Commerzbank – Rückendeckung von Merz vor Fernduell Orlopp-Orcel
In einem Brief an den Commerzbank-Betriebsrat positioniert sich Kanzler Friedrich Merz deutlich gegen eine Übernahme durch Unicredit. Schon an diesem Mittwoch könnte der Unicredit-Chef reagieren.

Das Timing für den PR-Coup des Commerzbank-Betriebsrats war offensichtlich mit Bedacht gewählt, wurde aber vom tragischen Tod von Kommunikationschef Philipp Encz (51) überschattet, der am Pfingstmontag plötzlich und unerwartet verstorben ist. Einen Tag vor dem Auftritt von Unicredit-Chef Andrea Orcel auf der „European Financials Conference“ von Goldman Sachs in Berlin am Mittwoch (11.6.) publizierte Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel auf Linkedin einen Brief von Kanzler Friedrich Merz an die Arbeitnehmerverteter.
Mit Schreiben vom 26.5. stellt sich Merz in einer von ihm selbst bislang noch nicht gehörten Deutlichkeit an die Seite der um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Commerzbank. Er teile die Ansicht von Finanzminister Lars Klingbeil, schreibt Merz, dass ein „unabgestimmtes und unfreundliches Vorgehen wie das der Unicredit Group nicht akzeptabel ist“. Weiter heißt es: „Wie bereits mehrfach – auch öffentlich – betont, setzt die Bundesregierung auf eine starke und eigenständige Commerzbank.“ Zudem versichert Merz dem Betriebsrat, dass die Bundesregierung wie auch er persönlich die von den Arbeitnehmervertretern geschilderten Befürchtungen sowohl hinsichtlich der Eigenständigkeit der Commerzbank als auch hinsichtlich der Zukunft des Wirtschafts- und Finanzstandorts Deutschland „sehr ernst“ nehmen.
Orcel hatte in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, dass er sich bei der Commerzbank zurückziehen könnte, wenn auch die neue Bundesregierung eine Übernahme durch Unicredit ablehnen würde. In der Commerzbank wird die klare Ansage des Kanzlers denn auch als starkes Signal in Richtung Unicredit gewertet. Ob es auch Orcel beeindruckt, könnte sich am Mittwoch auf der Goldman Sachs-Konferenz in Berlin zeigen. Wohl um den Spannungsbogen im Übernahmedrama um die Commerzbank auch noch am zweiten Tag der Investorenkonferenz aufrechtzuerhalten, hat die Regie das Kamingespräch mit Bettina Orlopp auf den Donnerstag (12.6.) gelegt. Das gibt der Commerzbank-Chefin die Gelegenheit, auf Orcels Rede zu reagieren. Eine direkte Begegnung zwischen den beiden Hauptmatadoren im Kampf um die Commerzbank ist damit aber nahezu ausgeschlossen. Wenig wahrscheinlich ist auch, dass Orcel seinen Berlin-Trip zu einem Gespräch mit der Bundesregierung nutzen kann. In den offiziellen Kalendern von Merz und Klingbeil sind bislang keine Treffen mit Orcel vorgesehen.