Die EZB verzichtet auf ihrer Sitzung am Donnerstag wahrscheinlich zunächst auf eine weitere Zinserhöhung. Für Hauskäufer ist das aber nur ein schwacher Trost. Seit Juni hat die Zentralbank bereits zweimal die Zinsen angehoben und die Märkte preisen schon weitere Erhöhungen ein. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg seit dem Sommer von rund 3 auf zeitweise über 3,6 %. Die Bauzinsen folgten entsprechend.

Nirgends schlägt die Zinswende so schnell durch wie bei der Immobilienfinanzierung. Für viele Banken geht es dabei um ihr Kerngeschäft. Wie hart es gerade getroffen wird, zeigt der am Dienstag veröffentlichte Bank Lending Survey von Bundesbank und EZB. Die Institute in Deutschland melden für das dritte Quartal sinkende Nachfrage in allen Segmenten, bei Wohnungsbaukrediten mit Abstand am stärksten. Sie ging zum zweiten Mal in Folge „deutlich zurück“. Unter dem Strich meldeten 37% mehr Banken eine sinkende als eine steigende Nachfrage. Als die Bundesbank die Institute im Sommer nach ihren Erwartungen für das dritte Quartal fragte, hatten sie nur mit einem Wert von 15% gerechnet. Im Euroraum liegt der Wert bei 27%. Auch deutsche Unternehmen fragen erstmals seit über zwei Jahren weniger Kredit nach, vor allem kleine und mittlere Firmen, überwiegend für langfristige Investitionen. Das steigende Zinsniveau hinterlässt überall Spuren.

Schärferer Wettbewerb

Laut Bundesbank begründeten die deutschen Banken den Rückgang bei den Wohnungsbaukrediten vor allem mit dem höheren allgemeinen Zinsniveau und einem gesunkenen Verbrauchervertrauen. Zudem vermuteten die Banken, dass Kunden „vermehrt Kredite bei Konkurrenzinstituten nachgefragt“ hätten. Das deutet auf einen schärferen Wettbewerb hin.

An den Banken selbst liegt der Rückgang nicht. Die deutschen Institute haben ihre Vergabekriterien für Wohnungsbaukredite im dritten Quartal sogar gelockert. Gemeint sind damit die internen Regeln, nach denen sie entscheiden, wer einen Kredit bekommt. Es ist das einzige Segment, in dem die Institute großzügiger wurden. Die Banken berichten zugleich von einer gestiegenen Bereitschaft, Risiken einzugehen. Dennoch lehnten sie mehr Kreditanträge ab als im Vorquartal. Für das vierte Quartal erwarten die Institute einen weiteren Rückgang der Nachfrage. Im Euroraum sieht es ähnlich aus. Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten sank im dritten Quartal ebenfalls stark. Für das vierte Quartal rechnen die europäischen Banken mit einem noch stärkeren Rückgang und wollen ihre Vergabekriterien „deutlich“ verschärfen. Die deutschen Institute wollen ihre Kriterien dagegen unverändert lassen.

Firmen fragen ebenfalls weniger Kredit nach

Auch bei den Unternehmen drückt der Zins die Nachfrage, wenn auch weniger stark als bei den Wohnungsbaukrediten. Die Nachfrage nach Firmenkrediten sank in Deutschland erstmals seit mehr als zwei Jahren. Im Sommer hatten die Banken noch mit einem Anstieg gerechnet. Der dämpfende Einfluss des Zinsniveaus fiel laut Bundesbank „deutlich stärker“ aus als im Vorquartal. Betroffen sind vor allem Mittelständler und langfristige Kredite, also Investitionen. Die Banken selbst bleiben bei Firmenkrediten vorsichtig und verschärften ihre Vergabekriterien weiter, wegen höherer Kreditrisiken. Im Euroraum fiel diese Straffung stärker aus.

Darin liegt der Unterschied zwischen Deutschland und dem Rest des Euro-Raums. Die deutschen Banken sind bereit, wieder mehr Risiko zu nehmen – erstmals seit über zwei Jahren. Die Banken im Euroraum werden vorsichtiger und kündigen für das vierte Quartal deutliche Verschärfungen an. In Deutschland bremst vor allem die Nachfrage. Im Euroraum bremsen zunehmend auch die Banken. Für das vierte Quartal erwarten die deutschen Institute bei Firmenkrediten trotzdem wieder steigende Nachfrage.

Rechenzentren statt Reihenhäuser?

Einen Hoffnungswert gibt es immerhin: Mehrere Banken im Euroraum erwarten laut EZB einen „allmählichen, aber anhaltenden“ Anstieg der Nachfrage nach Finanzierungen für KI-Infrastruktur, vor allem für Rechenzentren. Die Kredite dürften eher an Infrastrukturanbieter gehen als an Softwarefirmen. In Deutschland allerdings sind einige große Häuser bei der Finanzierung von Rechenzentren bereits deutlich restriktiver geworden und machen dort kaum noch Neugeschäft, wie aus Finanzkreisen zu hören ist. Mit KI-bezogenen Krediten insgesamt tun sich die Banken im Euroraum noch schwer. Sie seien noch dabei, ihre Vergabepraxis an die Technologie anzupassen, schreibt die EZB. Die meisten haben „noch keine spezifischen quantitativen Kriterien“, um Kredite an Firmen zu bewerten, die KI einsetzen oder entwickeln. Nur wenige Institute berücksichtigen KI-Risiken bislang in der qualitativen Bonitätsprüfung; IT-Firmen prüfen sie dabei am genauesten.

Das Beispiel zeigt, wie schwierig die Lage auf dem Kreditmarkt ist. Das Geschäft mit Baufinanzierungen kennen die Banken aus langer Erfahrung – doch es schwächelt. Die KI-Infrastruktur ist ein möglicher Wachstumszweig, aber riskantes Neuland.