Zahlungsverkehr

Führungsteam steht: Banken-Allianz um Deka treibt Euro-Stablecoin voran

Zehn europäische Banken wollen mit einem gemeinsamen Projekt die US-Dominanz bei Stablecoins brechen. Das Führungsteam des Gemeinschaftsunternehmens verrät weitere Details.

Jan Mallien,
Euro Stablecoin
Euro Stablecoin © AdobeStock: Skórzewiak

250 Milliarden Dollar – so groß ist das weltweite Volumen an Stablecoins. Gemeint sind Kryptoassets, die an eine klassische Währung gekoppelt sind. Die allermeisten davon sind an den US-Dollar gebunden. Nach Schätzungen der EZB belaufen sich die in Euro notierenden Stablecoins auf gerade einmal 395 Mio. Euro – weniger als 0,2% des weltweiten Marktvolumens. Doch Europas Banken wollen das ändern. Erst kürzlich hatte der Verwaltungsratschef der französischen Großbank BNP-Paribas vor systemischen Risiken für Europas Banken durch diese Entwicklung gewarnt.

Neuer Chef kommt von US-Kryptobörse

Eine Allianz aus inzwischen zehn Instituten will 2026 einen Euro-Stablecoin auf den Markt bringen und hat dafür das Gemeinschaftsunternehmen Qivalis mit Sitz in Amsterdam gegründet. Beteiligt sind unter anderem die DekaBank, INGUnicredit, Raiffeisen Bank International und neuerdings BNP Paribas. Das Konsortium stellte am Dienstag sein Führungsteam und weitere Details zu den Plänen vor. „Technisch und operativ sollten wir zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 bereit sein“, sagte der neue Qivalis-Chef Jan-Oliver Sell. Er baute zuvor das Deutschland-Geschäft der US-Kryptobörse Coinbase auf. Ihm zur Seite steht als CFO der ING-Manager Floris Lugt, der bisher das Firmenkundengeschäft mit digitalen Vermögenswerten der Niederländer verantwortete. Als Aufsichtsratsvorsitzenden präsentierte Qivalis, Howard Davies, den früheren Vizechef der Bank von England.

Sell hält Qivalis für „einzigartig positioniert, um den größten und stärksten Euro-Stablecoin“ zu entwickeln. Bisher führt der Euro-Stablecoin EuroC (Euro Coin) des US-Anbieters Circle.  Durch die Zusammenarbeit verschiedenster europäischer Banken will Qivalis Interoperabilität sichern, sodass der Stablecoin nahtlos zwischen den Systemen und Plattformen der Banken fließen kann. Würde jede Bank ihren eigenen Stablecoin entwickeln, wäre dies kaum möglich, sagt Sell.

Offen für weitere Banken

Einen Vorteil gegenüber Dollar-Stablecoins sieht der Qivalis-Chef vor allem darin, dass europäische Verbraucher und Unternehmen in Euro abrechnen und sie daher auch ein Interesse hätten, Zahlungen in der Gemeinschaftswährung zu tätigen. Mit dem Dollar ist hingegen stets ein Wechselkursrisiko verbunden. Seit Jahresbeginn hat die US-Währung rund 10% an Wert gegenüber dem Euro verloren.

Laut Qivalis-Chef Sell hat das Unternehmen bereits rund ein Drittel des künftigen Teams aufgebaut. In den kommenden 18 bis 24 Monaten soll die Belegschaft auf 45 bis 50 Spezialisten anwachsen. „Wir haben unseren Hauptsitz in Amsterdam und einen Kernteil des Teams hier, aber wir suchen auch Talente in Europa dort, wo sie sind“, erläutert Sell. Qivalis will nicht nur das Team erweitern, sondern auch den Kreis der beteiligten Banken. „Es gibt viel Interesse und wir heißen weitere Banken willkommen.“

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