DSGV-Chef Reuter: „Bei der Kundenzufriedenheit ist noch Luft nach oben“
Mit einer Investitionsoffensive wollen sich die Sparkassen für die Zukunft wappnen und die Kundenzufriedenheit verbessern. Zunächst sind vor allem die Kosten gestiegen. Warum sich daran so schnell nichts ändern wird.

Die Kundenzufriedenheit verbessern und Marktanteile gewinnen. Mit dieser Losung trat Ulrich Reuter Anfang 2024 sein Amt als DSGV-Präsident an. Was zunächst wenig spektakulär und eher nach dem üblichen Tagesgeschäft klang, nimmt mittlerweile Gestalt an. Im Sommer starteten die Sparkassen mit S-Neo eine kostengünstige Alternative zu den Wertpapierangeboten der Neobroker. Die Deka überraschte den Markt mit Kampfkonditionen für das neue Altersvorsorgedepot und am Montag begann offiziell der bundesweite Roll-out für das Krypto-Angebot für Selbstentscheider.
Weniger beachtet wurde in der Öffentlichkeit indes die maßgeblich von Reuter initiierte Investitionsoffensive der Sparkassen. Damit wollen die Sparkassen ihre IT auf Vordermann bringen, den Einsatz Künstlicher Intelligenz vorantreiben, den demografischen Wandel durch massive Neueinstellungen abfedern und ihre Prozesse effizienter machen. Sichtbar ist die Investitionsoffensive bislang vor allem in einem deutlichen Kostenanstieg bei den Sparkassen. Im vergangenen Jahr wuchs der Verwaltungsaufwand der Sparkassen insgesamt um stattliche 5,6% auf 23,5 Mrd. Euro, während vor allem die privaten Banken auf die Kostenbremse treten.
Kosten bleiben noch ein paar Jahre hoch
An den hohen Kosten werde sich auch so schnell nichts ändern, wie Reuter im Gespräch mit PLATOW am Rande der IWF-Tagung in Bangkok berichtet. Die Investitionen in IT, KI und neues Personal werden auch noch in den nächsten Jahren hoch bleiben. Das in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehende Personal lasse sich nur teilweise durch KI und effizientere Prozesse ersetzen. Die Sparkassen investieren deshalb weiterhin strategisch in ihre Mitarbeiter, damit „das Know-how nicht auch in den Ruhestand geht“.
Die Sparkassen hätten in den vergangenen Jahren gut verdient und stünden deshalb nicht unter Druck, an der Kostenschraube drehen zu müssen, auch wenn sie die Kosten weiterhin im Blick hätten, so der DSGV-Präsident. Der Kostenanstieg bewege sich im Rahmen der Planungen. Die Sparkassen, beteuert Reuter, haben kein Kostenproblem. Bis die Maßnahmen Wirkung zeigen, werde es noch etwas dauern, dämpft Reuter die Erwartungen. Erste Erfolge seien jedoch bereits erkennbar. Ablesbar sei dies an den wachsenden Depotzahlen und Sparplänen sowie den leicht steigenden Einlagen. Bei der Kundenzufriedenheit sei allerdings „noch Luft nach oben“, gibt Reuter zu.
Krypto-Roll-out Ende zweites Quartal 2027 so gut wie abgeschlossen
„Sehr zufrieden“ ist Reuter mit dem Start von S-Neo. Für konkrete Nutzerzahlen sei es aber noch zu früh, da S-Neo erst im August richtig angelaufen ist. Beim Krypto-Angebot glaubt der DSGV-Chef übrigens nicht, dass die bislang mehr als 200 Sparkassen, die Interesse an der Einführung von „Krypto – powered by Deka“ angemeldet haben, am Ende auch alle mitmachen werden. Die Vorbehalte gegen die hochriskante Assetklasse seien in der Sparkassen-Organisation noch immer weit verbreitet. Das Angebot sei jedoch sorgfältig vorbereitet worden und die „Family & Friends“-Phase, an der die Frankfurter Sparkasse und die Sparkasse Rottal-Inn teilgenommen haben, sei erfolgreich verlaufen. Die Deka erwartet denn auch, dass Ende des zweiten Quartals 2027 bereits ein großer Teil der interessierten Sparkassen angebunden sein wird.