Die Aareal Bank unterwirft sich in der Kapitalplanung zunehmend den finalen Kapitalregeln nach Basel III. Während die Bank bereits heute die harte Kernkapitalquote auch nach den strengen Regeln ausweist, die voraussichtlich ab dem Jahr 2033 gelten, drängt nun auch die EZB-Bankenaufsicht den Wiesbadener Immobilienfinanzierer zunehmend in diese Richtung. Das jedenfalls ist uns beim Studium des aktuellen Halbjahresberichts aufgefallen. Weil die Regeln so weitreichend sind, spricht die Bank wie viele in der Branche von „Basel IV“.

Zwei Ziffern werden sich annähern

Aktuell weist die Aareal Bank zwei Ziffern für die harte Kernkapitalquote aus: eine Quote nach dem aktuellen Regelwerk („phase in“), die bei 20,8% liegt, und eine Quote „fully phased“, die 15,6% erreicht. Ein Unterschied von mehr als 5 Prozentpunkten, der rasch abnehmen dürfte. Denn die EZB sorgt dafür, dass die Bank ihre Risikomodelle künftig weniger großzügig anwenden darf und sich noch mehr an den finalen, strengeren Regeln orientieren muss. „Die EZB hat eine turnusmäßige Prüfung der internen Ratingmodelle der Bank durchgeführt“, heißt es in einer Fußnote im Halbjahresbericht. „Auch wenn das finale Ergebnis aussteht, ist davon auszugehen, dass sich die harte Kernkapitalquote (phase-in) in Richtung der harten Kernkapitalquote (fully phased) bewegen wird.“

Ricken will vorsichtiger Kaufmann sein

Doch nicht nur das Signal der EZB, auch die unsichere Lage auf der Welt und an den Kapitalmärkten stimmt die Bank vorsichtig. In Zeiten einer hohen „geopolitischen Unsicherheit“ gelte es, das „Pulver trocken zu halten“, sagte Bankchef Christian Ricken am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Erst wenn die Risiken abnähmen, könne die Bank die Kapitalquote senken. Damit geht er vorerst auf Distanz zu einer möglichen Ausschüttung von überschüssigem Kapital.

Dabei wäre eine Sonderausschüttung für die Bank konsequent: Denn für die harte Kernkapitalquote, berechnet nach den finalen Regeln, strebt sie eine Quote von 13,5% an („normierter Kapitalbedarf“). Da die Quote aktuell mehr als 2 Prozentpunkte darüber liegt, könnte das Geldhaus also Kapital an die Investoren auszahlen – bei einem Kapitalbestand von 2,95 Mrd. Euro ließe sich rechnerisch noch ein dreistelliger Millionenbetrag mobilisieren. Doch davon will Ricken erst einmal nichts wissen. „Wir sind vorsichtige Kaufleute.“ Das dürfte auch der EZB gefallen.

Im März war der Akzent ein anderer: Auch wenn sich Ricken damals nicht auf ein Absenken der Kapitalquote festlegte, sprach er von „Optionen“ für die Bank. Ein gutes Verhältnis mit der Aufsicht gebe „mehr Handlungsspielraum auf der Ausschüttungsseite“, doch seien die Eigentümer zugleich nicht gierig. „Wir werden so viel Kapital in der Bank belassen, dass die Bankenaufsicht zufrieden ist, und wir werden so viel Dividende ausschütten, dass sich unsere Eigentümer freuen“, sagte er damals. Hinter der Bank steht ein Kreis von Finanzinvestoren. Die größten Eigentümer sind Advent und Centerbridge.

EZB stößt sich am IRBA

Die Bank finanziert Gewerbeimmobilien vor allem in Europa, ein Schwerpunkt liegt dabei auf Hotels. Bei einem Kreditportfolio von 34,4 Mrd. Euro entfallen rund 1,2 Mrd. Euro auf faule Kredite, Tendenz sinkend. Das gilt auch für die Risikovorsorge, die im ersten Halbjahr mit 100 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahreswert lag.

Nicht die Risikolage der Bank, sondern die Maßstäbe der EZB verschieben sich: Denn bisher rechnet die Bank mit einem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA), einem für größere Banken üblichen Verfahren. Es erlaubt eine filigrane Bewertung der einzelnen Positionen in der Bilanz, was in der Berechnung fast immer zu einem geringeren Gesamtrisiko führt und damit zu einer höheren Kapitalquote. Damit Banken ihre Risiken nicht beliebig kleinrechnen, muss die Aufsicht die Modelle allerdings genehmigen. Und eben hier zieht die EZB nun Grenzen ein – lange bevor die Finalisierung von Basel III den Spielraum der IRBA-Modelle ohnehin weiter einschränkt.

Darben müssen die Investoren jedoch nicht. Künftige Dividenden können sich immer noch aus den regulären Gewinnen der Bank speisen. 145 Mio. Euro beträgt das Konzernergebnis im ersten Halbjahr. Das ergibt sich aus einem Zinsüberschuss von 474 Mio. Euro, der fast ausschließlichen Einnahmequelle der Bank, bei einem schlanken Verwaltungsaufwand von 164 Mio. Euro und weiteren Positionen wie der Risikovorsorge. Ihren Schnitt haben die Investoren aber schon im vergangenen Jahr gemacht, als die Bank nach dem Verkauf der Software-Tochter Aareon eine Sonderdividende in Höhe von 1,94 Mrd. Euro ausschüttete.

Renditeziel mit Fragezeichen

Doch solange die harte Kernkapitalquote höher bleibt als ihr Zielwert, muss die Bank auch mit weniger Eigenkapitalrendite leben: Für diesen Wert, bereinigt um einmalige Kosten, verfolgt sie bislang ein Ziel von 13% im Jahr 2027. Doch die Berechnung des Zielwerts hat die Bank auf eine geringere Kapitalquote geeicht. Wenn Ricken vorsichtiger Kaufmann sein will, sollte er auch dieses Ziel anpassen.