Er könne sich nicht erinnern, wann der IWF das letzte Mal den Wachstumsausblick für Deutschland nach oben korrigiert habe, zuletzt sei es immer nur nach unten gegangen, freute sich Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Wenn die Bundesregierung jetzt noch die angekündigten Reformen umsetzt, könne das Wachstum sogar noch höher ausfallen. In seinem aktuellen „World Economic Outlook“ hat der Währungsfonds seine Wachstumsprognose für Deutschland im laufenden Jahr auf 1,3% angehoben. Damit liege Deutschland im Kreis der G7-Staaten auf dem zweiten Platz hinter den USA (2,3%), jubelte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Dabei unterschlug der Finanzminister geflissentlich, dass sich Deutschland den Silberplatz mit Großbritannien teilt.

Damit sei Deutschland wieder der Stabilitätsanker in der Eurozone, so Klingbeil und Nagel unisono. In Bankenkreisen wird das wiedererstarkte Selbstbewusstsein der deutschen Delegationsspitze bei der IWF-Jahrestagung in Bangkok indes deutlich nüchterner gesehen. Es sei keine besondere Leistung, besser dazustehen, weil die anderen schlechter geworden sind, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Ungewohnte Themenvielfalt

Es herrsche Einigkeit, dass es keine Einigkeit darüber gebe, welches das dominierende Thema auf der diesjährigen IWF-Tagung sei, stellte KfW-Chef Stefan Wintels auf dem traditionellen Empfang der Förderbank fest. Der wird zunehmend zu einem Ehemaligentreffen. Neben Bundesbank-Vorständin Fritzi Köhler-Geib (Ex-KfW-Chefvolkswirtin) schaute auch wieder Barclays-Deutschlandchefin Ingrid Hengster (ehemals KfW-Vorständin) bei ihren alten Kollegen vorbei. Das Fehlen eines alles überragenden Tagungsthemas bestätigt uns auch BdB-Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff. Der Anstieg der Anleiherenditen sei zwar ein wichtiges Gesprächsthema gewesen, daneben wurde aber auch viel über Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, neue Partnerschaften zwischen den von den USA alleingelassenen Mittelmächten und die geopolitischen Verwerfungen diskutiert.

Ein Ex-HVB-Vorstand schaut bei der Commerzbank vorbei

Beim Empfang der Commerzbank, der anders als in Washington nicht auf einem Schiff, sondern in einer Rooftop Bar hoch über Bangkok stattfand, wollten Vorstandschefin Bettina Orlopp und Firmenkunden-Vorstand Michael Kotzbauer gar nicht erst den Eindruck aufkommen lassen, es handle sich um eine vorgezogene Abschiedsparty. Ob im nächsten Jahr in Washington der Commerzbank-Schaufelraddampfer wieder ablegt, darf allerdings bezweifelt werden. Unicredit-Chef Andrea Orcel hält die Kosten der Commerzbank ohnehin für zu hoch und ließ sich wie schon in den Vorjahren nicht auf der IWF-Tagung blicken.

Dafür sorgte ein anderer Gast mit seinem Erscheinen beim Commerzbank-Empfang für Spekulationen. Nord/LB-Chef Jörg Frischholz ließ es sich nicht nehmen, nach dem Empfang des Weltverbands der Sparkassen (WSBI), der auf einer Dachterrasse mit beeindruckendem Ausblick über Bangkok stattfand, noch schnell bei der Commerzbank vorbeizuschauen. Mit seiner Vita als ehemaliger HVB-Vorstand und aktueller Vorstandschef einer bedeutenden Landesbank dürfte Frischholz gut in Orcels Beuteschema bei der Suche nach einem neuen Commerzbank-Chef passen. Dies treffe auch auf andere zu, wiegelte der Nord/LB-Lenker jedoch ab.

Benkreddas steile These

Eine, wie sie selbst sagt, „steile These“ präsentierte DZ Bank-Kapitalmarktvorständin Souâd Benkredda bei der Podiumsdiskussion des genossenschaftlichen Spitzeninstituts, an der auch Nagel teilnahm. Die Investoren lechzen nach sicheren Assets. Doch die als sicher geltenden Anlagen in amerikanische und deutsche Staatsanleihen oder Gold verlieren aufgrund der hohen Staatsverschuldung an Glanz und bekommen zunehmend Konkurrenz von KI-Konzernen, die mit gewaltigen Anleihevolumina an den Markt drängen und teilweise über eine bessere Bonität verfügen als mancher Industriestaat.

Dieses Phänomen sei bisher nur aus den Emerging Markets bekannt. Damit sei die klassische Definition von sicheren Assets von gestern, so Benkredda. Die DZ Bank-Vize glaubt deshalb, dass in Zukunft Assets, die mit bestimmten Themen wie derzeit KI verbunden sind, Staatsanleihen den Rang als sichere Anlagen ablaufen könnten.