Commerzbank – Orlopp wird erstmals Opfer ihres Erfolgs
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat im dritten Quartal geliefert, was sie versprochen hat. Trotzdem reagiert die Börse verschnupft. Das liegt nicht nur am gesunkenen Nettogewinn.

Mit dieser Börsenreaktion hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nicht gerechnet. Um mehr als 4% knickte der Aktienkurs nach der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal in der Spitze ein. Die Commerzbank habe die Gewinnerwartungen verfehlt, hieß es zur Begründung. Dabei gelang es der Commerzbank, die Analystenschätzungen bei den wesentlichen Erfolgskennziffern fast punktgenau zu treffen, mit allerdings einer gewichtigen Ausnahme.
Statt des vom Analysten-Konsens erwarteten Gewinnanstiegs auf 659 Mio. Euro sank der Konzernüberschuss um fast 8% auf 591 Mio. Euro. Ein Dämpfer, den CFO Carsten Schmitt mit einem Steuereffekt erklärt. Die von der Bundesregierung beschlossene schrittweise Absenkung des Körperschaftsteuersatzes habe zu einer Neubewertung der latenten Steueransprüche der Commerzbank geführt und die Steuerquote von 22 auf 36% nach oben getrieben. Diesen Einmaleffekt haben die Analysten offensichtlich unterschätzt.
Orlopps Dilemma
„Wir schauen ganz anders auf die Zahlen“, versuchte Orlopp den Blick auf die positiven Aspekte des Zahlenwerks zu lenken. Trotz des Gewinnrückgangs im dritten Quartal bekräftigte Orlopp ihre Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2025 von 2,5 Mrd. Euro. Der Zinsüberschuss blieb trotz weiter gesunkener Leitzinsen mit gut 2 Mrd. Euro (-0,2%) fast konstant. Für das Gesamtjahr hebt die Commerzbank deshalb ihren Ausblick für den Zinsüberschuss um 200 Mio. Euro auf nunmehr 8,2 Mrd. Euro an. 2026 soll der Zinsüberschuss weiter auf 8,4 Mrd. Euro steigen. Der Provisionsüberschuss verbesserte sich in den ersten drei Quartalen um 7,7% auf 3 Mrd. Euro und bei der Risikovorsorge erwartet die Commerzbank nun, unter der bisherigen Prognose von 850 Mio. Euro zu landen.
Die Commerzbank habe geliefert, was sie versprochen habe, so Orlopp. Doch genau das scheint ihr Dilemma zu sein, das der Analysten-Kommentar der Deutschen Bank am besten auf den Punkt brachte: „Angesichts der zuletzt starken Erfolgsbilanz und der zunehmend hohen Messlatte, präsentierte die Commerzbank für das dritte Quartal durchwachsene Zahlen.“ Um Unicredit-Chef Andrea Orcel eine Übernahme so schwer wie möglich zu machen, sah sich Orlopp genötigt, mit ihrer ehrgeizigen „Momentum“-Strategie das Maximum aus der Commerzbank herauszupressen und die Investoren mit stetigen Aktienrückkäufen und hohen Dividenden (100% Ausschüttungsquote) bei der Stange zu halten.
Investoren sind anspruchsvoller geworden
Bis zum Sommer ist Orlopp das auch bestens gelungen. Doch seither hat sie kaum noch etwas in der Hinterhand, um nachlegen zu können. Das zeigt sich auch im Aktienkurs. Erstmals in ihrer Amtszeit als CEO konnte Orlopp mit den Q3-Zahlen nicht für eine positive Überraschung sorgen. Zugleich sind die Ansprüche der Investoren gestiegen, die sich mit dem Erreichen der ausgegebenen Ziele nicht mehr zufriedengeben. Da half auch das in Aussicht gestellte nächste Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 600 Mio. Euro, das im ersten Quartal 2026 starten soll, nur wenig. Der von Orlopp für 2026 erwartete Ertragsschub hängt jedoch maßgeblich von zwei Faktoren ab, die die Commerzbank kaum beeinflussen kann, dem Anspringen der deutschen Konjunktur und konstanten Leitzinsen.