Auf eines ist derzeit Verlass: Bei den Genossenschaftsbanken tanzen immer noch welche aus der Reihe. Es sind zwar nur wenige Ausreißer, aber die Fälle haben es in sich. Drei Jahre nach dem Skandal um die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden gibt es weiterhin Institute, die sich mit riskanten Geschäften verheben. Zudem steht ein Vorstand unter Bestechungsverdacht. Hinzu kommen erbittert ausgetragene Grabenkämpfe um die Deutungshoheit darüber, wer die Schuld an der Misere trägt. Gleich bei zwei prominenten Fällen stehen in diesen Tagen entscheidende Momente bevor. Anderswo droht eine Hängepartie.

Somit reißen die Gespräche am Finanzplatz über die Problembanken der Gruppe eigentlich nie ab. Kopfschütteln bis Fassungslosigkeit über die sich mitunter überschlagenden Ereignisse beherrschen den Austausch. Die schon weitgehend umgesetzte Reform Geno Next Level hat die Präventionsarbeit der Gruppe zwar deutlich verbessert. Doch die „Nachläufer“ (Zitat: Cornelius Riese, Chef der DZ Bank) aus der Zeit vor der Reform schütteln die Gruppe immer noch genug durch. Und die Sorge bleibt: Sind es wirklich nur Nachläufer – oder hört das nie auf?

Augenblick der Wahrheit bei der Brawo

Bei der Volksbank Brawo steht der Augenblick der Wahrheit nächsten Dienstag bei einer Pressekonferenz bevor. Sie ist aktuell die größte unter den genossenschaftlichen Problembanken. Wie weit muss die Institutssicherung den Schutzschirm aufspannen? Braucht es Garantien von 500 Mio. Euro oder sogar mehr, um den Wertberichtigungsbedarf bei faulen Assets auszugleichen? Welche Geschäfte werden nicht mehr fortgeführt? Übernimmt die Bad Bank BAG Bankaktiengesellschaft Teile des kriselnden Bestands? Wie soll die gesundete Bank schlussendlich aussehen?

Darum drehen sich seit Monaten viele Gespräche hinter den Kulissen, von denen PLATOW immer wieder Wind bekommt. In einer Woche sollten in Braunschweig endlich erste Leitplanken in Sicht sein. Fest steht: Die Bank braucht eine Rosskur. Diese Mammutaufgabe hat Jürgen Wache vor der Brust, der neuer Vorstandsvorsitzender werden soll. Zur Seite stehen ihm Sanierungsvorstand Heiner Arnoldi und die beiden verbliebenen Vorstände, Lars Berkefeld und Carsten Ueberschär. Wache, früherer Chef der Hannoverschen Volksbank, wollte eigentlich zur Jahresmitte in den Ruhestand gehen. Diesen Plan kann er getrost um mindestens zwei Jahre nach hinten verschieben. Voraussetzung: Die Vertreterversammlung muss am 22. September die störende Altersregelung in der Satzung kippen. Erst dann kann Wache den Chefposten offiziell übernehmen. Dann muss er die knapp 7 Mrd. Euro große Bank kräftig entrümpeln: im Beteiligungsportfolio, bei den Immobiliengeschäften und im Bereich der nachhaltigen Energien. Es ist das Imperium des früheren Bankchefs Jürgen Brinkmann.

Zuletzt gab es die Wette, ob die Volksbank Brawo für die genossenschaftliche Solidargemeinschaft sogar noch teurer wird als Schmalkalden. Die heutige VR-Bank in Nordhessen Westthüringen hatte für ihre Sanierung einen Garantierahmen von 560 Mio. Euro benötigt. Sie war allerdings kurz vor dem Zusammenbruch auch nur 1,7 Mrd. Euro klein. Ob „billiger oder teurer als Schmalkalden“ für die ungleich größere Volksbank Brawo also tatsächlich ein Maßstab ist, sei dahingestellt.

Aussichten in Braunschweig besser als die Schlagzeilen

Wichtiger sind sicherlich die Zukunftsaussichten. Durch die geplante Rosskur bestehen für das Kerngeschäft der Bank gut informierten Kreisen zufolge bessere Aussichten. Auch eine schon kolportierte „Rettungsübernahme“ durch die Hannoveraner ist einer aktuellen Analyse zufolge absehbar nicht notwendig.

Schon vor der Brawo steht bei der winzigen Raiffeisenbank Plankstetten ein High Noon bevor. Am späten Freitagnachmittag in dieser Woche startet bei der als Aktiengesellschaft firmierenden Bank eine außerordentliche Hauptversammlung. Seit dort die Bafin Vorstand und Aufsichtsrat entmachtet und durch Sonderbeauftragte ersetzt hat, schlagen die Wellen der Empörung in dem Örtchen Berching hoch. Es folgten der Wumms-Rücktritt der Aufsichtsräte Ursula Gomringer (Vorsitzende), Wolfgang Holzapfel und Edgar Schneider  und der verlorene Prozess der früheren Vorstände Elmar Weiß und Walter Frank gegen die Bafin.

„Die Bafin will Deutschlands beste Bank zerstören.“

Aktuell trudeln denn auch beim PLATOW Brief und anderen Medien wütende Zuschriften ein. „Wir erleben gerade in Plankstetten den größten deutschen Bankaufsichtsskandal“, schreibt eine Aktionärin. „Die Bafin will Deutschlands beste Bank zerstören.“

Nun ist die knapp 180 Mio. Euro große Bank zwar tatsächlich wirtschaftlich gesund. Dies bestätigt auch Steinmann. Aber es gibt berechtigte Zweifel daran, wie der frühere Vorstand die Risiken im Kreditgeschäft bewertet hat. Daher könnten die Jahresabschlüsse der Bank durchaus frisiert worden sein. Und von Deutschlands bester Bank war die Raiffeisenbank allemal immer weit entfernt.

Andere Zuschriften sprechen von „Machenschaften des BVR unter Zuhilfenahme der Bafin“, seitdem die Sonderbeauftragten Sandra Michelfelder (Aufsichtsrat) und Odo Steinmann (Vorstand) die einst brisante Tagesordnung der HV rigoros zusammenstrichen. Die Bafin wolle „die totale Macht über unsere Bank behalten“, heißt es weiter. Um in den Vorwurf zu gipfeln: „Sind wir schon in China. Jeder Andersdenkende wird mit allen Mitteln mundtot gemacht.“

Aktionäre entscheiden über das Schicksal der Bank

Jedenfalls wird es bei der jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden HV ordentlich zur Sache gehen. Zudem haben die Aktionäre dann das Schicksal ihrer Bank durchaus selbst in der Hand. Mit der geplanten Abstimmung über Satzungsänderungen – darunter Genossenschaftsbank bleiben oder nicht – steht einiges auf dem Spiel.

Bei der Volksbank Köln Bonn hingegen geht es dieser Tage nicht vorwärts. Wegen Bestechungsvorwürfen wurde dort ein Vorstand beurlaubt, die Bank hat eine Sonderprüfung durch die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg in Auftrag gegeben, die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Auch die Bafin hat schon nachgebohrt. Im Kern geht es um eine umstrittene Kreditvergabe zur Finanzierung einer Bordellimmobilie. Zum einen soll der Kredit nicht regelkonform zustande gekommen sein. Zum anderen sollen Bestechungsgelder an den freigestellten Vorstand gezahlt worden sein.

Unerfreuliche Hängepartie für den BVR

Zuletzt war kolportiert worden, dass das Gutachten von Rechtsanwalt und Professor Dieter Leuering Ende August fertig sein soll. Offenbar kommt doch nicht so schnell Klarheit in die Angelegenheit. Auf PLATOW-Anfrage lehnte Leuering eine Stellungnahme ab. Die Bank erklärte, die Kanzlei arbeite „mit der gebotenen Sorgfalt und notwendigen Unabhängigkeit“. Nach Abschluss der Sonderprüfung und Bewertung durch den Aufsichtsrat werde es eine Mitteilung geben. Die Staatsanwaltschaft Köln wiederum benötigt nach eigenen Angaben drei bis vier Monate, um über eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens oder eine Anklageerhebung zu entscheiden. Für den BVR, der in diesem Fall ordentlich Dampf gemacht hat in Richtung Aufsichtsrat und Bank, ist diese Hängepartie unerfreulich, für die Bank und ihre Mitarbeiter allemal.

Markus Lehmkühler, Rechtsanwalt des freigestellten Vorstands, zeigt sich dagegen zuversichtlich. „Nach Abschluss aller Untersuchungen wird sich zeigen, dass die erhobenen Vorwürfe unberechtigt sind“, so Lehmkühler siegessicher. „Ich bin überzeugt davon, dass mein Mandant keinen Cent angenommen hat, ich halte ihn für absolut vertrauenswürdig.“