Als die Braunschweigische Landessparkasse im Dezember ankündigte, ihre Filiale in der Braunschweiger Dankwardstraße dichtmachen zu wollen, häuften sich im Rathaus die Protestschreiben verunsicherter Sparkassen-Kunden. Die Schließung der vor allem bei Schließfachkunden beliebten Filiale sei insbesondere für ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen mit „erheblichen Belastungen“ verbunden, wetterte daraufhin die SPD-Fraktion im Braunschweiger Stadtrat.

Doch die Realität zeigt: seit dem Siegeszug des Online-Bankings erledigen immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte vom heimischen Sofa aus. Insbesondere die Deutsche Bank (einschließlich Postbank) und Commerzbank haben deshalb in den vergangenen Jahren ihre Filialnetze aus Kostengründen radikal ausgedünnt. Nach Berechnungen der Bundesbank sank allein 2024 die Anzahl der Filialen im Großbanken-Sektor im Vergleich zum Vorjahr um 1.287 auf 2.184 Stützpunkte. Bei den Sparkassen (-177) und Genossenschaftsbanken (-180) fiel der Filialabbau hingegen deutlich geringer aus.

Filialschließungen werden schnell zum Politikum

Während sich jedoch das Filialsterben bei den Großbanken und Genossenschaftsbanken meist ohne öffentliches Aufsehen vollzieht, werden Filialschließungen bei Sparkassen schnell zum kommunalen Politikum mit lautstarken Protestaktionen. Das gilt insbesondere, wenn es sich um Filialen in ländlichen oder strukturschwachen Regionen handelt. Denn die Sparkassen sind nicht nur eng mit der Kommunalpolitik verbandelt, Verwaltungsratschef ist meist der örtliche Landrat oder Bürgermeister, sie unterliegen auch einem öffentlichen Auftrag, der sie zur flächendeckenden Versorgung mit Finanzdienstleistungen verpflichtet.

Deshalb sind es fast immer die Sparkassen, die unter Rechtfertigungsdruck stehen, wenn mal wieder eine wenig rentable Filiale geschlossen werden muss. „Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass jede Infrastruktur überall direkt im Ort vorgehalten werden kann“, verteidigte Karolin Schriever, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, jüngst die Filialpolitik der Sparkassen in der offiziellen Mitteilung zur Präsentation der Studie „Kurze Wege – starke Präsenz“.

Kein Rückzug aus der Fläche

Mit der Studie will der DSGV offensichtlich der Kritik Wind aus den Segeln nehmen, die Sparkassen würden vor allem in der Fläche ihren öffentlichen Auftrag nicht mehr ausreichend erfüllen. Der Studie zufolge liegt im bundesweiten Durchschnitt die Fahrzeit mit dem Pkw zur nächsten mit Mitarbeitern besetzten Sparkassen-Filiale bei etwas mehr als vier Minuten. In dicht besiedelten urbanen Räumen sind es gut drei Minuten und in ländlichen Regionen etwa 6,5 Minuten. Wer jedoch zu Fuß eine Sparkassen-Filiale aufsuchen möchte, hat gerade in ländlichen Gegenden oft eine lange Wanderschaft vor sich. Um zu belegen, dass sich die Sparkassen keineswegs aus der Fläche zurückziehen, argumentiert der DSGV mit der Filialdichte pro Kopf. Demnach halten die Sparkassen in ländlichen und gemischten Regionen etwa dreimal so viele Filialen pro 10.000 Einwohner vor wie in Metropolen und Städten.