Commerzbank – Orlopp kontert Orcels Feuerwerk
Die Commerzbank hat vorab starke Zahlen für 2025 präsentiert und einen weiteren Aktienrückkauf angekündigt. Zugleich muss sie aber den überraschenden Abschied eines Vorstands verkraften.

Der Gegenschlag soll von langer Hand geplant gewesen sein. Nur einen Tag nach der gewohnt breitbeinigen Bilanz-Show von Unicredit-Chef Andrea Orcel (10,6 Mrd. Euro Nettogewinn, 30 Mrd. Euro Gesamtausschüttung in den nächsten drei Jahren) präsentiert die Commerzbank erste Vorab-Zahlen für 2025 und kündigt einen weiteren Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 540 Mio. Euro an. Mit den vorzeitigen Ergebniszahlen wollte die Commerzbank zwar vor allem der Aktienrückkauf-Ankündigung eine eigene Bühne verschaffen, damit diese am Mittwoch (11.2.) nicht im allgemeinen Zahlenwust der Bilanz-PK untergeht. Dennoch passte das Timing der AR-Sitzung am Dienstag bestens, um Orcels starkem Zahlenwerk, zu dem auch die Commmerzbank-Beteiligung (26%) beigetragen hat, umgehend eine eigene Duftmarke entgegenzusetzen.
Mit einem Nettogewinn von 2,63 Mrd. Euro übertriff Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nicht nur ihr Gewinnziel von rund 2,5 Mrd. Euro und den Analysten-Konsens von 2,54 Mrd. Euro, sondern erreicht auch fast den Vorjahreswert von 2,68 Mrd. Euro. Und das trotz der Restrukturierungskosten für den angekündigten Personalabbau, wie die Commerzbank erkennbar stolz feststellt. Nach den ersten neun Monaten bezifferte das Institut die Restrukturierungskosten mit 553 Mio. Euro. Bereinigt um diesen Sondereffekt, hätte die Commerzbank mit 3 Mrd. Euro einen Rekordgewinn erzielt.
Dividende steigt auf 1,10 Euro
Zudem wollen die Frankfurter der HV am 20.5. eine deutlich erhöhte Dividende von 1,10 Euro je Aktie für 2025 nach 0,65 Euro im Vorjahr vorschlagen. Einschließlich des aktuell angekündigten und des bereits im Dezember abgeschlossenen Rückkaufs im Volumen von 1 Mrd. Euro summieren sich die Kapitalrückgaben auf insgesamt 2,7 Mrd. Euro. Das neue Rückkaufprogramm soll am 12.2. starten und spätestens bis zum 26.3. abgeschlossen sein. Die erworbenen Aktien sollen zu einem „späteren Zeitpunkt“ eingezogen werden, wahrscheinlich nach der HV.
Damit vermeidet es Orlopp, dass sich der Unicredit-Anteil noch vor der HV rechnerisch erhöht. Die Commerzbank dürfte das Rückkaufvolumen jedoch genau abgezirkelt haben, um ein Überschreiten der 30%-Schwelle, die ein Übernahmeangebot auslösen würde, zu verhindern. Im vergangenen Jahr hatten sich die Italiener gar nicht erst zur HV angemeldet, um sich elegant der Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu entziehen. Als nunmehr größter Commerzbank-Aktionär dürfte es für Unicredit diesmal schwierig sein, sich abermals zu verstecken. Es dürfte somit interessant werden, wie Unicredit bei der Entlastung abstimmen wird. Wir tippen auf „Enthaltung“. Wahlen zum Aufsichtsrat stehen übrigens regulär erst im nächsten Jahr auf der Tagesordnung.
Risikovorstand Spalt geht
Fast etwas untergegangen ist im Wirbel um die Vorab-Zahlen, dass die Commerzbank ihren erst seit Anfang 2024 amtierenden Risikovorstand Bernd Spalt verliert. Spalt wird zwar seinen nach bis Ende 2026 laufenden Vertrag erfüllen, verzichtet aber auf die angebotene Verlängerung. Wie AR-Chef Jens Weidmann in seinem Statement durchblicken ließ, will der ehemalige Vorstandschef der österreichischen Erste Group nach seinem Ausscheiden aus der Commerzbank aus familiären Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlagern. Den Nachfolgeprozess hat der Aufsichtsrat bereits gestartet.