Endlich wird der Finanzinvestor Lone Star die IKB los. Nachdem die Amerikaner den in der Finanzkrise umgekippten Düsseldorfer Mittelstandsfinanzierer übernommen hatten, waren in den letzten Jahren viele Verkaufsversuche gescheitert. Nun schlägt erwartungsgemäß die französische Großbank Crédit Agricole (CA) zu. Die CA will in Deutschland, so hatten wir es erst vor wenigen Tagen für Sie aufgeschrieben, zur Universalbank werden – unter dem Namen Crédit Agricole Deutschland. In zwei Jahren soll sich die Kundenzahl auf 2 Mio. verdoppeln. Dafür ergibt der Zukauf Sinn. Aber haben die Franzosen mit der IKB für ihre Pläne tatsächlich den besten Fisch an Land gezogen?

Fakt ist: Im Vergleich zu den anderen großen französischen Konkurrenten – BNP Paribas, Société Générale und Crédit Mutuel – hat CA im Deutschlandgeschäft Nachholbedarf. Während BNP schon länger hierzulande erfolgreich ist, hatte sich Crédit Mutuel zuletzt mit der Targobank und der OLB in Deutschland verstärkt und hat die Nase vorn auf dem Weg zur Universalbank.

Seit mehr als 70 Jahren in Deutschland

CA, gemessen an der Bilanzsumme eine der zehn größten Banken der Welt, ist hierzulande im Firmenkundengeschäft über die Investmentbanking-Tochter CIB bislang nur bei Unternehmen ab 1 Mrd. Euro Umsatz aktiv und kommt damit auf 450 Kunden. Zudem ist CA in Deutschland mit dem Konsumenten- und Händlerfinanzierer Créditplus, der Fondsgesellschaft Amundi, dem Verwahrgeschäft Caceis und dem im letzten Jahr übernommenen Leasingspezialisten Merca Leasing präsent. In diesem Jahr hatte sie die digitale Einlagen-Plattform Crédit Agricole Savings gestartet. Immerhin ist CA seit mehr als 70 Jahren in Deutschland aktiv.

Die Franzosen präsentierten die Vereinbarung mit der Private Equity-Gesellschaft Lone Star – wenig überraschend – als großen Erfolg. Deutschland sei als größte Volkswirtschaft Europas die tragende Säule im Strategieplan „ACT2028“. Die Franzosen wollen im gehobenen Mittelstandsgeschäft organisch, durch Partnerschaften oder Zukäufe wachsen. Die nun angekündigte Transaktion sei somit ein „wichtiger Meilenstein“. Damit geht CA hierzulande in Konkurrenz zu den Landesbanken und zur DZ Bank.

Helaba hat wieder das Nachsehen

Die 1924 gegründete IKB Deutsche Industriebank bringt 8,2 Mrd. Euro an Mittelstandskrediten ein. 600 Mitarbeiter arbeiten in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. Der Kaufpreis für die Düsseldorfer Bank mit einer Bilanzsumme von 14,3 Mrd. Euro wird in der Mitteilung nicht genannt. Basierend auf dem Buchwert von rund 1 Mrd. Euro könnte er schätzungsweise bei 700 bis 800 Mio. Euro liegen.

Neben der CA war auch die Helaba als Kaufinteressent für die IKB kolportiert worden mit einem Gebot von mehr als 600 Mio. Euro. Wie ernst die Frankfurter es meinten, bleibt offen. Die Helaba scheiterte in den vergangenen Jahren mehrfach mit ihren Fusionsplänen (Berlin Hyp, Nord/LB, Deka oder Aareal). Lone Star dürfte das Gerücht dennoch genützt haben: Ein zweiter Bieter beschleunigt Verhandlungen und treibt den Preis.

Reserven sind futsch

Zuvor hatte sich Lone Star noch eine Ausschüttung von 195 Mio. Euro aus dem Jahresgewinn 2025 gegönnt. Dafür löste die IKB einen Großteil der Reserven auf. Lone Star hatte die IKB, die 2007 als erste deutsche Bank in der Finanzkrise vom Staat mit 10 Mrd. Euro aufgefangen werden musste, ein Jahr später für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag erworben. Damals war die IKB noch 60 Mrd. Euro groß.

Die CA finanziert den Kauf nach eigenen Angaben vollständig aus Eigenmitteln der Gruppe. Er drückt die harte Kernkapitalquote der Crédit Agricole S.A. (CASA) – nicht die der Gruppe – um rund 20 Basispunkte. Die CASA hatte zuletzt eine CET1-Quote von 11,3%, nur 2,5 Prozentpunkte über der SREP-Anforderung. Die Gruppe hatte üppigere 17,2% oder 6,8 Punkte Abstand zur Anforderung. Der Kauf soll bis Ende des zweiten Quartals 2027 abgeschlossen sein. Die CA erwartet eigenen Angaben zufolge von Übernahmen Kapitalrenditen von mehr als 10% innerhalb von drei Jahren. Bei 700 bis 800 Mio. Euro Kaufpreis müsste die IKB-Übernahme also rund 70 bis 80 Mio. Euro abwerfen.

Niedrige Eigenkapitalrendite

Allerdings ist die IKB laut dem jüngsten Halbjahresbericht eher ertragsschwach. Der gemeldete Vorsteuergewinn von 36 (i.V. 38) Mio. Euro wurde nur durch Einmaleffekte wie Auflösung des Fonds für allgemeine Bankrisiken oder Erträge aus aufgelösten Zinsderivaten erreicht. Bereinigt um diese Effekte verblieb ein Ergebnis nach Risikovorsorge von 11 Mio. Euro. Der kumulierte Zins- und Provisionsüberschuss ging wegen niedriger Beiträge aus Derivategeschäften um ein Fünftel auf 82 Mio. Euro zurück. Auf das bilanzielle Eigenkapital gerechnet, belief sich die Rendite auf knapp 7%. Zum Vergleich: Diese lag bei der CASA bei 14,3%. Die Cost-Income-Ratio der IKB schnellte von 76 auf 80,9% hoch, während sie bei den Franzosen 54,7% erreichte.

Positiv dagegen: Die CET1-Quote verbesserte sich von 17,2 auf 17,7%. Und die Refinanzierung des Kreditbuchs ist durch Förderdarlehen, Repo-Geschäfte, Privatkundeneinlagen und andere Mittel fast ausschließlich besichert.

Refinanzierungsvorteile und Kosteneinsparung

Trotzdem ist offensichtlich: Allein hat die IKB einen schweren Stand. Eine billigere Refinanzierung über die CA (über die Gruppe oder auch die neue Savings-Plattform) sowie die anderen Größenvorteile der französischen Großbank (Finanzkraft, Netzwerk, Produkterweiterung) braucht sie dringend. Umgekehrt rechnet sich der Kauf für die CA nur, wenn diese Refinanzierungsvorteile greifen und die IKB deutlich Kosten spart. Darüber hinaus bringt die IKB ein Förderkreditbuch von 4,4 Mrd. Euro mit den etablierten Zugängen zu KfW und Co. sowie ihren Kundenstamm bei Mittelständlern als Mitgift mit.

Die Franzosen stapeln in ihrer Mitteilung eher hoch als tief. Sie wollen eine „echte paneuropäische Franchise für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie mittelständische Unternehmen“ aufbauen. Neben Frankreich ist die CA auch in Italien stark vertreten sowie in Polen und der Ukraine. In Italien betreibt die CA nach eigenen Angaben bereits eine Plattform für mittelständische Firmenkunden. Dieses Geschäft will sie mit der Übernahme weiter skalieren.

Das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte?

„Mit der IKB heißen wir ein Institut von herausragender Qualität in unserer Gruppe willkommen, das auf einer jahrzehntelangen Kundennähe, tiefgreifender Branchenexpertise und einem unermüdlichen Engagement für den deutschen Mittelstand basiert“, wird Olivier Gavalda, CEO von Crédit Agricole S.A., in der Mitteilung zitiert. Der Beitritt zur Crédit Agricole-Gruppe schlage „ein neues Kapitel für die IKB auf“, so Michael Wiedmann, CEO der IKB. Das sicherlich. Aber ob der spektakuläre Rettungsfall der Finanzkrise nun unter französischer Führung zu einer Erfolgsgeschichte mutiert, ist längst nicht ausgemacht.