sein neues Reich gleich schon wieder einzudampfen. Das soll nach unseren Informationen deutlich weiter gehen, als bisher bekannt war. Damit begräbt Riehmer, persönlich haftender Gesellschafter der Bank, zugleich seine 2020 vollmundig angekündigte Wachstumsoffensive im Wealth und Asset Management, die nun krachend gescheitert ist.
Schrittweise sollen nach unseren Informationen insgesamt bis zu 70 Stellen vor allem in der Problem-Sparte Asset Management wegfallen. Anfangs soll sogar von einem Abbau von bis zu 100 Jobs die Rede gewesen sein. Die Bank wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.
Bis zu 70 Stellen sollen wegfallen
Die erste Kündigungswelle soll bereits abgeschlossen sein. Demnach wurden 21 Stellen vorwiegend im Vertrieb von Wholesale Deutschland, International Sales und dem Institutionellen Geschäft gestrichen. Auch im Marketing soll die Hälfte der Arbeitsplätze weggefallen sein. Die nächste Welle mit bis zu 30 Kündigungen wird Anfang Januar erwartet. Nach dem Kahlschlag im Vertrieb soll es dann das Aktiengeschäft, Multi Asset und Fixed Income treffen.
Unklar bleibt dabei, wie es mit den von Berenberg gemanagten Fonds weitergehen soll, da wohl auch Fondsmanager ihren Job verlieren sollen. Die ungewöhnliche Salamitaktik beim Stellenabbau, die noch geraume Zeit für erhebliche Unruhe bei Berenberg sorgen dürfte, soll angeblich einen arbeitsrechtlichen Hintergrund haben.
Asset Management schreibt rote Zahlen
Nicht überraschend ist, dass sich der Stellenabbau vor allem auf das Asset Management konzentriert. Die Sparte gilt als Sorgenkind von Berenberg und kämpft mit einer schwachen Fondsperformance. Nach unseren Informationen soll der Bereich Wealth and Asset Management im laufenden Jahr 30 Mio. bis 35 Mio. Euro Verlust machen. Darin enthalten sind allerdings auch ein Großteil der Kosten für den Umzug in die neue Berenberg-Zentrale sowie Investitionen in die IT und das Sales-Team. Auch dazu wollte sich die Bank nicht äußern.
Im „Handelsblatt“ hatte Riehmer 2020 angekündigt, das in der Wealth Management-Sparte verwaltet Vermögen von damals knapp 10 Mrd. Euro innerhalb von drei bis fünf Jahren auf 20 Mrd. Euro zu verdoppeln. Im Asset Management sollte das verwaltete Vermögen sogar von 4,5 Mrd. Euro auf 15 Mrd. bis 20 Mrd. Euro wachsen. „Diese Ziele mögen aggressiv klingen, aber wir haben viel in die beiden Plattformen investiert – und diese Investitionen werden sich auch auszahlen“, ließ sich Riehmer zitieren.
Einsparungen auch im Wealth Management?
Vergleicht man das für die Gesamtbank für 2024 ausgewiesene – Spartenzahlen werden von Berenberg nicht publiziert – verwaltete Vermögen von 39 Mrd. Euro, das im Wesentlichen auf das Wealth und Asset Management entfallen dürfte, mit dem Niveau von 2020 mit 41,3 Mrd. Euro, ist Riehmers Wealth und Asset Management-Offensive verpufft. Inwieweit neben dem Asset Management auch das Wealth Management von Einsparungen betroffen sein wird, bleibt abzuwarten.