Brisante Doppelrolle des Ex-Donner-Chefs
Ein ungewöhnliches Geschäft kommt die Privatbank Donner & Reuschel teuer zu stehen. Dabei werfen weitere Details neue Fragen auf.

Als Marcus Vitt im September 2024 die Privatbank Donner & Reuschel nach 22 Jahren und neun Monaten als Vorstandschef abrupt verließ, warf das Fragen auf. Offiziell hieß es, der damals zu den dienstältesten Vorstandschefs im Private Banking zählende Manager habe selbst darum gebeten, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Doch die Darstellung klang lückenhaft. Neue Recherchen von Finanz-Szene liefern dafür weitere Anhaltspunkte. Sie legen nahe, dass Vitts Abgang mit einem verhängnisvollen Deal zusammenhängen könnte. PLATOW hat dazu weitere Details ermittelt.
Im September 2022 hatte Donner & Reuschel eine Kapitalerhöhung der Münchner Domicil Real Estate AG über 15 Mio. Euro begleitet. Das Pikante: Die nicht-börsennotierten Aktien vermittelte die Bank nicht an externe Investoren, sondern platzierte sie direkt im hauseigenen Fonds „D&R Aktien V“.
Vitt bestätigt: „Ja, ich war im Kundenbeirat“
Laut Finanzszene wendete Donner & Reuschel 2024 insgesamt 16 Mio. Euro auf für den „Erwerb von Aktien zur Risikoabschirmung von Kunden und die in diesem Kontext vorgesehenen weiteren Kulanzzahlungen an Kunden“. Mit diesem Geld wurden Kunden des Fonds „D&R Aktien V“ entschädigt. Nach Informationen von PLATOW saß der frühere Vorstandschef Vitt selbst im Kundenbeirat von Domicil Real Estate, was dieser auf Anfrage bestätigt. „Ja, einige Zeit war ich im Kundenbeirat,“ schreibt uns Vitt. Er gehörte dem Gremium demnach ab 2020 bis zu dessen Auflösung an. Es sei üblich, dass Bankmanager und Mitarbeiter in Beiräten das Unternehmen beraten. Er habe mehrere Mandate gehabt. Einen Zusammenhang zwischen der Domicil-Transaktion und seinem Abgang bestreitet Vitt.
„Kein wirtschaftlicher Schaden“ für Fondsbesitzer
Donner & Reuschel erklärt uns: „Durch die Zahlung [der 16 Mio. Euro] hat kein Besitzer von Fondsanteilen einen wirtschaftlichen Schaden.“ Und: „Die Aktien [der Domicil Real Estate AG] wurden nach Erwerb im Anlagevermögen bilanziert und im Jahresabschluss 2024 auf Marktwert abgeschrieben, was das Ergebnis der Bank belastet hat.“ Aufsicht und Abschlussprüfer seien über das Vorgehen vorab informiert gewesen. Zum Abgang von Marcus Vitt hält das Institut an der Darstellung fest, dass dieser sein „Mandat aus persönlichen Gründen niedergelegt“ und die Geschäfte „geordnet an Herrn Schmidt übergeben“ habe. Wir bleiben an dem Thema dran. So viel vorab: Am Freitag veröffentlicht PLATOW ein ausführliches Gespräch mit dem aktuellen Chef von Donner & Reuschel, Horst Schmidt. Darin geht es unter anderem um die strategische Neuausrichtung der Bank seit seinem Amtsantritt.