Davos – Was die Banken von der Neujustierung der Weltordnung erwarten
Mit der gescheiterten US-Annexion Grönlands hat Donald Trump die alte Weltordnung endgültig erledigt. Auch die Investoren müssen sich neu orientieren. Davon könnten die Banken profitieren.

Gerade vom Podium hinabgestiegen war Joachim Nagel, als ihm beim „Frankfurt RheinMain“-Empfang in Davos ein Smartphone mit der Breaking News des Tages unter die Nase gehalten wurde. „Schauen wir mal, wie lange es hält“, kommentierte der Bundesbank-Präsident die Meldung über die Einigung im Grönland-Streit. Noch kurz zuvor hatte Nagel bei der Podiumsdiskussion mit DZ Bank-Kapitalmarktvorständin Souad Benkredda, Bundesumweltminister Carsten Schneider und ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher keinen Hehl daraus gemacht, dass ihn die mit banger Spannung erwartete Davos-Rede von US-Präsident Donald Trump keineswegs beruhigt habe.
Noch deutlicher wurde Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil. Europa lasse sich nicht erpressen, stellte er in seinem Grußwort klar. Europa müsse sich vielmehr stärker auf sich selbst und seine Stärken fokussieren und den gemeinsamen Binnenmarkt sowie die Kapitalmarktunion vorantreiben, forderte der SPD-Chef. An der Börse kamen Trumps Entspannungssignale und die Rücknahme der Zoll-Drohungen indes gut an, vor allem Bank-Aktien profitierten.
Ungebrochenes Investoreninteresse
Dennoch dürfte der mit viel Donnergrollen im Vorfeld inszenierte Trump-Auftritt in Davos eine wahrscheinlich noch tiefere Zäsur sein als der Zoll-Schock („Liberation Day“) Anfang April vergangenen Jahres, der den Investoren vor Augen führte, dass sie ihre stark auf die USA ausgerichteten Portfolios stärker diversifizieren müssen. Der damals ausgelöste Europa-Hype hatte sich über den Sommer allerdings spürbar abgekühlt.
Seit Jahresanfang seien das schon als Museum abgestempelte Deutschland und Europa jedoch wieder verstärkt in den Fokus der internationalen Investoren gerückt, wie uns Bundesbank-Vize Sabine Mauderer am Rande des erstmals gemeinsam von PLATOW und dem Steuer-Papst Wilhelm Haarmann organisierten Davos-Auftaktlunchs berichtete. Die Weltordnung werde neu sortiert und viele geopolitische Konflikte seien noch nicht entschieden. Spätestens seit Trump mit seinen Plänen, Grönland zu annektieren, die Implosion der Nato riskiert hat, ist die alte Nachkriegsordnung endgültig Geschichte. In dieser unübersichtlichen Gemengelage müssen die Investoren ihre Portfolios breiter diversifizieren, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Europa punktet mit Verlässlichkeit
Verlässlichkeit sei dabei die wichtigste Trumpfkarte Europas im Werben um amerikanische Investoren, so Mauderer, die zugleich aber mahnt, dass Deutschland nun endlich in Sachen Reformen und Entbürokratisierung liefern müsse. Denn die Investoren haben nicht ewig Geduld. Ganz ähnlich sieht das auch Barclays-Deutschlandchefin Ingrid Hengster, die trotz leichter Schwankungen ein ungebrochenes Investoreninteresse an Deutschland sieht.
Benkredda, die den Europäern ein selbstbewussteres Auftreten empfiehlt, führt im Gespräch mit PLATOW die Sommerdelle auf die zu dieser Jahreszeit üblicherweise geringere Investorenaktivität zurück. Auch gäbe es in Deutschland gar nicht genügend Investitionsobjekte, um den wachsenden Anlagebedarf zu befriedigen. Deshalb sei der Deutschlandfonds so wichtig, wirbt die DZ Bank-Vorständin. Wie stark gerade das Interesse institutioneller US-Anleger an Investments in deutsche Unternehmen ist, habe in der vergangenen Woche das „German Investment Seminar“ in New York gezeigt, berichtete uns Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Auf der gemeinsam von der Commerzbank und Oddo BHF organisierten Veranstaltung lauschten rund 400 US-Investoren den Präsentationen von 70 deutschen Unternehmen.
„Deutsches Haus“ für Davos
Um die deutsche Präsenz in Davos, die bislang nur von Frankfurt hochgehalten wird, sichtbarer zu machen, schlug Nagel ein „Deutsches Haus“ vor. Finanzieren werde die Bundesbank das Projekt aber nicht, beeilte sich Nagel klarzustellen. Doch auch ansonsten waren nicht alle im Saal von Nagels Idee begeistert. Mit dem Davos-Event, bei dem auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde vorbeischaute, versuche Frankfurt, internationale Investoren in die Rhein-Main-Region zu locken. Dieser einzigartige Ansatz drohe in einem „Deutschen Haus“, in dem allen Bundesländern die Gelegenheit zur oft eher provinziellen Selbstdarstellung geboten werden müsste, unterzugehen, war zu hören.